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Samstag, 30. Juli 2011, 18:04

Stolpersteine in der Dessauer Kantorstraße

Diese Stolpersteine spielten schon in einem meiner anderen Beiträge eine Rolle,
als ich bei den "Stadtmenschen" beispielhaft vom Schicksal des Dessauer Rabbiners Dr. I. Walter und dessen Frau berichtete.

Erst jetzt ist mir aufgefallen, dass es nicht nur durch G. Demnig und seine Stolpersteine eine besondere Beziehung Dessaus zu Köln gibt, sondern auch durch durch David Heumann.

David Heumann (1880 - 1929), der beliebte Kantor und Religionslehrer der Dessauer Kultusgemeinde, starb am 20. Juni 1929 nach schwerer Krankheit im Alter von weniger als 49 Jahren. Er stammte aus Brühl bei Köln und besaß rheinländisches Temprament und Frohsinn. Ab 1911 hat er in Dessau gelebt und gewirkt. Seine Grabstätte auf dem Dessauer jüdischen Friedhof ist erhalten.

Seine Witwe Erna geb. Lewin - aus Pasewalk - zog 1932 aus der Kantorwohnung im Gemeindehaus (Steinstraße) in das damalige Schul- und Rabbinerhaus (Kantorstraße) um. Wie ihr verstorbener Mann war auch Erna Heumann ein engagiertes Mitglied der jüdischen Gemeinde. Zudem war sie politisch aktiv in der Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei, bis diese von den neuen Machthabern 1933 verboten wurde.

Unter dieser Adresse ebenfalls gemeldet waren die Tochter Lotte Heumann (geb. 1912, nach dem Abitur studierte sie Jura an der Universität Bonn), der Sohn Werner (geb. 1910, er war ab 1933/34 in Berlin bei einem Architekten angestellt), zeitweilig auch die bereits verheiratete Tochter Anneliese Michaelis geb Heumann (geb 1908) mit ihrer Tochter Judith (geb. 1935). Ebenfalls im Erdgeschoss dieses Hauses wohnte die Schwester von Erna Heumann, Martha Lewin (1882 - ?)

Nach der Verwüstung des Hauses im Novemberpogrom 1938 und nach dem Besitzerwechsel im Sommer 1939 mussten die Familie Heumann und Marta Lewin ausziehen; sie fanden ein zeitweiliges Quartier im Haus Zerbster Straße 58. Werner Heumann wanderte Ende August 1939, gerade noch rechtzeitig vor Kriegsausbruch, nach London aus.

Alle anderen Familienmitglieder wurden ermordet: Lotte Heumann war 1939 nach Leipzig gezogen. Von dort wurde sie am 17. Februar 1943 in einem Transport zunächst nach Berlin gebracht, von Berlin ging der Transport am 26. Februar 1943 nach Auschwitz weiter. Bei der Ankunft des Transportes mit Lotte Heumann in Auschwitz - mehr als 920 Personen - wurden über 650 Menschen sofort "selektiert" und in die Gaskammern geschickt. 262 Frauen und Männer wurden zu Arbeitssklaven für das Lager bestimmt. Möglicherweise war die 35-jährige Lotte Heumann darunter. Der genaue Zeitpunkt ihres Todes ist nicht bekannt.

Lottes Mutter Erna war bereits mit einem am 14. Dezember 1942 von Berlin abgehenden Transport nach Auschwitz gelangt. Im gleichen Transportzug befand sich ihre Schwester Marta Lewin. Und schließlich gehörte noch ein drittes Familienmitglied zu den insgesamt 815 Menschen, die mit diesem "25. Osttransport" in die Vernichtung geschickt wurden: Ernas älteste Tochter Anneliese. Sie war Sängerin, hatte als Kind oft mit ihrem Vater musiziert und später mit ihrer Sangeskunst viele Dessauer Theaterabende - bis zu ihrer Entlassung aus dem Friedrichstheater 1932 - sowie Konzertabende im jüdischen Gemeindehaus bereichert. Auch die genauen Todesdaten von Erna Heumann und Anneliese Michaelis sind nicht bekannt. Das gilt auch für Judith Michaelis (1935 - ?), die kaum 8-jährige Tochter von Anneliese. Sie wurde am 12. März 1943, also etwa ein Vierteljahr nach ihrer Mutter, ebenfalls nach Auschwitz deportiert.

