9. November - 'Schicksalstag'

  • Der 9. November gilt als ein "Schicksalstag" für die Deutschen, sind mit diesem Datum doch mindestens 4 historische Geschehnisse verbunden, die bis heute Auswirkungen auf unser Leben haben:


    9. November 1918 ---> 'Novemberrevolution'
    WK I, Jahr 4.
    Für Deutschland bestand keine Aussicht mehr auf einen militärischen Erfolg, Weiterkampf würde nur weitere Verluste und Verwüstung bedeuten.
    Dennoch bereitete die deutsche Seekriegsführung einen Angriff auf England vor und versammelte Großkampfschiffe in Wilhelmshafen. Die Matrosen verweigerten am 29.Oktober den Befehl zum Auslaufen.

    Foto: preussen-chronik.de
    Als die Meuterer verhaftet wurden, brach in Kiel offener Aufruhr aus, Hamburg und Lübeck folgten. Der Angriff auf England wurde abgesagt, dennoch sprang der revolutionäre Gedanke mit Forderungen nach Freilassung aller politischer Gefangener, Rede- und Pressefreiheit sowie Straffreiheit für die meuternden Matrosen auf Bremen, Hannover, Köln, Braunschweig und Leipzig über.
    München rief bereits am 7.November die Republik aus.


    Am 9. November übergab der Reichskanzler, Prinz Max von Baden, die Geschäfte an den Vorsitzenden der Mehrheitssozialdemokratie, Friedrich Ebert. Der sozialdemokratische Abgeordnete Phillip Scheidemann rief in Berlin von der Freitreppe des Reichtagsgebäudes die Republik aus. Nur wenige Stunden später rief der Führer des kommunistischen Spartakusbundes, Karl Liebknecht, eine sozialistische Republik aus.


    Der Kaiser dankte ab und ging ins Exil.
    Ende der deutschen Monarchie.


  • 9. November 1923 ---> Hitlerputsch

    Am 9. November 1923 versuchte Adolf Hitler in München zum ersten Mal, politische Macht zu erlangen. Sein Putschversuch wurde blutig niedergeschlagen.

    Zitat

    Im Frühjahr 1924 stand Hitler dann unter Hochverratsanklage in München vor Gericht. Allerdings gelang es ihm, sich im Laufe des Prozesses aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten vom Angeklagten zum Ankläger hochzustilisieren. Mit der Begründung, dass bei einem Mann, "der so deutsch denkt und fühlt wie Hitler" und der sich durch "rein vaterländischen Geist und edelsten Willen" auszeichne, wurde es vom Gericht ausdrücklich abgelehnt, Hitler als verurteilten Ausländer aus Deutschland auszuweisen, wie es § 9 des Republikschutzgesetzes zwingend vorsah.
    Hitler wird zu fünf Jahren Festungshaft wegen "Verbrechens des Hochverrats" verurteilt. In der Festung Landsberg diktierte Hitler seinen damaligen Mithäftlingen Emil Maurice und Rudolf Heß Teile des ersten Bandes seines Buches "Mein Kampf". Ende 1924 wurde Hitler vorzeitig aus der Haft entlassen.

    Von hier


    Der Aufstieg Hitlers wurde leider nicht verhindert, Hitler verfasste sein Buch "Mein Kampf".



    9. November, III


    9. November 1938 ---> Reichspogromnacht


    In der Nacht vom 9. auf den 10. November zerschlugen Nationalsozialisten systematisch Schaufenster jüdischer Geschäfte, demolierten jüdische Einrichtungen und jüdisches Eigentum und zündeten in ganz Deutschland die Synagogen an.


    Foto: ekkw.de


    Als 'Begründung' diente die Ermordung eines Botschaftssekretärs in Paris durch einen Juden.


    In der Pogromnacht wurden unzählige jüdische Bürger verletzt und verhaftet, 91 Menschen jüdischen Glaubens wurden getötet.Die materiellen Schäden, die die Nazis in dieser Nacht angerichtet hatten, mussten die Juden selbst bezahlen.


    Die Pogromnacht -wegen der vielen Glasscherben und -Splitter euphemistisch auch "Kristallnacht" genannt-


    Foto:welt.de


    bildete den Auftakt für die systematische, offene Judenverfolgung in Deutschland.


  • 9. November 1989 ---> Mauerfall in Berlin


    Der Anfang vom Ende der DDR lag schon ein halbes Jahr zurück.
    Am 2.5.1989 war der Stacheldrahtzaun an der ungarisch-österreichischen Grenze abgebaut worden.
    Zahlreiche Ostdeutsche nutzten daraufhin im Sommer '89 die Lücke im 'Eisernen Vorhang' um in den Westen zu gelangen.
    Anfang Oktober kamen jeden Tag zwischen 300 und 600 Menschen in die deutsche Botschaft in Prag und hofften, von dort aus ihre Ausreise in den Westen antreten zu können.
    Insgesamt waren bis zur Öffnung der Mauer über die Bonner Botschaften 20 000 Menschen aus Ungarn, 17 000 aus der Tschechoslowakei und 4 800 aus Polen in den Westen gekommen.

