Wenn man die sehen wuerde, waeren es schlechte Agenten.
ich hoffe, dass es bald wieder Zucker taeglich gibt, und nicht rationiert, weil diese Chaoten nichts auf die Reihe bekommen.
El comandante Hugo Chavez Frias ist tot
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Eines hat Chavez geschafft: naemlich die Ausbeutung durch die USA und anderer Nationen einzudaemmen oder ganz abzuschaffen. Das kann man ihm getrost auf die Fahnen schreiben.
Das sollte man bei aller Kritik, die jetzt -sicher berechtigt- auch aufkommt, erst mal festhalten.
Chavez hat nicht nur für Venezuela, sondern für ganz Südamerika viel geleistet. Der Neokolonialismus der ehemaligen Kolonialherren hat den Subkontinent systematisch "ausgesaugt".
Venezuela war und ist ein reiches Land mit einer überwiegend armen Bevölkerung. Für diese Mehrheit hat Chavez sich eingesetzt, Alphabetisierungs/Bildungskampagnen ins Leben gerufen, erschwinglichen Wohnraum, bezahlbare Lebensmittel, kostenlose medizinische Versorgung bereitgestellt.
Das ist ein Anfang, der sich an den Grundbedürnissen des eigenen Volkes orientiert und deshalb aus meiner Sicht absolut richtig ist. Dass er die Reichen gleich mitbedacht hat, ist sicher ein "Fehler". Bei uns bekommt allerdings auch jeder Kindergeld, der es gar nicht braucht
Venezuela ist, wie andere sog. Entwicklungsländer auch, reich durch seine Bodenschätze. Deren Preis orientiert sich am Weltmarkt. Den bestimmen immer noch die reichen Länder.
Nur Rohstoffe zu exportieren, wird auf Dauer nicht reichen, auch wenn Venezuela noch über ungeheure Ölvorkommen verfügt. Für das relativ billige Öl müssen vergleichsweise teure Maschinen und Konsumgüter importiert werden. Trotzdem hat Venezuela bisher eine positive Außenhandelsbilanz und keine Schulden. Davon können viele Industrieländer nur träumen.
Wo liegt die Zukunft? Da streiten selbst Wirtschaftsexperten: Den Binnenmarkt entwickeln, oder für den Weltmarkt produzieren und Devisen bekommen.
Dass wir z. B. im Winter frischen Spargel aus Peru bekommen, halte ich für recht wahnwitzig. Kapitalkräftige -meist ausländische Unternehmen- verdienen daran, während der Landbevölkerung im Wortsinne das Wasser abgedreht wird ... sie kann es nicht bezahlen. Die landwirtschaftliche Nutzfläche Perus liegt in der der Atakama, einer Küstenwüste. Da wird der Spargel für den Export bewässert und große Teile der einheimischen Bevölkerung werden kaum satt.
Venezuela setzt auf Entwicklungspole, die nicht direkt am Weltmarkt orientiert sind. Merida z. B. ist eine Universitätsstadt, da geht es um das eigene Potential. Gleichzeitig wird der Tourismus gefödert ... "richtiger" Ansatz, solange das Geld in Venezuela bleibt. Dafür zumindest hat Chavez bisher gesorgt.
Der Westen erkennt Entwicklung in sog. Drittwelt-oder Schwellenländern erst dann an, wenn mit den Direktinvestitionen Geld aus dem Ausland fließt. Das schafft die Verbindung zum Weltmarkt, entwickelt auch die Wirtschaft des Landes und schafft neue Arbeitsplätze ... keine Frage. Bleibt ein entscheidendes Problem: Wer im Ausland investiert, zieht die Gewinne meist wieder ab, oft bringt er auch eigene qualifizierte Arbeitskräfte mit ... er will ja keine Entwicklungshilfe leisten, sondern möglichst hohe Gewinne erzielen.
Die Gratwanderung zwischen Abschottung des Binnenmarkts, damit verbundener Teilverstaatlichung und Planwirtschaft und der Öffnung für den Weltmarkt mit allen negativen Aspekten der Globalisierung ... das ist ein schwieriges Projekt. China geht diesen Weg. Indien setzt bisher auf die Entwicklung des Binnenmarktes ... beide haben die Probleme nicht alle gelöst.
