Deutschland ohne Ausländer?

  • Kinder dürfen auch gerne herkommen, aber nicht die Erwachsenen. Das sind doch die Arschlöcher, die in ihren Heimatländern die Kriege anzetteln, weil sie irgendwelche stumpfsinnigen Ideen glauben. Sowas brauchen wir hier nicht. Und wenn mir jetzt jemand sagt: "Das sind doch auch nur Menschen" so entgegne ich: "Gerade deswegen will ich nicht noch mehr hier haben." :)

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    Flucht
    August 15, 2015 ~ zoebeck

    Ich gehöre zu denen, die es selbstverständlich finden, dass Flüchtlingen geholfen wird. Ich gehöre nicht zu denen, die das im Detail ständig öffentlich dokumentieren, wie sie helfen, oder dass sie helfen. Ich tu, was ich kann, ich habe jeden Tag den Eindruck, es ist zu wenig.
    Eine Sache kann ich aber außerdem noch tun: Ein Freund, der im Moment noch anonym bleiben möchte, schickte mir einen Text, den ich als Antwort verwenden könne, wenn sich, wie gerade immer wieder geschieht, auf Facebook Menschen melden, die der Meinung sind, dass Flüchtlinge noch viel zu gut in unserem Land behandelt werden, dass erstmal die Sozialleistungen in Deutschland erhöht werden sollten, bevor man den Flüchtlingen etwas abgibt, dass die doch alle nur herkommen, um was vom Kuchen abzubekommen, dass es uns zu schlecht und denen zu gut geht.
    Ich stelle diesen Text jetzt hier ein. Ich deute an, dass der Verfasser aus biografischen Gründen sehr genau weiß, worüber er schreibt, wenn er über die Verhältisse in Syrien berichtet. Wenn er soweit ist, sich öffentlich in die Diskussion zu stürzen, wird er sicherlich etwas dazu sagen. Aber es geht gar nicht darum, wie er persönlich involviert ist. Und es geht gar nicht nur um Syrien. Ich möchte, wenn ich diesen Text nun einstelle, betonen, dass die beschriebenen Verhältnisse in Syrien nur exemplarisch sind. Ähnlich oder anders furchtbar sieht es in den anderen Ländern aus, aus denen Flüchtlinge kommen. Über jedes einzelne Land ließe sich eine Menge sagen, und über jedes einzelne Schicksal sowieso. Und wir, wir alle, sollten da mal ganz ruhig sein, bevor wir andere Menschen, über die wir nichts wissen, nichts über deren Herkunft und ihr bisheriges Leben und die Länder, aus denen sie kommen, vorverurteilen. Hier also der Text, den er schrieb, weil er sich über einen besonders penetrant unwissenden, die Fakten beugenden Kommentator aufregte. Auch diesen Namen müssen wir nicht wissen, Herr XXX weiß selbst, wer er ist. Also:


    Zitat_______



    Sehr geehrter Herr XXX:


    Leider kenne ich Sie nicht persönlich, so dass ich mich befleißigt sehen muß, ihre Fragen hinsichtlich der Flüchtlingssituation hier per Facebook ein wenig zu erhellen, sofern dies möglich sei. Dieses Medium ist mehr ein Dialog, als Textform, allerdings mit dem Nach- bzw. Vorteil behaftet, je nach dem, dass das Gesagte nicht schon am nächsten Tag verblasst, sondern stehen und nachlesbar bleibt. Also gut:


