Ich stimme dir zu, 'aufrechnen' , was soll das denn bringen? Das hilft höchstens beim Verdrängen. Zahlen in solchen Zusammenhängen bleiben für mich sowieso immer abstrakte, unvorstellbare Größen. Wer kann sich denn Millionen von Toten vorstellen? Ich nicht.
Ganz anders geht es mir, wenn ich auf Soldatenfriedhöfen vor dieser unübersehbar riesigen Anzahl an Grabsteinen oder Kreuzen stehe. Da werden die Zahlen für mich 'real' und zu Personen, die alle dasselbe Schicksal teilen mussten.
Weit in der Champagne im Mittsommergrün
Dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blüh'n
Da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
Im Wind, der sanft über das Gräberfeld streicht
heißt es in dem Lied. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang?
Jedenfalls verwendet man in Britannien das Bild der blühenden Mohnblume schon lange als mahnendes Symbol gegen Krieg und für Friedenswillen.
(Werden sogar von Jugendlichen getragen, wie vor Jahren bei einer Harry Potter Filmpremiere)
Jetzt zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs hat der britische Künstler Tom Piper eine Installation mit diesen 'Poppies' am London Tower kreiert.
29.07.2014
Erster Weltkrieg: Gedenken in London
Anlässlich des 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wird in London der Todesopfer gedacht. Symbolisch werden dafür im Burggraben des "Tower of London" bis Ende November 888.246 rote Mohnblumen aus Keramik gepflanzt.
Die Bilder haben mich sehr berührt. Sie machen die abstrakten Zahlen der unfassbar vielen Opfer konkret. Jedem Toten eine Blume.
Ein 'blutender' Tower durch rote Mohnblumen, die sich aus dem alten Gemäuer in den Burggraben ergießen. Möglicherweise wird die Installation als kitschig kritisiert, vielleicht ist sie das ja auch. In jedem Fall hat sie eine starke Wirkung.
Ich meine, wir brauchen ungewöhnliche Mahnmale wie dieses.