Die hochindustrialisierten Länder allerdings auch nicht. Da geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Genau das war lange Zeit ein Kriterium für "Unterentwicklung".
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Ok. dann werde ich mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Ich hatte dir ja schon einiges im Radio Niwo erzaehlt, wie ich die Dinge sehe. Nun lese ich in einer Zeitung einen Bericht ueber Chavez, der exakt das wider gibt, was ich schon vorher hier geschrieben und im Radio heute Nacht geschrieben habe.
Einer der letzten lateinamerikanischen Anführer alter Schule ist tot, auch der klassische bolivarische Sozialismus wird nicht überleben. Das politische Vermächtnis von Hugo Chávez ist gewaltig: In Zukunft wird kein Politiker in der Region mehr gegen die selbstbewusst gewordenen Massen regieren können.
Simón Bolívar, Fidel Castro, Juan Domingo Perón, Hugo Chávez, sie alle haben ein System um ihre Person, um ihren Namen herum konstruiert. Mit Hugo Chávez stirbt auch allmählich der Caudillismus. Der Herbst der Patriarchen ist angebrochen, sie passen nicht mehr zu den demokratischen Mediengesellschaften und dem neuen Mittelstand, der auch in Lateinamerika entsteht.
Das heißt aber noch lange nicht, dass damit sein politisches Erbe sterben würde. Chávez war - wie viele seiner linksorientierten lateinamerikanischen Kollegen - ein Produkt der Verhältnisse vor ihm. Mit seinem Wahlsieg 1998 zerstörte er das verkrustete Klüngelsystem zweier Parteien der postkolonialen Reichtumseliten, die sich an der Macht abgewechselt hatten.
Chávez größte Schwäche war sein Narzissmus. In Venezuela gab es nur zwei Möglichkeiten: Man war für ihn und profitierte vom System - oder man war gegen ihn und duckte sich oder wanderte am besten aus.Menschen wie Peter Scholl-Latour haben ihn stets als "Diktator" bezeichnet, was an Wählerbeschimpfung grenzt, denn Chávez hat nach seinem gescheiterten Putschversuch von 1992 mehr als ein Dutzend Wahlen und Abstimmungen gewonnen.
(Das sehe ich genauso. Er hat sich demokratisch waehlen lassen, aber danach autokratisch wie ein Koenig geherrscht. Nur noch mit Dekreten gearbeitet. Keiner konnte oder wollte ihn bremsen. )
Sein Narzissmus befahl Chávez, nicht nur zu Hause erfolgreich zu sein, er wollte den ganzen Kontinent bekehren zum bolivarischen Sozialismus, seiner ganz eigenen Form des Öl finanzierten Staatskapitalismus. Zum Vorbild wählte er geschickt eine Figur aus, die in Lateinamerika über alle Zweifel erhaben ist: Simón Bolívar, Befreier von der spanischen Kolonialherrschaft, dessen Antiimperialismus er mit öffentlichen Wohltaten mischte.
Funktioniert hat diese Mischung nie, sie wuchs sich aus zu einer chaotischen, korrupten Staatsbürokratie, an der sich zu viele Nutznießer und Hofschranzen labten. Der zweite große Fehler des Hugo Chávez war, sich ganz auf das Öl zu verlassen und es zu versäumen, eine moderne Produktivgesellschaft in Venezuela zu schaffen. Stattdessen finanzierte er Sozialprogramme, die ihm Wahlsiege sicherten.In Venezuela selbst wird es nun vor allem darum gehen, die verhängnisvolle Polarisierung zu beenden. Der von Chávez ausgesuchte Nachfolger Nicolas Maduro ist dafür kaum der richtige Mann. Die fälligen Wahlen könnten die Stunde eines Mannes wie Henrique Capriles Radonski sein, der das sozialdemokratische Brasilien sein Vorbild nennt.
Die alte, klassische, oligachische Rechte ist als politischer Faktor kaum noch präsent. Das ist ein Phänomen, das in vielen Ländern Lateinamerikas zu beobachten ist. Ohne oder gegen die selbstbewusst gewordenen Massen kann keiner mehr regieren. Das ist definitiv das Vermächtnis des Hugo Chávez. Dass er sozusagen im Felde der Politik unbesiegt abtreten musste, wird Chávez für seine Anhänger sowieso unsterblich machen. Genau deswegen war er im Oktober im Bewusstsein des sicheren Todes noch mal angetreten. Es war sein letzter Akt von Narzissmus.
