Jüdisches Leben in Deutschland

  • Von Karneval bis Ostern gar nichts(!) essen und trinken? Aha. Dann schreibt hier wohl deine Leiche ...8|:saint:

    Über jüdisches Leben scheinst du jedenfalls arg wenig zu wissen. Aber das lässt sich ändern. Kuck:

    1700 Jahre jüdisches Leben
    Vom sozialen Leben in der Synagogen-Gemeinde Köln

    Die Synagoge an der Roonstraße, wegen der Pandemie, derzeit wegen der Pandemie mit Tüchern „geteilt“, ist das Zentrum auch des sozialen Engagements. 

    Die Synagoge an der Roonstraße, wegen der Pandemie, derzeit wegen der Pandemie mit Tüchern „geteilt“, ist das Zentrum auch des sozialen Engagements. Foto: Ulrike und Constantin von Hoensbroech

    (Kölnische Rundschau)

  • Deutschland 2021 ... ohne Kommentar


    "Haben wir nichts aus der Vergangenheit gelernt?", fragt Sänger Gil Ofarim in einem aktuellen Instagram-Beitrag. Der Sänger berichtet, wie er in einem Leipziger Hotel nicht bedient wurde. Sein Davidstern soll der Grund gewesen sein.


    Der Sänger Gil Ofarim erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels. Der Musiker und TV-Star sei rund 50 Minuten an der Rezeption stehen gelassen worden, während immer wieder andere Gäste vorgezogen wurden.

    Als er nach dem Grund für die Behandlung gefragt habe, sei er auf den Davidstern an seiner Halskette verwiesen worden. Erst wenn er diesen abnehme, würde er bedient.


    Kurz nach dem Vorfall am Montagabend drehte Ofarim ein Video, das er am Dienstagvormittag dann veröffentlichte.

    Darin zeigt sich der 39-Jährige sichtlich mitgenommen von den Ereignissen. Eigentlich war er für die Aufzeichnung einer neuen MDR-Fernsehshow in Leipzig zu Gast.

    Gil Ofarim ist nach dem Vorfall sichtlich angefasst: Der Sänger veröffentlichte Dienstag ein Video bei Instagram, in dem er von den Ereignissen berichtet. (Quelle: Screenshot/Instagram)


    Gil Ofarim ist nach dem Vorfall sichtlich angefasst: Der Sänger veröffentlichte am Dienstag ein Video bei Instagram, in dem er von den Ereignissen berichtet. (Quelle: Screenshot/Instagram)

    "Eine Person nach der anderen wird vorgezogen"

    "Ich bin gerade sprachlos", beginnt der Sänger zu erzählen. In dem großen Hotel im Zentrum der Stadt habe es einen Computerabsturz gegeben. Daher habe sich eine riesige Schlange am Check-in gebildet.

    "Kann passieren, alles gut", sagt Ofarim. Aber: Während er gewartet habe, sei ihm aufgefallen, dass eine Person nach der anderen vorgelassen wurde. "50 Minuten später komme ich dran und frage: 'Entschuldigen Sie bitte, was ist los?"

    Leipziger Hotelmitarbeiter: "Packen Sie Ihren Stern ein"

    Der Hotelmitarbeiter, den Ofarim in dem Instagram-Beitrag als einen Herrn W. vorstellt, habe daraufhin geantwortet: "Um die Schlange zu entzerren." Dass Ofarim selbst in der Schlange stand, überging der Mitarbeiter demnach dabei.

    In diesem Moment, so schildert es der Sänger, habe ein anderer gerufen, Ofarim solle seinen Davidstern abnehmen. "Und da sagt der Herr W.: 'Packen Sie Ihren Stern ein.'" Sekundenlang ringt der Sänger um Fassung, scheint mit den Tränen zu kämpfen. Dann sagt er: "Deutschland 2021."

    Im Text zu dem Post schreibt er: "Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt?" Es sei nicht das erste Mal, dass er antisemitische Diskriminierung erlebt habe. "Aber irgendwann reicht es."

    Hotel äußert sich bislang nicht zu den Vorwürfen

    Auch laut seiner Managerin war Ofarim nach den Ereignissen komplett aufgelöst. Sie habe ihm erst einmal ein neues Hotel gebucht, in dem er die Nacht verbringen konnte. Jetzt überlege man gemeinsam weitere Schritte.


    t-online hat auch das Hotel, in dem sich der Vorfall laut Ofarim zugetragen hat, um eine Stellungnahme gebeten. Bis jetzt hat es nicht geantwortet.

    Anna Staroselski, die Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, twitterte zu den Vorwürfen: "Es reicht! Wir wollen uns nicht mehr verstecken! #Antisemitismus".


    Quelle: t-online

  • Naja, Zynismus ist grad nicht so mein Ding.