Mit der Verlegung der Stolpersteine und der Dokumentation "Stolpersteine für Dessau-Roßlau" * will u. a. die Werkstatt Gedenkkultur (www. gedenkkultur-dessau-rosslau.de) die Erinnerung an ehemalige jüdische Bürger Dessaus wach halten.

*auch Quelle für diesen Beitrag
»Ulenspiegel« hat folgende Datei angehängt:
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Ulenspiegel« (30. Juli 2011, 22:16)


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Samstag, 30. Juli 2011, 21:51

Deine Berichte über jüdische Lebensläufe während der NaziZeit und über jüdisches Gemeindeleben heute gefallen mir, Spiegel.

Trotzdem frage ich mich, was genau da dein Interesse weckt.
Sei deinem Kritiker dankbar, er glaubt noch an dich!

3

Sonntag, 31. Juli 2011, 10:51

mein Interesse am Judentum

Deine Berichte über jüdische Lebensläufe während der NaziZeit und über jüdisches Gemeindeleben heute gefallen mir, Spiegel.

Trotzdem frage ich mich, was genau da dein Interesse weckt.

Wenn Dir meine Beiträge zum Judentum in Geschichte und Gegenwart gefallen, escape, kannst Du damit sicher auch etwas anfangen.

Da Du Dich fragst, was genau mein Interesse weckt, hast Du wohl auch schon eine Antwort. Stimmt´s? Schreibst Du die auch auf?

Nicht nur im Internet kam zuletzt durch mich das Thema wieder zur Sprache. Sowohl von meiner Schwester als auch von einem Studienfreund bin ich in dem Zusammenhang gefragt worden, ob ich zum Judentum übertreten wolle. Nein! Daran habe ich kein Interesse.

Jude ist man als Kind einer jüdischen Mutter. Meines Erachtens kann man durch Konversion gar nicht zum Juden werden. Allein das wie auch der weitgehende Verzicht auf Missionstätigkeit unterscheidet das Judentum von anderen Religionen, auch wenn es beispielsweise mit Islam und Christentum manche Gemeinsamkeit gibt.

Ein ganz besonderes Verhältnis, nicht nur historisch, besteht zwischen Juden- und Christentum. Das hat mich schon lange beschäftigt und beschäftigt mich nach wie vor. Die jüdischen Schicksale in der Nazizeit und jüdisches Leben in Deutschland nach dem Holocaust, Antisemitismus, Zionismus sowie die Rolle des Staates Israel im Nahen Osten und in der Welt sind wohl nur einige Teilthemen desselben Interessengebietes.


4

Sonntag, 31. Juli 2011, 13:03

ob ich zum Judentum übertreten wolle. Nein! Daran habe ich kein Interesse.
Der Spiegel ist nur zu faul, noch eine Religion zu lernen.

5

Sonntag, 31. Juli 2011, 15:04

ein wenig hässlich, checkmate!

Der Spiegel ist nur zu faul, noch eine Religion zu lernen.

(Woher) weißt Du das?

Und was sollen meine neuen Freunde von mir denken, wenn sie das lesen?

Na, warte!

:D

informant

unregistriert

6

Sonntag, 31. Juli 2011, 18:23

bash it ist ein gemeinschaftsnick, den mehrere user benutzen können, wenn sie unerkannt "kritisieren" wollen spiegel.

8

Sonntag, 31. Juli 2011, 22:38

Wenn ich Fragen stelle, habe ich nicht schon die Antworten im Kopf, wie kommste denn da drauf, Spiegel?