Ich glaube auch, dass die meist arme und wirklich ungebildete Bevoelkerung lieber an Wunder und Mythen glaubt, als zu erkennen, dass Chavez das Land in Grund und Boden gewirtschaftet hat.Deshalb werden sie diesen ehemaligen Busfahrer Maduro waehlen. Wir haben Inflationsraten, die alle vier Wochen korregiert werden muessen. Leider nicht nach unten, sondern steil in den Himmel. Nach Chavez Tod stieg der Dollarpreis auf dem Schwarzmarkt auf das 5-fache des offiziellen Kurses. Das betrogene Volk aber merkt davon nichts, weil Grundnahrungsmittel subventioniert sind. Egal, wie hoch die Infaltionsrate ist. Sie koennen immer zum gleichen Preis einkaufen, wie den Sprit, der seit 20 Jahren unveraendert im Preisniveau verkauft wird. Das bedeutet, dass auch das Benzin subventioniert wurde, die Herstellungskosten sind 100 mal hoeher, damit die daemlichen Indios munter Energie verschwenden koennen. Das alles ist mit einigermassen gesundem Verstand nicht mehr zu begreifen, wenn man bedenkt, dass ein Liter Wasser im Geschaeft ca 2000 mal teurer ist. -
escape, deine Betrachtung habe ich gern gelesen, sie benennt unaufgeregt Chávez' Verdienste und Bedeutung, bezieht unsere eigene Lebenswirklichkeit mit ein und weist auf Grundsatzfragen der gesellschaftlichen und ökonomischen Systeme hin.
Gelungener 'Weiter-Denk-Anstubser'!
Mindfreak,
gönnst du uns noch die Quellenangabe, ggf. einen Link zur zitierten Zeitung?
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Das verstehe ich nicht. Chavez hat doch so viel für die Bildung getan. (Schulen für alle?) Wieso sind die Einheimischen dann ungebildet?
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Ich meine, ich habe genug Beispiele gegeben, warum die Idee von Chavez nicht funktioniert ? Diejenigen, die sie verwirklichen sollen, denken nicht so sehr ans Volk, sondern in erster Linie an sich.
Es kommt auch nicht darauf an, was man "gerne" liest, Agrippi, oder gelesen hat, sondern was der Realitaet, und nicht der Propaganda, entspricht. Die Auszuege aus dem Artikel findet ihr in der Sueddeutschen. Eigentlich in fast allen grossen Zeitungen, in denen der Berichterstatter wirklich gut informiert ist, und sich nicht auf Phantasien und Luegen der venezolanischen Informationspolitik verlaesst. Seit 2003 gibt es keine offiziellen Zahlen mehr ueber die Totschlagraten, weil sie nicht ins Konzept des Chavezsozialismus passen. Entfuehrungen, Erpressungen und bewaffnete Raubueberfaelle sind zum Volklssport geworden. Polizei arbeitet wie eine Firma mit den Banditen Hand in Hand. Caracas ist mittlerweile zur gefaehrlichsten Stadt in der Welt geworden. DAS war vor Chavez anders. Als ich nach Venezuela kam, sahen Haeuser und Wohnungen noch "normal" aus. Zwei Jahre spaeter, nachdem Chavez die Macht uebernommen hatte, gleichen sie Hochsicherheitsgefaengnissen. Nur: bei uns befinden sich die Eigentuemer hinter Gitterstaeben und die Banditen laufen frei herum.
Lesen, rechnen und schreiben koennen, reicht nicht aus, um von Bildung zu sprechen, Checkmate. Obwohl 2000 Wohnungen in Caracas fehlen, baut dieser groessenwahnsinnige Rollmops ein 140 Mio teures Mausoleum. Das ist nur ein Beispiel von Verschwendung. Es gibt hunderte.
