Bleib mir bloß weg mit Corona

  • Aus dem 'Postillon':



    Mittwoch, 26. August 2020

    Mysteriös: Querdenker, die nach Demo-Absage Diktatur schreien, hatten kein Problem damit, als eine Woche vorher Gedenk-Demo gegen Rechts in Hanau abgesagt wurde

    Coronadiktatur.jpg

    Berlin, Hanau (dpo) - Woran das wohl liegen mag? Zahlreiche Menschen sehen die Absage der Hygienedemo am Wochenende in Berlin aus Gründen des Infektionsschutzes offenbar als endgültigen Beweis, dass sie in einer Diktatur leben. Als vor einer Woche eine Gedenk-Demonstration in Hanau gegen Rechts aus praktisch denselben Gründen abgelehnt wurde, waren dieselben Personen jedoch seltsamerweise still.


    "Corona-Diktatur: Berlin verbietet Freiheits-Demo", beklagt sich etwa der AfD-nahe "Deutschland Kurier" auf Twitter. Als vergangenen Freitag eine Demo zum Gedenken der 10 Opfer des rechtsextremen Anschlags am 19. Februar 2020 in Hanau mit über 5000 angemeldeten Teilnehmern abgesagt wurde, hatte das Blatt offenbar kein Problem damit.


    Ähnlich still blieb auch Twitter-User Samuel G., als in Hanau tausende Menschen trotz vorliegenden Hygienekonzepts nicht demonstrieren durften. Heute schreibt er bezugnehmend auf die Demoabsage in Berlin: "Die Diktatur zeigt ihre Auswüchse und ihr wahres Gesicht!".


    Nun soll geprüft werden, woran diese Diskrepanz liegen könnte. Manche vermuten beispielsweise, dass das plötzliche Interesse an der Demokratie nur geheuchelt sein könnte. Immerhin wäre bei Beachten der behördlichen Auflagen ein Verbot deutlich unwahrscheinlicher gewesen.


    Vielleicht ist den Querdenkern die vergleichsweise kleine Demo in Hanau mit ihren lediglich 5000 Teilnehmern aber auch schlicht nicht aufgefallen. Immerhin sind sie selbst Proteste mit 1,3 bis 3,5 Millionen Beteiligten gewohnt.


    ssi; Foto: Twitter-Screenshots

  • Die "Querdenker" sind ein ungut zusammengewürfelter Haufen:(


    Und bleib mir weg mit Corona, wird nicht helfen. Das Virus ist ja da.


    Schlecht nur, dass die Regeln immer wieder so unterschiedlich sind. Wer soll da noch durchblicken:/

  • Netzfund: Der Autor ist der SPD-Politiker und Hausarzt Rainer Röver aus Überlingen.



    Ok, Ihr Rebellen - ich fasse mal zusammen, was ich in den letzten Monaten von Euch gelernt habe:

    Ihr wollt unsere #Demokratie verteidigen und das #Grundgesetz retten, das aber eigentlich gar nicht gültig ist, und auch noch nie gültig war, weil wir nach wie vor im besetzten #Kaiserreich leben (einem Kaiserreich, in dem es übrigens eine allgemeine #Impfpflicht gab).

    Ihr wehrt Euch gegen eine #Diktatur in der man seine Meinung nicht mehr frei sagen darf, obwohl Euch eben diese Diktatur erlaubt zu demonstrieren, und sogar weitgehend darüber hinweg sieht, dass Ihr tausendfach die Demonstrationsauflagen verletzt.

    Deswegen bittet ihr wahlweise Donald #Trump oder Wladimir #Putin (also DIE Garanten für freie Meinungsäußerung und das Demonstrationsrecht!), einzumarschieren und unsere Regierung abzusetzen. (Wie jetzt, ich dachte, die hätten uns schon besetzt?)

    Ihr wehrt Euch gegen die #Maskenpflicht, weil Masken sowieso nichts bringen gegen das Virus, das es eigentlich auch gar nicht gibt, obwohl es von Bill #Gates in einem Labor in #Wuhan erfunden wurde.

    Masken bringen Eurer Meinung nach übrigens deshalb nichts, weil das #Virus viel zu klein ist, um von Masken zurückgehalten werden zu können - gleichzeitig sind die Masken aber gesundheitsschädlich, weil sie die (viel kleineren) #Sauerstoff- und #Kohlendioxid-Moleküle zurückhalten, so dass man wahlweise einen Sauerstoffmangel oder eine Kohlendioxidvergiftung erleidet.

    Und in diesen Masken, die überhaupt nicht geeignet sind, um die Entstehung von #Aerosole|n zu verhindern, sammelt sich aber so viel Feuchtigkeit (ach!), dass sich schon nach kurzem dort ganz viele gefährliche Bakterien vermehren, die uns krank machen.
    (Bakterien, die allerdings in unseren Atemwegen schon vorhanden gewesen sein müssen, denn wie wären sie sonst in die Maske gekommen?)

    Aber egal: Man wird auf jeden Fall schon nach kurzem Tragen einer Maske schwer krank. (Wie man bei tausenden von Chirurgen jeden Tag beobachten kann...)