Deine Beiträge gefallen mir, weil/obwohl ich nicht am Thema hänge. Die Vielfalt macht's ... und die ganz anderen Gedanken.

Du hängst also schon lange am Thema, weil es für dich historisch wichtig ist? Habe ich das richtig verstanden? Irgendwo muss ja wohl ein persönlicher Bezug stecken ... denk ich
Sei deinem Kritiker dankbar, er glaubt noch an dich!

Heinz K

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9

Montag, 1. August 2011, 16:14

Das Judentum wäre mit die letzte Religion, der ich beitreten würde. Soviel Heuchlertum wie dort wäre für mich unerträglich. Da werde ich ja noch lieber Islamist. Die stehen wenigstens zu ihrem Hass.
Bis dahin bleib ich aber ein rechtschaffender Katholik, der nachts als Pädoman durch die Kirche wütet und unlautere Priester mit seinem Anti-Penis-Strahl abschiesst.


@Spiegel
Diese Geschichte war schon viel ergreifender als die, die du jüngst bei den Stadtmenschen geschildert hast :)

10

Dienstag, 2. August 2011, 06:10

bash-it gelöscht

bash it ist ein gemeinschaftsnick, den mehrere user benutzen können, wenn sie unerkannt "kritisieren" wollen spiegel.
Was ist nun mit dem Gemeinschafts-Nick?

?(

11

Dienstag, 2. August 2011, 06:28

"ergreifende" Geschichten?

@Spiegel
Diese Geschichte war schon viel ergreifender als die, die du jüngst bei den Stadtmenschen geschildert hast

Ach so, Heinz K.,

ohne ein paar Ermordete geht´s nicht wirklich?

Und "Geschichten" wollte ich weder hier noch bei den "Stadtmenschen" erzählen, sondern an die mehr als bedauerliche Realität erinnern, auch wenn inzwischen viel Zeit vergangen ist seither.


Ach richtig: Du hast ja eher mit anderen Dingen zu tun!

... ich (bleib) aber ein rechtschaffender Katholik, der nachts als Pädoman durch die Kirche wütet und unlautere Priester mit seinem Anti-Penis-Strahl abschiesst.
:rolleyes:

Heinz K

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12

Dienstag, 2. August 2011, 17:16

Naja, es würde auch ohne Ermordete gehen. Ich fand deine eine Geschichte nur so lasch, weil sie eben kaum Tragik bot verglichen mit sonstigen Holocaust-Erzählungen und dann auch noch ein amerikanisches Happy End fand. :)

Realitäten haben wir momentan noch ganz andere. Erzähl doch mal etwas über Somalia oder den Gaza-Streifen. Das wäre bestimmt auch spannend und sogar recht aktuell :)

Holocaust hat halt den Nachteil, daß es so ein alter Hut ist. Hat man schon gefühlte 1000 Geschichten von gehört und dutzende Filme zu gesehen. Das Thema ist ziemlich verbraucht. Deswegen muss man dabei schon etwas Außerordentlicheres bieten.

13

Dienstag, 2. August 2011, 21:44

Somalia u. a.

Lass es gut sein, Heinz K.!

Wär´ich nur nicht auf Deine Äußerungen eingegangen! "amerikanisches Happy End" beweist wieder, wie wenig ernst Du das genommen hast, was ich sagen wollte. Und mit Deinen Vorschlägen (Somailia, Gaza-Streifen) lenkst Du ganz und gar vom Thema ab.

Es hat sicher keiner etwas dagegen, wenn Du darüber oder über etwas Anderes schreibst,

14

Dienstag, 2. August 2011, 22:54

zum "Gottesvolk"

Du hängst also schon lange am Thema, weil es für dich historisch wichtig ist? Habe ich das richtig verstanden? Irgendwo muss ja wohl ein persönlicher Bezug stecken ... denk ich

(Auch) Deine Fragen zu beantworten habe ich nicht vergessen, escape! Nur ist das noch etwas schwieriger, als auf die anderen Kommentare zu reagieren.

