Hauptsache politisch korrekt?

  • Das Thema treibt mich schon länger um. Mich stört, wenn mir Wörter verboten werden. Noch mehr stört mich, wenn mit Worten die tatsächlichen Zustände nicht nur beschönigt, sondern etabliert werden.


    Relativ unpolitisches Beispiel: Es hilft keinem Menschen, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, wenn man ihn als Menschen mit besonderen Fähigkeiten bezeichnet, gleichzeitig die Barrierefreiheit nicht mal bei Ärzten und öffentlichen WCs nur ansatzweise durchgesetzt wird.


    Entscheidender ist aber die Tatsache, dass Menschen im Rollstuhl bei vielen immer noch Berührungsängste auslösen. Da ist dann eher das "Helfersyndrom" abrufbar, als die Erfahrung, du bist einer von "uns".


    Im konkreten Fall entscheidet, wie man handelt, nicht was man sagt.

  • einer genaueren Erklärung


    Welche Erklärung fehlt dir da? Es geht um politische Kerrektheit und da lauert im Hintergrund die "Zensur", die Schere im Kopf.


    Da kann es richtig kompliziert werden, denn selbst Tabus haben ihre "Berechtigung".


    Wenn du noch nie von Menschen mit "besonderen Fähigkeiten" gehört hast, liegt es möglicherweise daran, dass du wenig Menschen zu tun hast, die nicht ins übliche "Kästchen" passen ... ??


    Ab wann ist man "behindert"? Menschen mit nachweislicher Behinderung leben in der Regel recht gut damit. Sie wünschen nicht unbedingt, dass man stattdessen vom "Handikap" spricht. Immer wieder spielt uns die Sprache da einen Streich, wo es doch auf Handeln ankäme!


    Wenn ich den anderen erkennbar Wert schätze, ist es egal, wie ich ihn nenne.

  • Zitat

    aber auch den folgenden Satz finde ich persönlich etwas befremdlich,da ich ihn noch nie von irgendjemandem gehört habe!

    Was sind das für Menschen,die das sagen?

    Wer auf diese verquaste und missverständliche Formulierung verfallen ist und wer sie wirklich anwendet, das kann ich dir nicht beantworten.
    Du findest aber bei Wikipedia eine recht gute zusammenfassende Betrachtung zum Thema "Behinderung".
    Auszug:


    >Begrifflichkeiten im Englischen sind je nach amerikanischer oder britischer Definition unterschiedlich. Im Amerikanischen hat sich zunächst „people with disabilities“ durchgesetzt. Alternativ benutzen manche Menschen den Ausdruck „people with special needs“ („Personen mit besonderen Bedürfnissen“).
    Ähnliche Begriffsschöpfungen gibt es auch im deutschsprachigen Raum, zum Beispiel im Ausdruck „besondere Kinder“.[16]
    Im Britischen ist der Begriff „disabled people“ gang und gäbe.<


    >Auch störten an den Wortneuschöpfungen ihre Länge und ihr als euphemistisch interpretierbarer Charakter. So bezeichne „Behinderung“ den unschönen Sachverhalt, dass eine bestimmte Fähigkeit bei einem bestimmten Menschen fehle,
    „besondere“ oder „andere Befähigung“ kann jedoch so aufgefasst werden, dass bei dem betreffenden Menschen zusätzliche Fähigkeiten vorhanden seien, die die meisten Menschen nicht hätten.<


    Quelle



    Übrigens, das Thema wurde -natürlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten-
    schon hier
    :) und hier :) sowie hier :) diskutiert -es lohnt sich, mal reinzuschauen. :thumbup:


    Huch, da hätte ich doch beinahe diese Diskussion vergessen 8) ^^

  • Hawkins ist ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten, ich nicht.


    Ich gleiche auch meine Behinderung nicht mit dem Kopf aus; mein Kopf war immer aktiv.


    Ich habe einfach keine anderen Möglichkeiten mehr. Gehen und Stehen kann ich nicht (mehr) oder nur schlecht.



    Ein Blinder hat wahrscheinlich auch keine besonderen Fähigkeiten, sondern nur keine anderen Möglichkeiten.

  • Seit dem 1. Mai 2003 sitzt ein guter Freund von mir nach einem Unfall im Rollstuhl.


    Seit nunmehr 10 Jahren unterhalte ich mich immer wieder mit Jürgen über sein Handicap. Es war und ist für mich ein Lernprozess, der mir die Scheu im Umgang mit "Behinderten" nach und nach genommen hat. Sehe ich heute einen Menschen mit Querschnittslähmung, weiß ich, mit welchen Einschränkungen er leben muss. Ich habe da dank Jürgen mehr Detailinfos, als ich eigentlich haben wollte. Ich weiß auch, dass der Mensch vor dem Unfall der Mensch nach dem Unfall ist. Jürgen lacht sich schibbelich, wenn ich ihm gut gemachte Cartoons oder Videos über Rollifahrer zusende. Er hat gelernt, sich mit seinem neuen Leben zu arrangieren.


    Ich weiß aber auch, dass ich ihn nie an einem 1. Mai anrufen darf. Der Tag ist ihm. Der ist für mich tabu.

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