    Wenn es so war, wie berichtet -was ich leider nicht spontan bezweifeln kann, dann frag ich mich, warum niemand vor Ort sofort Ofarim unterstützt hat. Fehlt da der Mut? Oder war die Situation wirklich uneindeutig?


    Immerhin gab es ja anschließend eine Demo gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

  • Es geht nicht um Aufmerksamkeit für den einzelnen Promi, der sich öffentlich beklagt. Vielmehr um unseren Rückhalt für alle unsere -oftmals resigniert schweigenden- jüdischen Mitbürger, die sich immer wieder Alltagsdiskriminierung und Anfeindung ausgesetzt sehen, ohne dass sie irgendetwas Bemerkenswertes auszeichnet - außer jüdisch zu sein ...


    Was Gil Ofarim nach eigenen Angaben widerfuhr, ist ja kein Einzelfall. Im deutschsprachigen Raum hat es nach 1945, dem Ende des Naziregimes, immer wieder antisemitische Anschläge und Angriffe gegeben.

    In den letzten Jahren ist die Anzahl antisemitischer 'Vorfälle' sogar noch angestiegen!


    https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/chronik/

    https://mediendienst-integrati…emitische-straftaten.html

    https://www.tagesschau.de/thema/antisemitismus/


    ... dann frag ich mich, warum niemand vor Ort sofort Ofarim unterstützt hat. Fehlt da der Mut?


    Das ist wohl in vielen Fällen so.

    Es heißt auch, oft werde Antisemitismus als solcher gar nicht erkannt.


    https://mediendienst-integrati…u-wort-kommen-lassen.html


    Die Mehrheitsgesellschaft hat eine Menge aufzuarbeiten, scheint mir.

    Zitat

    Alltäglicher Antisemitismus hat weitgehende Auswirkungen auf die jüdische Identität von Menschen, wenn sie etwa das stigmatisierte Schimpfwort "Du Jude" verinnerlichen und dadurch das Gefühl bekommen, dass Jude zu sein etwas Schlechtes ist.


    Folgenreicher als die antisemitische Tat selbst ist, dass die Umgebung nicht reagiert, sondern schweigt, weil sie sich nicht betroffen fühlt.


    Das erschüttert das Grundvertrauen vieler Betroffener, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Das geht soweit, dass Juden sich nicht beschützt fühlen und über Auswanderung nachdenken. Viele machen sich Sorgen über die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland.

    Von hier:

    https://mediendienst-integrati…semitismus-oft-nicht.html

  • Ja, es ist kein Problem der jüdischen Mitbürger, sondern der Mehrheitsgesellschaft, die Antisemitismus duldet und ihn oft nicht mal erkennt.

    Offensichtlich sind die alten Mythen über Juden in vielen Köpfen noch präsentX(


  • Offensichtlich sind die alten Mythen über Juden in vielen Köpfen noch präsent

    Ja, das sind sie wohl.


    Die Historikerin Miriam Rürup, Professorin an der Universität Potsdam und Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, hat sich näher mit den Fragen befasst, welche einflussreichen antisemitischen Stereotype es gibt, welchen historischen Hintergrund sie haben und wie sie sich heute auswirken.

    Stereotyp Religion
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    Die Unterstellung: Juden seien »Gottesmörder«, verantwortlich für die Kreuzigung Jesu


    Stereotyp Blut
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    Die Unterstellung: Juden seien »Ritualmörder« und »Kindesmörder«


    Stereotyp Macht
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    Die Unterstellung: Juden würden im Geheimen die Welt kontrollieren


    Stereotyp Geld
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    Die Unterstellung: Juden seien Wucherer und Betrüger


    Stereotyp Körper
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    Die Unterstellung: Juden seien verweichlicht und »degeneriert«, zugleich aber sexuell bedrohlich


    Stereotyp Fremdheit
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    Die Unterstellung: Juden seien rückständig und fremdartig


    Stereotyp Revolution
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    Die Unterstellung: Der Kommunismus sei eine jüdische Erfindung


    Stereotyp Land und Boden
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    Die Unterstellung: Juden seien »heimatlos« und blieben stets Außenseiter


    Stereotypen – die Kehrseite: Philosemitismus
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    Die Unterstellung: Juden seien intelligenter, begabter, witziger, moralisch bessere Menschen

    (Weiterlesen:

    SPIEGEL Geschichte 3/2021 )

  • Ist Philosemitismus jetzt was Gutes oder Schlechtes? Bitte nur in diesem dualistischen Kontext antworten. Ich bin als Mensch zu dumm für komplexere Kategorisierungen.