    1 – Der Status Quo, der casus bellum
    In sämtlichen vom IS besetzten Regionen, ob im Irak, in Syrien, Libyen etc. ist die Situation so entsetzlich grausam, dass die wenigen Überlebenden, welche ihre Angehörigen verloren, einfach a) zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt sind und b) so abgestumpft und c) so hoffnungslos, dass die wirklichen Wehklagen gar keinen Einzug in unsere Medien finden. Wer allerdings vom tatsächlichen Wirkungsgrad der Abschlachtungsorgien des IS nicht so wirklich überzeugt ist, kann über Beirut, Amman oder Antalya gerne in diese Regionen einreisen und sich ein Bild machen. Ein One Way Ticket ist dabei anzuraten, denn dass herkömmliche Mitteleuropäer im Bürgerkrieg verschleppt, ermordet oder als Kanonenfutter eingesetzt werden, ist nicht auszuschließen. Den Rest erledigen mörderische 40 bis 50 Grad Hitze, massiver Wassermangel, Nahrungsmangel und Epidemien. Aber gehen wir davon aus, dass der normale Mitteleuropäer das überlebt, weil er noch selbst Armeedienst geleistet hat, über topographische, sprachliche und medizinische Kenntnisse verfügt: Das, was er / sie dort sieht, wird so wenig begreiflich und erklärbar sein, dass einem im wahrsten Sinne die Worte fehlen. Schweigen. Trauma. Unfallopfer auf deutschen Autobahnen, nicht zu reden von Mißbrauchsopfern sprechen teils bis zum Lebensende nicht vom erlebten Leid, trotz Traumatherapeuten, Ärzten, Psychologen etc. pp., welche Hilfe leisten.


    2 – Das Thema WLAN, Smartphone etc.
    Es ist richtig, dass nicht jeder in einer Kriegsregion sofort Zugang zu Elektrizität und technischem Zubehör hat. Aber viele eben doch. Dort, wo Militär ist, ist immer auch Strom. Liegt in der Natur der Sache. Es gibt einfach auch mehr Waffen als Brot. Liegt auch in der Natur des Krieges. Sprich, es ist tatsächlich einfacher, ein Smartphone aufzuladen, selbst an der Batterie eines ausgebrannten Jeeps, als Trinkwasser zu besorgen. (Das ist dann im ausgebrannte Jeep schnell weg.) Wo die WLANS herkommen? Aus der ersten Welt. Alleine vor den Küsten Togos, Somalias, Ghanas und Libyens liegt soviel angestrandeter, von mafiösen Mülltransportern aus Europa billig verklappter Elektroschrott, dass in der Tat jeder Einwohner ein Handy hat, aber eben keine Flasche Wasser. Das führte bereits zu Hilfsprogrammen der UNO und des UNHCR und der UNESCO, statt Geld in den Ausbau von Elektrizitätsnetzen eher in die Lieferung von Batterien, kleine Solaranlagen und Stromspeichern zu geben, weil weltweit mehr Menschen Zugang zu Internet und Smartphones haben als eben zu Frischwasser, Nahrungsquellen, Ackerböden oder Verkehrswegen, ob in Bolivien, Surinam, Uganda, Algerien, Syrien, Pakistan etc. pp. Kurz: Wir werden auf diesem Planeten irgendwann verhungern, aber davon gibt es dann wenigstens schöne letzte Aufnahmen. Paradox? Grotesk, aber so ist es leider. Ergo nutzen die Menschen Internet und Smartphone, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen.


    3 – Das Nachholen von Familienmitgliedern
    Ist ungefähr so wenig ein natürliches Bedürfnis wie Atmen oder Essen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf waghalsiger Flucht Ihre Familienmitglieder zurücklassen: Wen würden Sie im Krieg lassen? Ihre Mutter? Den Sohn? Die Schwester? Dann doch eher die Cousine oder den Neffen? Wer kann überhaupt fliehen? Wer ist krank? Wer alt? Wer entscheidet, wer selektiert wird? (Das etwas negativ konnotierte Wort „selektieren“ passt in seinem immanenten Zynismus perfekt.) Kann ich jemandem in die Augen schauen und ihm sagen: Deine Tochter darf rein, aber dein Sohn bleibt da? Grausame Entscheidungen. Die werden gerade minütlich getroffen.


