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    Zeitlos aktueller Heinrich Heine
    Er brachte die niedrigsten Instinkte der Deutschen ans Licht


    Unser Kolumnist weilt im Süden Frankreichs. Und trifft dort einen deutschen Bekannten beziehungsweise einen bekannten Deutschen. Der erzählt eine abenteuerliche Geschichte.

    Nanu, wir kennen uns doch? Vielleicht haben Sie so etwas auch schon erlebt: Sie sitzen in dieser reizenden Trattoria irgendwo in der Toskana, ein Geheimtipp aus dem Reiseführer, und plötzlich trauen Sie Ihren Augen nicht – zwei Tische weiter, die Familie mit den lärmenden Kindern, tatsächlich, die Müllers von nebenan. Oder, noch schlimmer, im 4-Sterne-Hideaway-Hotel auf Mallorca, abends am Grillbuffet, der Typ in den quietschbunten Bermudas, das ist er, Dr. Peinlich, Ihr Chef. Ihre Flucht aus dem Alltag ist gescheitert.

    Es kann aber auch ein freudiges Wiedersehen sein, so wie bei mir. Ich treffe einen alten Bekannten im Süden Frankreichs, in der Provence. Er sitzt in einer Grünanlage in Toulon, den Kopf nach vorn geneigt, in der rechten Hand einen Stift, in der linken ein Blatt Papier mit Notizen. Mensch, Heinrich! Was machst du denn hier? Heinrich Heine, unser großer Dichter. Sie kennen ihn auch, mindestens zwei Zeilen von ihm: "Denk' ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht." Oppositionspolitiker im Bundestag lieben dieses Zitat.

    Heine ist aus Stein, klar, er war ein Mann des 19. Jahrhunderts. Sein überlebensgroßes Denkmal im Jardin Frédéric Mistral der französischen Hafenstadt erzählt eine Geschichte von Krieg und Frieden, Flucht und Vertreibung, Liebe und Hass. Eine sehr deutsche und eine sehr europäische Geschichte.


    Heinrich Heine-Denkmal in Toulon: Österreichs Kaiserin Elisabeth gab es in Auftrag. Sie verehrte den deutschen Dichter.

    Vergrößern des BildesHeinrich Heine-Denkmal in Toulon: Österreichs Kaiserin Elisabeth gab es in Auftrag. Sie verehrte den deutschen Dichter. (Quelle: privat/ Uwe Vorkötter/t-online)