Üble Allianz
Waffenbrüder gegen Amerika : Maduro und der Ajatollah
Von Tjerk Brühwiller
10.07.2025, 16:01Lesezeit: 7 Min.
Auf der Suche nach Verbündeten streckte Iran vor Jahren seine Fühler nach Südamerika aus. In Venezuela fand es einen Bruder im Kampf gegen Amerika und Israel – mit ungeahnten Folgen.
In kaum einem anderen Land hat Washingtons Militärschlag auf die iranischen Nuklearanlagen heftigere Reaktionen ausgelöst als in Venezuela. Am Folgetag traten Staatschef Nicolás Maduro und andere Mitglieder seines Regimes an die Öffentlichkeit und verurteilten die Operation. Schon in den Tagen zuvor war die politische und militärische Führungsspitze in Caracas darum bemüht, ihre bedingungslose Solidarität mit Teheran zu bekunden, gegen Israel zu hetzen und über die Staatsmedien die iranische Propaganda unters Volk zu bringen. Höhepunkt war ein Video aus der diplomatischen Vertretung Irans, wo sich Offiziere des venezolanischen Generalstabs mit dem iranischen Botschafter versammelt hatten, um gemeinsam in die Kamera zu schreien: „Es lebe Iran! Es lebe Venezuela! Es lebe Chávez! Es lebe Nicolás Maduro!“
ZitatAlles anzeigenGemeinsame Feinde verbinden
Die Regime in Teheran und Caracas verstehen sich nicht nur, sie vertrauen einander und bezeichnen sich als Bruderstaaten. Beide pflegen dieselbe antiimperialistische Rhetorik, die auf einem gemeinsamen Feindbild beruht: den Vereinigten Staaten. In Caracas findet man Wandmalereien, auf denen iranische Führer abgebildet sind. Eines zeigt den einstigen Anführer der Al-Quds-Brigaden, Qassem Soleimani, der 2020 bei einem amerikanischen Drohnenangriff getötet wurde, neben dem verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.
Chávez hatte vor mehr als 20 Jahren den Grundstein für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gelegt, als das isolierte Teheran auf der Suche nach Partnern in Südamerika auf die offenen Arme linkspopulistischer Regierungen stieß. In keinem Land gediehen die Beziehungen so prächtig wie in Venezuela. Der wirtschaftliche Niedergang seit Maduros Machtübernahme im Jahr 2013 und erst recht die amerikanischen Sanktionen gegen den venezolanischen Erdölsektor haben den Iranern vollends die Türen geöffnet.
Seit Jahren kommt es zu regelmäßigen Treffen von Regierungsvertretern beider Länder, und längst gehen die Beziehungen über das Rhetorische hinaus. Von einer „strategischen Allianz“ ist die Rede, die wirtschaftliche, technologische und militärische Kooperation umfasst. Am offensichtlichsten zeigt sich die Zusammenarbeit beim Erdöl, wo die beiden Länder sich bei der Umgehung der Sanktionen ergänzen. Venezuela schickt einen Teil seines Erdöls nach Iran, da es selbst nicht die nötigen Kapazitäten zur Verarbeitung seines schweren Rohöls hat. Iran schickt raffinierte Erdölprodukte und Treibstoffe zurück und unterstützt Venezuela technisch bei der Wartung seiner Erdölinfrastruktur. 2022 waren iranische Spezialisten an der Instandsetzung einer wichtigen Raffinerie in Venezuela beteiligt.
Iran verkauft Waffen nach Venezuela
Auch versorgt Iran seinen Verbündeten in der Karibik mit Drohnen. Auf dem venezolanischen Luftwaffenstützpunkt El Libertador in der Nähe der Stadt Maracay betreibt Iran eine Produktionsanlage für Drohnen und bildet Militärpersonal für deren Betrieb und Wartung aus. Bei den Drohnen handelt es sich um verschiedene Modelle für Aufklärungs- und Angriffsmissionen, darunter zum Beispiel die Mohajer-6, die mit Waffensystemen ausgestattet ist und präzise Angriffe ermöglicht, sowie die Shahed-131 für Einwegangriffe und andere Typen der Shahed-Drohnen, die von Russland im Krieg gegen die Ukraine verwendet werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Iran weitere Waffensysteme nach Venezuela verkauft. Im vergangenen November, anlässlich des Besuchs des iranischen Verteidigungsministers Aziz Nasirzadeh, unterzeichneten die beiden Regierungen überdies eine Kooperationsvereinbarung zum Technologietransfer und zur Ausbildung im Bereich Künstlicher Intelligenz.
Als Gegenleistung für seine Hilfe im Erdölsektor hat das Maduro-Regime Verträge zum Bau und Verkauf iranischer Autos abgeschlossen und Iran erlaubt, Ackerland in Venezuela zu pachten. Zudem lässt sich Teheran mit venezolanischem Gold bezahlen, das es auf Märkten in der Türkei und Ländern des Nahen Ostens verkauft. Ein Teil des Erlöses soll in die Finanzierung der Al-Quds-Brigaden fließen, des im Ausland tätigen Arms der iranischen Revolutionsgarden. Das Gold gelangt mit Flügen der von Washington sanktionierten iranischen Fluggesellschaft Mahan Air von Caracas nach Teheran.
Die bereits unter Chávez etablierte „Luftbrücke“ mit wöchentlichen Flügen zwischen den beiden Ländern ist schon länger Gegenstand von Spekulationen, weil die Flüge in der Regel ohne Passagierlisten operieren und am ominösen Gate 4 des internationalen Flughafens Maiquetía abgefertigt werden, das für Flüge offizieller Delegationen reserviert ist und eine Sonderbehandlung genießt. Es ist unklar, was und wer in den Flügen von Venezuela nach Iran und in die andere Richtung noch geflogen wird.
Quelle: F.A.S.