    4 – Topographie, Geographie, Densität, Meteorologie und Demoskopie alleine Syriens seit 1988:
    Aus zwei Gründen möchte ich neben vielen weiteren Staaten, die von Krieg und Wut zerstört sind, Syrien als Fallbeispiel heraus heben: Zum Einen, weil ich gerade von diesem Land etwas mehr Kenntnis besitze, zum Anderen, weil die Syrer gerade 2015 eine neue und gleichzeitig die größte Flüchtlingsmenge für Deutschland bedeuten.
    Syrien ist als Staat ehemals so groß gewesen wie etwa das Gebiet der ehemaligen DDR plus Hessen. Flächenmäßig also kein Zwergstaat, aber auch keine Riesennation.
    Im Unterschied zu Deutschland besteht das o. g. Gebiet aber zu 75% aus Wüste. Lediglich an der Mittelmeerküste, den Gebirgsregionen davor und dem Euphrattal existieren mehr oder weniger gute Trinkwasserquellen. Auf das Gebiet der ehemaligen DDR plus Hessen übertragen würde sich das etwa so lesen: Die Menschen siedeln an einem Streifen zwischen Wismar und Rügen. In Berlin. Im Thüringer Wald und an der Werra. Dazwischen Leere.
    Die ehemalige DDR und Hessen hatten 1988 zusammen circa 19 Millionen Einwohner. Vielleicht Zwanzig. Im selben Jahr hatte Syrien 10 Millionen Einwohner. Mehr ging aufgrund der Klima- und Ackerlage nicht. In den syrischen Wüsten herrschen tagsüber monatelang im Sommer weit über 45 Grad. In Deutschland ächzen die Menschen, weil es heuer endlich mal einen normalen Sommer gibt – obwohl Wasser, Bars, Klimaanlagen, Schwimmbäder etc. doch relativ gehäuft vorkommen.


    1990 drangen zunächst weitere Flüchtlinge aus den palästinensischen Krisenherden, Kurden und ab 1991 aufgrund des ersten Golfkriegs im Irak circa 1 Million (!) neue Flüchtlinge nach Syrien. Die syrische Verfassung weist per se keine Flüchtlinge zurück und half trotz eigener Versorgungsprobleme den Neuankömmlingen.
    Mitte der neunziger Jahre flohen vor den ersten Terrorwellen in Algerien erst einige hunderttausend Algerier, dann aufgrund der Sanktionen gegen den Irak circa 1 Million Iraker nach Syrien.
    Seit dem zweiten Irakkrieg durch die USA flohen im völlig verwüsteten Irak weitere 3 Millionen (!) Iraker nach Syrien.
    Im Jahre 2008 gab es demnach in Syrien knapp 17 Millionen Einwohner. Das Land ist aber seither nicht gewachsen und die Wüste hat sich aufgrund klimatischer Veränderungen und dem Bau des Euphrat–Staudamms auf türkischer Seite, welche demnach die Wassermenge gezielt drosseln kann, nicht vergrünt, sondern ist noch gewachsen.
    Etwa 11 Millionen Syrern standen dann 6 Millionen nichtsyrische Flüchtlinge auf einem Küstenstreifen von Wismar nach Rügen, dem Thüringer Wald und dem Werratal gegenüber. Die Reaktion Syriens: Häuser bauen, um die Immobilienpreise nicht noch weiter steigen zu lassen. Vereinfachte Integrationsverfahren für schnellere Staatsbürgerschaft, neue Stadtviertel bauen. Und: Der Strom an Flüchtlingen nach Europa wurde gestoppt, denn in Syrien fanden die Flüchtlinge Heimat, vielleicht mehr schlecht als recht, vielleicht in einer Diktatur, aber immer noch besser, als im kriegszerstörten Herkunftsland.


    Zum Vergleich: Wir sprechen im wasserreichen Deutschland bei derzeit 80.000 Flüchtlingen in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern von „Engpässen“.
    Nun, die Engpässe sind ein Thema, denn dass Syrien als Flüchtlinge aufnehmendes Land nun völlig zerstört ist, bedeutet, dass nicht nur die 11 Millionen Syrer eine neue Heimat finden müssen, sondern auch die schon geflohenen 6 Millionen „Altflüchtlinge“. Was das für Mensche bedeuten muß, die also schon seit teils 25 Jahren auf der Flucht sind, kann sich keiner ausmalen, der ähnliches nicht erlebt hat.