Warum 80 % der Lebensmittel importiert werden, muss mir erst noch jemand erklaeren. Zu sagen, Venezuela hat nie viel Wert auf Landwirtschaft gelegt, ist schwach. Dann muss es halt in Zukunft mehr dafuer tun, anstatt die Petrodollar in ganz Suedamerika zu verteilen. Ebenso katastrophal sieht es mit den Raffinerien aus. Gewartet (mantenimiento) wird erst, wenn nichts mehr geht. Die Oelfoerderung is geringer als 2002, als noch ausgebildete Spezialisten am Werk waren. Nach dem Streik hat Chavez 30.000 Fachkraefte entlassen und dafuer seine Indios eingesetzt. Die hatten natuerlich keinen Schimmer, wie man damit umgeht.
Es wird Zeit, den Heiligenschein von Chavez abzunehmen. Jemand, der saemtliche Schaltstellen mit Familienangehoerigen und Freunden aus seiner Militaerzeit besetzt, die Justiz nur fuer ihn entscheidet, weil sie auch von ihm ausgesucht und eingesetzt wurde, spaltet das Volk. Von einem Rechtsstaat ist Venezuela so weit entfernt, wie Erde vons Mars
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Es kommt auch nicht darauf an, was man "gerne" liest, Agrippi, oder gelesen hat, sondern was der Realitaet, und nicht der Propaganda, entspricht.
Du gestattest aber doch, dass ich escapes Beitrag für gut halte und das ausdrücke?
Dass sie Propaganda
für Chavez und sein System macht, kann ich nicht erkennen. -
Du gestattest aber doch, dass ich escapes Beitrag für gut halte und das ausdrücke?
Dass sie Propaganda für Chavez und sein System macht, kann ich nicht erkennen.Klar, kannst alles gut finden. SIE hat kein Propaganda fuer Chavez gemacht, das machen die Chavistas schon selbst
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Ok. dann werde ich mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
El comandate Mindfreak?
Du ergänzt mein -angelesenes- Wissen. Das gefällt mir nicht erst heute. Du erlebst Venezuela ...
Ein Heiligenschein für Chavez hilft niemandem, da gebe ich dir recht. Da er, wie auch im Artikel der SZ dargestellt, den "Massen" Selbstbewusstsein gegeben hat, ist für mich nachvollziehbar, dass die ihn jetzt aufs Podest heben.
Wenn du vom "größenwahnsinnigen Rollmops" redest und in der SZ der Narzismuss von Chavez beschworen wird, ist das für mich nur die eine Seite der Medaille. Die "Bruderstaaten" in Südamerika zu einen ist eine politische Idee, die mir durchaus "logisch" erscheint. Dazu unterstützt man sie, indem man ihnen Öl zu Sonderkonditionen verkauft. Im Klartext heißt das: Aufhebung von Handelsbeschränkungen.
Das machen "wir" auch so, um als Europa auf dem Weltmarkt "unsere" Stellung behaupten zu können. Wir unterstützen die Mitgliedsländer im eigenen Interesse ... aber nicht im persönlichen Interesse von Angela Merkel!
Dass Hugo Chavez nur im persönlichen Interesse gehandelt hat, kann ich ihm nur schwer unterstellen. Er kam von ganz unten und wusste, wie man da lebt und sich fühlt. Den sogenannten Eliten hat er misstraut.
Anders als seinem Kollegen Correa in Ecuador, der durchaus Ähnlichkeiten mit Chavez hat, fehlte Chavez wohl der Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge, während Correa Wirtschaftswissenschaften studiert und später selbst gelehrt hat. Glaubt man aktuellen Berichten, erlebt Ecuador gerade einen "Wirtschaftsboom". Die Inflationsrate sinkt.
Nach meinen Informationen hatte Chavez eine Landreform zwar angekündigt, aber nicht umgesetzt. Wenn 2/3 der Nahrungsmittel importiert werden müssen, arbeitet der Landwirtschaftssektor ineffizient. Venezuela ist schließlich kein Wüstenstaat. -
Egal wie die Umstände und Voraussetzungen sind. Der Kommunist/Sozialist wird die Karre vor die Wand fahren. Und wenn es noch so schwierig ist, das kriegt er immer hin.
Was den Alchemisten nie gelang, die haben es geschafft, leider aber andersrum:
Aus Gold Scheisse machen.
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