    Am Abend des 9. November 1989 wurde die Grenze in Berlin geöffnet, die Mauer war 'gefallen'.





    Die Teilung Deutschlands in BRD und DDR war aufgehoben.



  • Zum 9. November 1938 den Link ---> BAP Kristallnaach


    Kristallnacht
    Übersetzung für Imis


    Es kommt vor, dass ich meine, dass etwas klirrt,
    dass sich irgendwas in mir verirrt,
    Ein Geräusch, nicht einmal laut,
    manchmal klirrt es vertraut,
    selten so, dass man's direkt durchschaut.
    Man wird wach, reibt sich die Augen und sieht
    in einem Bild zwischen Breughel und Bosch
    keinen Menschen, der um Sirenen was gibt
    weil Entwarnung nur halb soviel kostet.
    Es riecht nach Kristallnacht.


    In der Ruhe vorm Sturm - was ist das?
    Ganz klammheimlich verlässt einer die Stadt.
    Honoratioren incognito
    hasten vorbei,
    offiziell sind die nicht gern dabei
    Wenn die Volksseele - allzeit bereit -
    Richtung Siedepunkt wütet und schreit
    "Heil - Halali" und grenzenlos geil
    nach Vergeltung brüllt, zitternd vor Neid
    in der Kristallnacht.


    Doch diejenigen, die alles, was anders ist, stört,
    die mit dem Strom schwimmen, wie es sich gehört,
    für die Schwule Verbrecher sind,
    Ausländer Aussatz sind,
    brauchen einen, der sie verführt.
    Und dann rettet keine Kavallerie,
    kein Zorro kümmert sich dadrum.
    Der pisst höchstens ein Z in den Schnee
    und fällt lallend vor Lässigkeit um:
    "Na und? - Kristallnacht!"


    In der Kirche mit der Franz-Kafka-Uhr,
    ohne Zeiger, mit Strichen drauf nur,
    liest ein Blinder einem Tauben
    Struwwelpeter vor
    hinter einer dreifach verriegelten Tür.
    Und der Wächter mit dem Schlüsselbund hält
    sich im Ernst für so was wie ein Genie,
    weil er Auswege pulverisiert
    und verkauft gegen Klaustrophobie
    in der Kristallnacht.


    Währenddessen, am Marktplatz vielleicht,
    unmaskiert, heute mit dem wahren Gesicht
    sammelt Steine, schleift Messer
    für die, die schon verraten sind,
    probt der Lynch-Mob für das Jüngste Gericht.
    Und zum Laden nur flüchtig vertaut
    - die Galeeren stehen längst unter Dampf -
    wird am Hafen auf Sklaven gewartet,
    auf den Schrott aus dem ungleichen Kampf
    aus der Kristallnacht.


    Da, wo Darwin für alles herhält,
    ob man Menschen vertreibt oder quält,
    da, wo hinter Macht das Geld her ist,
    wo stark zu sein die Welt ist,
    vom Kuschen und Strammstehen entstellt,
    Wo man Hymnen auf Kämmen sogar bläst,
    in einer barbarischen Gier nach Profit
    "Hosianna" und "Kreuzig ihn!" ruft,
    wenn man irgendeinen Vorteil drin sieht
    ist täglich Kristallnacht.




    Bild: Wolfgang Niedecken

  • Ergänzender Kommentar:

    "Die Vergangenheit ist näher als gedacht"

    (FAZ)

  • Was für ein sinnloser Artikel. Man kann dieses Thema auch intelligenter behandeln, als nur Nazivergleiche zu bemühen. Intelligent wäre es vor allem mal die eigene Berichterstattung zu hinterfragen. Es sind vor allem die Medien, die die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben. Die Eliten wollen doch, daß bei all den Krisen unserer Zeit der Pöbel sich doch lieber gegenseitig bekämpft, als eben gegen die Eliten vorzugehen. Also kreiert man künstlich geschaffene Mehrheiten (Geimpfte) und stachelt sie gegen Minderheiten (Ungeimpfte) an. Ungeimpfte werden dann verbal zum Abschuss freigegeben. Über sie werden Lügen (Fake News) in den Medien produziert, wo man sie einzig und allein verantwortlich für die jüngste Coronawelle macht. Das ist eine Form der Diskriminierung, wie ich sie zu meinen Lebzeiten noch nicht erlebt habe.


    Ja, wir sind noch nicht zu den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte zurückgekehrt, aber ich habe den Eindruck die Eliten wollen das unbegingt. Der Teamgeist wird beschworen. Verzweifelt werden neue Juden gesucht, denen wir dann für alle Probleme die Schuld geben können. Gewissermaßen mögen die Querdenker natürlich Faschisten sein. So werden sie uns ja verkauft. Nur sind alle anderen auch Faschisten, oder werden immer mehr zu solchen erzogen, ohne das die Schwachköpfe es überhaupt merken.