    5 – Zum Thema Heimat verlassen und warum alle nach Europa wollen
    Von „Wollen“ kann in der Regel keine Rede sein, sondern eher von „Müssen“:
    Der Irak, Syrien, Algerien, Libyen und der Libanon hatten vor der Zerstörung durch den Krieg einst die bestausgebildeten Menschen in der orientalischen Welt, Ägypten mit eingerechnet: Namhafte Wissenschaftler, Ingenieure, Ärzte, IT-Experten und weitere Fachkräfte haben an den Universitäten Bagdads, Kairos, Damaskus, Algiers, Latakyas etc. pp. abgeschlossen, ausgebildet und ihr Wissen in die Welt getragen. Kooperationen mit europäischen, mit deutschen Universitäten entstanden. Die so erzeugten Netzwerke haben Handelsaufträge mit einem Volumen in dreistelliger Milliardenhöhe in den letzten 30 Jahren generiert, wovon gerade deutsche Industrie und Wissenschaft, Handel und Finanzbranche sehr profitiert haben. Alleine syrische Spitzenkräfte, die jahrzehntelang zwischen Deutschland und Syrien navigierten, haben in Deutschland bedeutende Werke oder Güter geschaffen, die kaum einer kennt und die doch so wichtig sind:


    Die deutsche Neumayer III Forschungsstation in der Antarktis wurde von einem Deutsch-Syrer konzipiert und gebaut. Das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ war jahrelang mit einem technischen Leiter aus Syrien betraut. Mit Verlaub, ein Ingenieur aus einem Wüstenstaat hilft deutschen Wissenschaftlern, ein Forschungslabor in der Antarktis aufzubauen. Ein Hammer. Aber das nur am Rande. Ebenso bauten diese Forscher Messinstrumente in der Flugtechnik, die zur Bodenspektralanalyse beitragen, Sanierungen von alten Villen und Schlössern in der sächsischen Schweiz wie in Brandenburg durch deutsch-syrische Ingenieure, in der Herzkatheterforschung, aber auch in der IT für die Telekom und die Deutsche Bahn fanden und finden Sie Spuren von ehemals syrischen, heute deutschen Spitzenkräften, die mit ihrem Werk und Wirken nicht nur vielen Menschen hierzulande zu mehr Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand, sondern auch zu Kulturwahrung und Nachhaltigkeit verhalfen.
    Und genau diese Menschen versuchen nun auch, anderen Syrern (so wie eben auch Libyer, Algerier, Iraker, Ägypter) zu helfen, zu informieren. Eben übers Internet. Wie sonst? Mit einer Schubkarre?
    Doch das ist nur Schmuck am Nachthemd.
    Viel wichtiger ist bei der Frage, ob man die Heimat verlässt, folgende Tatsache:
    Syrien, der Irak, Ägypten, Israel und Jordanien bilden zusammen mit dem Iran, Indien, Ostafrika und China die ältesten Kulturen der Menschheit auf diesem Planeten. Bleiben wir bei Syrien, als bereits eingeführtes Beispiel: Syrische Christen, Alawiten, Juden, Jesiden, Aramäer, Drusen etc. waren stolz auf ihre biblische Heimat, die auch in unseren Kirchen Einzug hält. Doch in der Bibel ist kein Wort von Magdeburg, Kiel oder Frankfurt. Aber von Petra, Jerusalem, Nazareth, Damaskus, Smyrna, Sidon, Hebron usw. Syrische Architekten halfen beim Bau der Pyramiden in Ägypten. Phönizische Seefahrer aus Syrien und dem Libanon, später Karthager kartographierten die alte Welt von Irland bis Indonesien schon 7 Jahrhunderte, bevor die ersten römischen Soldaten in Germanien eintrafen. Noch später kamen alleine aus Syrien 7 römische Kaiser. Die ersten Universitäten wurden hier gebaut und so weiter und so fort.
    Und im 20. Jahrhundert waren die Syrer stolz, eine für orientalische Verhältnisse recht moderne Gesellschaft aufzubauen, die laizistisch geprägt den Staat über die Religion stellte, freie Ausübung der Konfessionen aber auch Gleichstellung der Frau, unverschleiert und berufsfördernd, lebte und schützte. Die Erdverbundenheit der Syrer ist in der orientalischen Welt berühmt:
    Der einzige Grund, warum dieser kleine Landfetzen überhaupt noch Widerstand gegen den IS hält, ist, weil sich die Überlebenden tatsächlich eher in den Kampf gegen den IS werfen, als ihre Heimat zu verlassen. Keiner will irgendwo Bittsteller werden, jemandem auf der Tasche liegen, oder alles aufgeben. Und dort schon gar nicht. Nur: Nach vier Jahren Krieg sind die Menschen tot, krank, zermürbt, ausgebrannt, sie können nicht mehr. Die, die sich nicht apathisch oder alt oder krank vom IS enthaupten lassen, versuchen, nun doch zu fliehen. Warum? Weil die alte Heimat restlos und unwiederbringlich zerstört und verloren ist. So wie Ostpreußen 1945. Die Heimat ist weg. Die wenigen Soldaten ähnlich wie in Deutschland mittlerweile unter 19 oder über 45 Jahre alt. Aber klar, die gehen einfach mal so weg. Sicher.