    Was Antisemitismus angeht bleibt mir persönlich nichts anderes übrig als mich selbst zu loben. Habe mich immer gegen Antisemitismus positioniert, bei jeder Gelegenheit. Erzähle ich einen Holocaustwitz, verurteile ich mich hinterher immer selbst dafür, während meine Freunde noch am Lachen sind. Auch bin ich vehement gegen die Zuwanderung von weiteren Antisemiten (aka Moslems) nach Europa. Ich denke gerade aufgrund meiner islamophoben Tendenzen kann ich mit Fug und Recht behaupten kein Antisemit zu sein. Ok, streng genommen sind Palästinenser ja auch Semiten, aber wie ich schon eingangs beschrieb: Ich bin dumm. Ich blende sowas aus. Die Lügenpresse hilft mir dabei. Ich stehe also definitiv auf der richtigen Seite.


    Beziehen wir uns nun auf den angesprochenen Sachverhalt. Leiste ich Zivilcourage für Juden? Nun das käme auf die Situation an. Im Falle von Gil Ofarim finde ich es zunächst einmal schwer einzuschätzen inwiefern die Menschen um ihn herum überhaupt davon mitbekommen haben. Aus den Schilderungen scheint er auch selber nicht die Menschen im Hotel auf die Vorfälle angesprochen zu haben, sondern hat sich lieber in die Onlinewelten begeben um seinen Kummer loszuwerden. Da kriegt man zwar eine Menge Anteilnahme und Likey-Likeys, aber die können natürlich sich nicht direkt ins Hotel beamen und den Manager ins Gesicht brüllen. Fällt mir schwer daraus den Menschen in der Umgebung einen Vorwurf zu machen, zumal die Anteilnahme der allgemeinen Öffentlichkeit ziemlich groß war.


    Hätte ich es mitbekommen, wäre es dennoch von vielen anderen Faktoren abhängig gewesen. Ein hoher Alkoholpegel erhöht den Mut und die Hilfsbereitschaft. Nüchtern hätte ich mich vielleicht lieber um meine eigenen Probleme gekümmert. Dazu kommt es auch auf die Lokalität an. Sind bei einem antisemitischen Vorfall ein Übermaß an Glatzköpfen oder People of Colour anwesend, ducke ich mich auch lieber weg. Bei erfolgreicher Zivilcourage wird man zwar schonmal mit dem Recht belohnt, in Zukunft Behindertenparkplätze nutzen zu dürfen, aber ich bin kein Autofahrer, also interessiert mich das nicht.

    Ganz so bedrohlich war die Situation im Hotel natürlich nicht. Ich hätte da bestenfalls einen Rauswurf riskiert, was aber ebenfalls unangenehm sein kann, wenn du in einer fremden Stadt auf deine vorreservierte Übernachtungsmöglichkeit angewiesen bist. Deswegen wägt man also immer noch ab, ob sich der Einsatz für das betroffene Subjekt überhaupt rechnet. Nur wer ist dieses Subjekt? Ein Jude. Ok, aber das ist auf den ersten Blick zweitrangig. Der gute Herr wird vor allem wohl als Musiker wahrgenommen. Und wie ich auch keine Ahnung habe was er eigentlich für Musik macht, so sieht er mir optisch nach einer Subkultur aus, deren Klangerzeugnisse ich für gewöhnlich verabscheue. Da weiß nachher garnicht, ob meine Hilfe mir noch selbst schaden wird. Wir reden hier über einen weißen, männlichen Rocker, dem absoluten Stereotypen von Privilegiertheit in der Musikwelt, und nicht über dein asiatisches Lieblingsidol, für die du dir bei rassistischen Angriffen jederzeit eine Kugel fangen möchtest. Da sollten wir wirklich mal die Kirche im Dorf lassen.


    Zitat

    Das erschüttert das Grundvertrauen vieler Betroffener, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Das geht soweit, dass Juden sich nicht beschützt fühlen und über Auswanderung nachdenken. Viele machen sich Sorgen über die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland.

    Und wo wollen die hin auswandern? Wo anders ist es auch antisemitisch. Deutschland ist kein Land der Helden, aber wenigstens interessiert sich hier noch die Mehrheitsgesellschaft für jüdische Schicksale. Ich bin mir sicher, außer Israel, gibt es sonst kein Land der Welt, wo der Vorfall gegen Herrn Ofarim soviel Aufmerksamkeit erregt und Solidarität provoziert hätte.


    Zitat

    Alltäglicher Antisemitismus hat weitgehende Auswirkungen auf die jüdische Identität von Menschen, wenn sie etwa das stigmatisierte Schimpfwort "Du Jude" verinnerlichen und dadurch das Gefühl bekommen, dass Jude zu sein etwas Schlechtes ist.

    Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig als das Wort "Jude" endlich zu verbieten. Genau wie "Neger" oder "Zigeuner". Was wollen die auch sonst machen? Es Positivieren? Das haben die Afroamerikaner mit "Neger" jahrzehntelang über ihre Hiphopkultur versucht, bis ihre Erfolge von den Linksradikalen einkassiert wurden. Nur Wortverbot hilft also. Leider Fakt.

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