Ansichten eines Winter-Kartoffel-Knödels

  • Das Leben als Knödel ist eine kurze Herausforderung. Gut geformt warte ich zuletzt nur darauf, ob ich im Halse stecken bleib -und dann als abgegriffene Metapher herhalten muss, oder ob ein mehr oder weniger blöder Mensch bezüglich meines hervorragenden Geschmacks in Verzückung gerät.


    Davon hängt ab, ob ich in der Kartoffelknödelhölle oder im Kartoffelknödelhimmel mein weiteres Dasein friste. Den Unteschied kann ich nur erahnen. Knödelzukunft liegt auf dem Teller, nicht im Jenseits.


    Die Oma macht die besten Knödel, meine Erzeugerin tut sich da eher schwer. Hat die je einen Knödel selbst zubereitet und im kochenden Wasser simmern lassen? Ich hab da so meine Zweifel und das stimmt mich knödelig-traurig.


    Und jetzt soll ich Knödel auch noch als Buch herhalten? Das Knödelleben ist vor allem rund und kurz. Jeder Knödel weiß das.


    Der Bücherwurm meint, als Buch sei ich eine Katastrophe. Zu all den LesenswertListen sei genau ich ein guter Anlass für eine Nichtlesenswertliste. Ist das eine Auszeichnung und macht mich jetzt berühmt?


    Als Knödel kümmert mich das wenig: Knödel werden gegessen. Wer die liest, ist eh selber schuld.


    Rita Falk: Winter-Kartoffel-Knödel
    dtv München, 2010
    [Spiegel-Bestseller ohne Jahrszahl ]

  • Am Winterkartoffelknödel liegt es natürlich nicht, dass ich den Provinzkrimi -so steht es im Untertitel- von Rita Falk nur widerwillig zuende gelesen habe.


    Die Geschichte ist nicht konstruierter, als bei Krimis üblich, die Dorfbewohner werden durchaus in Ansätzen charakterisiert, bleiben aber sehr klischeebehaftet: Der Metzger läuft ständig mit blutiger Schürze durchs Bild, der Wirt denkt allweil ans Bier, versteht sich aber weniger als der Familienvater, der er ist, sondern probt ziemlich dämlich den Frauenheld.


    Die Frauen? Sie sind schön geblümt, kochen, tratschen und halten, jede auf ihre Weise, die Männer "in Schach". Auch die Neue, die plötzlich als Erbin auf einem alten, verfallenen Gut mit reichlich Grundbesitz auftaucht. Sie ist dermaßen schön und verführerisch ...


    Die Krönung ist Franz Eberhofer, der Protagonist, der zwangsweise als Polizist ins Dorf zurückversetzt wurde, damit er keinen weiteren Schaden anrichtet. Er ist derjenige, der sich daran stört, dass eine Familie durch reichlich Todesfälle, die einzeln gut als Unfall durchgehen könnten, ganz ausgelöscht wird.


    Der Eberhofer wandert aber gleichzeitig dermaßen deppert durch die Geschichte, dass jeder Krimileser schon lange vor ihm weiß, wie der Hase läuft. Es gibt keine Überraschungen. Ist das lustig?


    Und dann ist da noch die Sprache vom Eberhofer, der die Geschichte streng aus seiner Sicht im Präsens erzählt.
    Dadurch entsteht auch Komik, aber meine ist das nicht. Andere finden das offensichtlich nur wunderbar.


    So ist das mit den Buchempfehlungen.

  • Knödel werden gegessen. Wer die liest, ist eh selber schuld.


    Stimmt, beides. ^^
    Bekenne mich 'schuldig', Kästner-Knödel immer wieder genießen zu können.


    Die Sache mit den Klößen


    Der Peter war ein Renommist.
    Ihr wisst vielleicht nicht, was das ist.
    Ein Renommist, das ist ein Mann,
    der viel verspricht und wenig kann.


    Wer fragte: „Wie weit springst du, Peter?“
    bekam zur Antwort: „Sieben Meter.“
    In Wirklichkeit – Kurt hat’s gesehn –
    sprang Peter bloß drei Meter zehn.


    So war es immer: Peter log,
    dass sich der stärkste Balken bog.
    Und was das Schlimmste daran war:
    Er glaubte seine Lügen gar!


    Als man einmal vom Essen sprach,
    da dachte Peter lange nach.
    Dann sagte er mit stiller Größe:
    „Ich esse manchmal dreißig Klöße.“


    Die anderen Kinder lachten sehr,
    doch Peter sprach: „Wenn nicht noch mehr!“
    „Nun gut,“ rief Kurt, „wir wollen wetten!“
    (Wenn sie das bloß gelassen hätten.)


    Der Preis bestand, besprachen sie,
    in einer Taschenbatterie.
    Die Köchin von Kurts Eltern kochte
    die Klöße, wenn sie’s auch nicht mochte.


    Kurts Eltern waren ausgegangen.
    So wurde endlich angefangen,
    Vom ersten bis zum fünften Kloß,
    da war noch nichts Besondres los.


    Die anderen Kinder saßen stumm
    um Peter und die Klöße rum.
    Beim siebenten und achten Stück
    bemerkte Kurt: „Er wird schon dick.“


    Beim zehnten Kloß ward Peter weiß
    und dachte: Kurt erhält den Preis.
    Ihm war ganz schlecht, doch tat er heiter
    und aß, als ob’s ihm schmeckte, weiter.


    Er schob die Klöße in den Mund
    und wurde langsam kugelrund.
    Der Anzug wurde langsam knapp.
    Die Knöpfe sprangen alle ab.


    Die Augen quollen aus dem Kopf.
    Doch griff er tapfer in den Topf.
    Nach fünfzehn Klößen endlich sank
    er stöhnend von der Küchenbank.


    Die Köchin Hildegard erschrak,
    als er so still am Boden lag.
    Dann fing er grässlich an zu husten,
    dass sie den Doktor holen mussten.


    „Um Gottes willen“, rief er aus,
    „der Junge muss ins Krankenhaus.“
    Vier Klöße steckten noch im Schlund.
    Das war natürlich ungesund.


    Mit Schmerzen und für teueres Geld
    ward Peter wiederhergestellt.
    Das Renommieren hat zu Zeiten
    auch seine großen Schattenseiten.


    (Erich Kästner)



    Jedenfalls ist Vorsicht geboten!
    Oft locken Geld und filmische Herausforderung, d.h. die Rita-
    Falk-Speise Nr 2 könnte uns wohlmöglich noch als cineastischer Klops Knödel präsentiert werden, wie zuvor schon ihre 'Dampfnudel'.:pinch:


    [video]http://www.youtube.com/watch?v=CFW2yAa3tj4[/video]

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