    6 – Warum nach Deutschland?
    Nun, zunächst einmal wieder ein Blick auf die Landkarte: Der IS sickert massiv durch die Landesgrenzen mit der Türkei, dem Irak, Jordanien nach Syrien. Die weiteren Grenzen bildet Syrien mit Israel und Libanon. Einzig der Libanon ist, militärisch betrachtet, kein Feindesland. Und das Mittelmeer bleibt. Also geht die Flucht nach Westen, nicht nach Osten. Deutsche Flüchtlinge aus Masuren, Schlesien oder Preußen flüchteten auch nicht nach Moskau.
    Das dürfte doch verständlich sein.


    Konkreter noch, warum Deutschland?
    Zunächst sprechen aufgrund der o. g. Netzwerke und Verbindungen ohnehin viele Syrer Deutsch, Englisch oder Französisch. Aber Deutsch gilt und galt als Sprache der Wissenschaft, Technik und Bildung und Philosophie. Mit Deutschland verbindet Syrien Handel seit der Römerzeit, sogar davor. Handelswege führten seit Rom von Damaskus und Aleppo über die Adria, den Brenner und Prag bis nach Nürnberg, Dresden, Hamburg und Stralsund. Bernstein wurde bereits 1000 v. Chr. von Rügen über den Brenner nach Damaskus und von dort nach Ägypten transportiert. Wir sprechen hier also von 3000 Jahre alten Handelsbeziehungen. Wohlstand. Entwicklung. Aufgrund der alten Handelsbeziehungen werden die Syrer in der arabischen Welt auch „die Bayern“ genannt. Seit jeher blicken Syrer nach Deutschland, noch bevor es eigentlich ein Deutschland, wohl aber schon seit Jahrtausenden ein Syrien gab. Die Frage müsste also eher lauten: Wohin sonst, wenn nicht nach Deutschland? Nach Saudi-Arabien sicherlich nicht! Da wäre ein Kopfschuss einfacher! Die wenigsten Deutschen wissen, dass die Syrer sie seit jeher als Freunde betrachten. Wegen ihrer Kultur, Musik, Literatur.
    Angesichts der aktuellen Antipathien, ja Aggressionen, die syrische Flüchtlinge hierzulande teils erfahren müssen, scheint dies nun, wo Syrien nicht mehr liefern kann, ja bitten muß, eine eher einseitige Freundschaft gewesen zu sein. Gut, dass die Mehrheit offenkundig anders denkt, auch ohne die historischen Dimensionen im Einzelnen zu kennen.