    Unsere #Politiker reagieren alle planlos und sind völlig inkompetent, von #Wirtschaftsinteressen gelenkt, und können sich nicht einigen, welche Corona-Regeln wann und wo gelten sollen (hier habt Ihr sogar teilweise Recht) - gleichzeitig sind diese Politiker aber alle Teil einer sorgfältig geplanten und koordinierten, weltweiten Verschwörung, die von den Wirtschafts- und Finanzeliten erdacht wurde... um... um äh... ach ja: unsere Wirtschaft ins Chaos zu stürzen. (Häh???)

    Ihr beschwert Euch darüber, dass das #RKI von einem Tierarzt geleitet wird (was eigentlich ziemlich sinnvoll ist, googelt mal "#Zoonose") und fordert deshalb, dass #Heilpraktiker und #Homöopathen die Verantwortung übernehmen sollen.

    Alle Eure Informationen habt Ihr übrigens aus den Telegram- und Youtube-Kanälen von Soul-Sängern, Schwindel-Doktoren und Vegan-Köchen - weil die ja viel objektiver und neutraler berichten als ALLE (!) Print- oder Rundfunk-#Medien, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, egal ob konservativ oder linksliberal...

    Und deswegen erwartet ihr von unseren Wissenschaftlern (denen ihr bei jeder Gelegenheit vorwerft, wenn sie auf neue Erkenntnisse reagieren und ihre Meinung ändern), dass sie endlich AuFwaCHeN!!1!!!, auf Eure "Erkenntnisse" reagieren, und ihre Meinung ändern.

    Habe ich das ungefähr richtig wieder gegeben?

  • Hochzeitsfeiern sind ein Highlight, keine Frage.


    Für einige haben sie offensichtlich höchste Priorität:thumbdown:


    Drei Hochzeitsfeiern im Westen führen jetzt zu verschärften Corona-Regeln in Hamm.


    Dass man feiern möchte, kann ich ja verstehen, aber so ganz ohne alle Regeln?

    Die Jungen und Gesunden bedenken nicht, dass sie bei einer Infektion wahrscheinlich zwar nur einen leichten Verlauf der Krankheit erleben werden, aber trotzdem ansteckend sind ... ganz zu schweigen von den Spätfolgen, die noch längst nicht bekannt sind.


    In den USA gab es eine Hochzeitsfeier mit 170 Infizierten und sieben Toten. Die hatten nicht mitgefeiert.


    Keine Panik, aber Vorsicht und Rücksichtnahme sind angesagt.

  • Bisher habe ich noch niemanden getroffen, der an Covid-19 erkrankt war, und ich bin froh darüber.

    Ich kenne auch niemanden, der sich einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen angeschlossen hätte. Auch hierüber bin ich froh.


    Es mag ja durchaus sein, dass die ein oder andere Maßnahme überzogen erscheint. Und ja, Experten mussten ihre Mitteilungen und Prognosen gelegentlich korrigieren.

    Aber wer erwartet denn ernsthaft die zementierte (End-)Gültigkeit für Aussagen über eine Krankheit, die gerade erst auftritt und erforscht wird?


    Möchte jemand ertrinken oder den Erstickungstod sterben?

    So fühlt es sich nämlich an, wenn man beatmet werden muss. Sogar, nachdem man ins künstliche Koma versetzt wurde.


    In diesem Fall kann ich mitreden. Leider. Nicht als Erkrankte, aber als Angehörige.

    Es ist grausam, in beiden Fällen.


    Umso dringlicher erscheint mir, Erfahrungsberichte wie den des Journalisten Joachim Huber zu kennen und darüber zu informieren.

    Um den Verharmlosungspredigern paroli bieten zu können.

    Um die Leichtfertigen zu korrigieren, die glauben durch Jugendlichkeit geschützt zu sein.

    Um den Wut- oder sonstwasbürgern zu verdeutlichen wo Verantwortung beginnt, wenn sie sich bevormundet sehen, nur weil sie Rücksicht üben sollen.

    Und, und, und ...



    Wenn er erlebt, wie leichtfertig Menschen Infektionen riskieren, reagiert Huber:


    "Ich bin natürlich gefangen in meiner Situation. Aber wie jemand sagen kann, das Virus ist eine Erfindung von Bill Gates, wie man die eigene Position so überhöhen kann, dass man ärztliche Ratschläge missachtet, keine Maske trägt, keinen Abstand hält – das ist mir unverständlich und ich nehme das diesen Leuten persönlich übel. Die demonstrieren für Liebe und Freiheit. Liebe? Das ist Egoismus. Was an Freiheit verliert der Mensch, wenn er sich ein Stück Tuch ins Gesicht hängt?"

    Corona-Überlebenskampf des Tagesspiegel-Redakteurs
    „Ein zweites Mal diese Tortur – das würde ich nicht schaffen“

    Joachim Huber war im März einer der ersten Corona-Kranken. Jetzt spricht er über seinen Kampf mit dem Virus und die Langzeitfolgen der Infektion. Von Maris Hubschmid mehr

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!