    Differenzierungen liest man in der klassischen Lügenpresse, wie gewohnt, nicht. Der gelenkte Mehrheitspöbel schreit nach Impfpflicht und scheisst dabei auf die Verfassung.


    https://www.nachdenkseiten.de/?p=77796

  • Schwerpunkt des zitierten Artikels ist das Gedenken an die Pogromnacht, 9. November 1938, bei der Nationalsozialisten und in deren Gefolge Sympathisanten und Mitläufer systematisch jüdische Einrichtungen zerstört, Geschäfte geplündert, Synagogen in Brand gesetzt und gegen jüdische Menschen gehetzt, sie verhöhnt, angegriffen und der Verfolgung ausgesetzt hatten.


    Inwiefern ein Vergleich mit und die Warnung vor heutigen Hetzjagden, ungehemmten Aggressionen und Schuldzuweisungen gegen Juden(!) als vorgebliche Verursacher oder Treiber der Coronakrise "unintelligent" sei, erschließt sich mir nicht.

    Wie sieht es andererseits mit denjenigen aus, die sich als Widerstandskämpfer gerieren, als verfolgt oder geknebelt, und Jenen, die sich mit Anne Frank und Sophie Scholl auf eine Stufe stellen?

    Wer heftet sich heutzutage einen Davidstern(!) an und schreibt "ungeimpft" drauf?

    Den "unintelligenten Nazivergleich" ziehen doch wohl sie ...:fp


    Auszug aus einem Interview mit Autor Florian Illies:


    " der Freitag:

    Herr Illies, die Nackttänzerin Josephine Baker wird vier Jahre vor Hitlers Machtübernahme in Berlin von der rechtsradikalen Presse als „Halbaffe“ bezeichnet, die SA wirft bei einer Aufführung Stinkbomben. Die Afroamerikanerin kehrt „Hals über Kopf“, wie Sie schreiben, zurück nach Paris. Die Zeiten des Hasses begannen also bereits 1929?

    Florian Illies:

    Das Auffällige bei Josephine Baker ist, dass sie immer als Teil der „Goldenen Zwanziger“ in Berlin wahrgenommen wird und es viele Hymnen auf ihre Auftritte im Jahre 1926 gibt. Es war für mich eine erschütternde Sache, zu lesen, dass es damit schon drei Jahre später vorbei war: Die Zeitungen empörten sich 1929 über Bakers neue Auftritte, es wurde kritisiert, dass deutsche blonde Frauen mit einer Schwarzen auftreten müssten und dann sogar noch in einem Revuetheater, das jüdischen Besitzern gehörte.

    Das ist eine wichtige Erkenntnis, die wir in unser Bild über diese Zeit mit aufnehmen sollten: wie früh das alles ins Rutschen kommt! Darum war 1929 auch der Anfangspunkt für mein Buch. In diesem Jahr kommt einerseits das Bewusstsein über den Ersten Weltkrieg zurück, etwa durch Remarques Roman Im Westen nichts Neues. Andererseits sind da der Schock der Weltwirtschaftskrise und die immer größer werdende Hoheit über die Stammtische, die die Nazis gewinnen.


    Leben wir wieder in einem Zeitalter des Hasses?

    Es ist auffällig, dass wir derzeit vor allem in den sozialen Medien – aber auch auf der Straße – Ausbrüche von Hetze und Hass sehen, die uns vor zehn oder 15 Jahren noch unvorstellbar erschienen wären. Wir sehen das in den Kommentarspalten unter den Artikeln, wo nachts im Schutz der Dunkelheit und der Anonymität Beschimpfungen ins Internet getippt werden, oder tagsüber, wenn wir die Corona-Leugner und Querdenker auf ihren Demonstrationen brüllen hören.

    Insofern ist der Hass tatsächlich ein Gegenwartsphänomen, dessen Wucht offenbar durch die Lockdowns der letzten Zeit noch einmal erhöht wurde. Die ohnehin Gekränkten fühlten sich erneut ohnmächtig gegenüber einer wie auch immer zurechtfantasierten Übermacht. Wir haben zu Zeiten von Donald Trump in Amerika gesehen, wie zwiegespalten dieses ganze Land ist und wie seine Anhänger mit fanatischen Gesichtern das Kapitol stürmten. Der Firnis der Zivilisation ist wirklich dünn.

    Auch wenn wir sehen, dass die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland noch nie so hoch war wie im Moment, ist das ein verstörendes Alarmzeichen. "

    (Der Freitag)


    Noch etwas: Gebetsmühlenartige Wiederholung des Rundumvorwurfs an "die Medien", sie verbreiteten -selbstredend bewusst und systematisch- Lügen und produzierten "fake news" , trägt wohl kaum zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Themenbereich 'Aufgaben und Macht der Medien' bei.


    Eine persönliche Anmerkung zu den NDS:

    Diese habe ich viele Jahre als Quelle kluger und gegen den Strich gebürsteter Meinungsaufsätze geschätzt. Seit dem Weggang von NDS-Mitbegründer Wolfgang Lieb schwindet m.E. die Nachdenklichkeit mehr und mehr zugunsten einer 'Alle doof/verlogen/korrupt/blind - außer ich'-Attitüde.


    Aber das ist ein anderes Feld und gehört besser hierher.

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