    7 – Das Thema Facebook und Überwachungen
    Glauben Sie mir, wenn Sie über die Straße laufen und ein Heckenschütze Ihrer Tochter in den Rücken schießt oder Ihre fußlahmen Eltern enthauptet, ist das, was Assad denkt, wenn Sie was auf Facebook posten, Ihr geringstes Problem.


    In der Hoffnung, Ihre Fragen mit ein paar wenigen, in der Gänze ihrer Komplexität nicht ausreichenden Daten beantwortet zu haben, die mir etwas Schlaf und Zeit raubten, wünsche ich Ihnen alles Gute und verabschiede mich.



    Quelle

  • Zitat

    Etwa 11 Millionen Syrern standen dann 6 Millionen nichtsyrische Flüchtlinge auf einem Küstenstreifen von Wismar nach Rügen, dem Thüringer Wald und dem Werratal gegenüber. Und: Der Strom an Flüchtlingen nach Europa wurde gestoppt, denn in Syrien fanden die Flüchtlinge Heimat, vielleicht mehr schlecht als recht, vielleicht in einer Diktatur, aber immer noch besser, als im kriegszerstörten Herkunftsland.


    Und jetzt wird die neue Heimat der einstigen Kriegsflüchtlinge ebenfalls durch einen Krieg zerstört. Bleibt die Frage zu klären, ob die Irakflüchtlinge selbst dafür gesorgt haben, daß Syrien destabilisiert wird. Nicht bewusst, nicht aktiv, sondern in erster Linie einfach nur weil sie da waren und versorgt werden mussten. Allerdings natürlich auch, weil sich unter den Flüchtlingen viele Radikalislamisten befanden, die jetzt für den IS kämpfen.


    Also warum sollte ich jetzt zweifelsfrei vermuten können, daß nicht auch ein europäisches Land so enden könnte, das Millionen kriegstraumatisierter, ungebildeter, kulturfremder Flüchtlinge aufnimmt? Im Grunde kann ich Syrien genausogut als Negativbeispiel betrachten, und als Argument benutzen warum eben keine Flüchtlinge hier aufgenommen werden sollten.


    Dazu kommt noch Abschnitt 5 als heuchlerische Selbsterhöhung. Das es Spitzenwissenschaftler aus Ländern wie Syrien gibt ist nicht "der Hammer", sondern fast schon trivial. Was trägt das überhaupt zur Sache dabei? Sind die Millionen flüchtenden Syrer etwa auch alle potentielle Spitzenwissenschaftler? Wohl kaum. Die werden volkswirtschaftlich erstmal völlig nutzlos sein und uns nur auf der Tasche liegen.
    Das muss zwar nicht unbedingt meinen persönlichen Prioritäten entsprechen, aber auch ein Nazi kann ökonomisch gegen Flüchtlinge argumentieren, und was dann offenbar
    übersehen wird ist das die meisten Deutschen, wie in einem westlichen Land üblich, hauptsächlich Kapitalisten und keine Humanisten sind.


    Genauso sinnlos ist es auf eine ruhmreiche Vergangenheit zu verweisen, wenn die eigene Gegenwart völlig im Arsch ist. Man siehe nur Griechenland. Würden die Syrer nicht ihre Energie tagtäglich dafür verschwenden einen ignoraten Gott anbeten, sondern lieber ihr eigenes Schicksal selbst in die Hand nehmen, dann würde es ihrem Land mit hoher Wahrscheinlichkeit jetzt besser gehen.
    Da ich in dem Text aber Selbstreflexion vermisst habe, kann ich auch nicht davon ausgehen, daß sie ihr Verhalten in unserem Land ändern werden. Was ist, wenn sie ihre Fehler hier nur wiederholen?


    Ich sehe in dem Text wenig sachliches, was mich von einer Aufnahme von Flüchtlingen überzeugen würde. Ich werde trotzdem weiterhin für eine Aufnahme von Flüchtlingen und Asylanten votieren, aus dem primitivisten und erbärmlichsten Grund: Mitleid. Die Syrer können wenig dafür, daß sie als Unfähige geboren wurden :)



    Gehörst du da jetzt zu den Kindern ... oder zu den Arschlöchern, auch wenn du grade keine Kriege anzettelst??


    Ich bin ein vollwertiger, erwachsener, vernünftiger Mensch mit gesundem Menschenverstand und Nächstenliebe. Also ja, ein Arschloch :D

  • Also warum sollte ich jetzt zweifelsfrei vermuten können, daß nicht auch ein europäisches Land so enden könnte, das Millionen kriegstraumatisierter, ungebildeter, kulturfremder Flüchtlinge aufnimmt? Im Grunde kann ich Syrien genausogut als Negativbeispiel betrachten, und als Argument benutzen warum eben keine Flüchtlinge hier aufgenommen werden sollten. [.....]
    Sind die Millionen flüchtenden Syrer etwa auch alle potentielle Spitzenwissenschaftler? Wohl kaum. Die werden volkswirtschaftlich erstmal völlig nutzlos sein und uns nur auf der Tasche liegen. [.....]


    Jo, unsere vergleichsweise reichen Gesellschaften werden sich durch den Zustrom der Flüchtlinge verändern, das steht außer Frage. Wie und in welchem Maße, liegt allerdings zu weiten Teilen bei den aufnehmenden Ländern. Dabei wird gern 'übersehen', dass erzwungene Untätigkeit -oftmals über Jahre- nicht von wirtschaftlichem Nutzen sein kann und fast zwangsläufig in klassischer Frustration-Aggression-Abfolge zu Reibereien und Konflikten untereinander und mit der einheimischen Bevölkerung führt.
    Allerhöchste Zeit für Neuorientierung in Fragen von Vorbeugung und Zusammenarbeit! Von der Notwendigkeit, endlich eine akzeptable Einwanderungspolitik zu etablieren, ganz zu schweigen. Denn Flüchtende werden weiterhin kommen, und es werden in absehbarer Zeit nicht weniger.


    Dazu hat sich Peter Vonnahme geäußert.
    Lange Jahre
    Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, war er mit Asylfragen betraut. Vonnahame schreibt ohne moralische ÜberlegenheitsAttitüde, ohne die Flüchtlinge durch Schuldzuweisungen abzuwerten. Er benennt westliche Kriegszündeleien als Mitverursacher für die Flüchtlingsströme und fordert infolgedessen auch westliche Mitverantwortung bei der Bewältigung der Kriegsfolgen ein. Weitere Themen sind deutsch-europäische Migrations-Geschichte, wie auch die aktuelle Praxis der EU in Fragen der Flüchtlingspolitik.


    Lesen lohnt!


    (Telepolis)



    Über den Autor:
    Peter Vonnahme war bis zu seiner Ruhestandsversetzung 2007 Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München. Er ist Mitglied der deutschen Sektion der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms. Von 1995 bis 2001 war er zudem Mitglied des Bundesvorstands der Neuen Richtervereinigung. In den letzten Jahren ist er publizistisch tätig.


  • Eine aktuelle Meldung der Deutschen Presseagentur geht derzeit durch die Medien:


    (FAZ)


    Mal sehen, wie es Frau Merkel+CDU nach ihrem morgigen Besuch in Heidenau ergeht. Möglicherweise kommt sie ganz ohne Deutschbürgerzorn davon?
    So dröge -man könnte fast meinen, widerwillig- wie sie gestern Abend ihre 'Empörungsrede' vom Blatt ablas ...


    Herr Gauck wird seine Betroffenheitserklärung dann den Gegebenheiten anpassen.



  • Deutschland in "hell" und "dunkel" aufteilen?
    Könnte man zynischerweise so betrachten, dass die Dunkeldeutschen, von denen der Bundespräsident redet, Wohnheime besonders 'hell' aufleuchten lassen ... :(


    Aber schauen wir doch mal auf ermutigende Beispiele. Postings, die viel zu selten Beachtung finden. Weil sie keine spektakulär schockierenden Bilder bieten. Wo das Spektakuläre im Kleinen liegt.
    Zum Beispiel:


    Quelle

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