Dass ich jetzt etwas "am Thema hänge", hat sich ein wenig zufällig durch die Dessauer Möglichkeiten nach dem Besuch der Synagoge (ohne jüdische Gemeinde) in Mühlhausen ergeben. In Dessau zog der 9. November 1938 nicht wirklich den Schlußstrich, sondern es gibt hier jüdisches Leben, als ob es so viel Schlimmes gar nicht gegeben hätte.

Wenn ich schon was von historisch geschrieben hane, dann ging es mir dabei zunächst darum, dass das Christentum nicht ohne das Judentum denkbar ist. Das Christentum hat sich im "Schoße" des Judentums entwickelt. In der Bibel der Christen geht es im Alten und Neuen Testament um den einen Gott und seine Beziehung zur Menschheit.

Insofern hänge ich am Thema, solange ich denken kann. Ich bin nicht nur unter dem Einfluss christlicher Verwandter aufgewachsen, sondern bin auch einmal bei der Berufswahl davon ausgegangen, dass ich einen besonderen Auftrag hätte. In dem Zusammenhang waren meine Beziehungen zum Judentum an sich wohl etwas akademischer Natur, aber was ich während meiner Zeit vom besonderen Schicksal des "Gottesvolkes" erfahren habe, hat mich in verschiedener Hinsicht mehr beschäftigt als manches andere. Und daran hat sich bis heute nichts wesentlich geändert, auch wenn die Geschichte nicht stehen gwblieben ist.




Wenn ich Fragen stelle, habe ich nicht schon die Antworten im Kopf, wie kommste denn da drauf, Spiegel?
Deine Fragestellung hat mich zu der Gegenfrage verleitet, Und mir blieb etwas länger Zeit zu antworten.

15

Mittwoch, 3. August 2011, 01:37

Somalia, Heinz? Wen interessieren schon 12 Mio Schwarze?

Gazastreifen ist nun wahrlich ein gewagtes Thema. Da wurde mein Kommentar beim KStA schon gelöscht, weil ich vom Ghetto gesprochen hatte. Da wird man ganz schnell zum Neonazi, obwohl man mit denen gar nix zu tun hat.

Nur im deutschen Sprachgebrauch steht "Holocaust" für die Naziverbrechen ... ansonsten meint es Völkermord. Die Naziverbechen für einmalig zu halten, ist eine Falle. Da kann man gar nichts lernen. Völkermord wiederholt sich ...
Sei deinem Kritiker dankbar, er glaubt noch an dich!

Heinz K

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16

Mittwoch, 3. August 2011, 16:35

Nein! Nur die Juden können völkergemordet werden! Hoffentlich greift hier ein Admin bald mal durch und verbietet deine braune Nazi-Scheiße!

Wär´ich nur nicht auf Deine Äußerungen eingegangen! "amerikanisches Happy End" beweist wieder, wie wenig ernst Du das genommen hast, was ich sagen wollte. Und mit Deinen Vorschlägen (Somailia, Gaza-Streifen) lenkst Du ganz und gar vom Thema ab.
Ich habe das doch ernst genommen, sonst hätte ich dir doch keine Resonanz darauf gegeben. Du kannst doch wohl kaum davon ausgehen, daß dir jede Resonanz gefällt oder deinen Erwartungen entspricht. Wenn ich die Geschichte langweilig und ausgelutscht fand und dafür meine Gründe nenne, dann kannst du das auch ernst nehmen :)

Zitat

Es hat sicher keiner etwas dagegen, wenn Du darüber oder über etwas Anderes schreibst,
Werd ich machen. Morgen hab ich etwas mehr Zeit, hoffentlich fällt mir bis dahin etwas nettes ein. Ich war nur eben bei dir davon ausgegangen, daß du diese Geschichten direkt parat hast und nur kopieren musst :)

17

Mittwoch, 3. August 2011, 16:51

braune Nazi-Scheiße!
Da lacht die Koralle

18

Mittwoch, 3. August 2011, 20:11

Das meinst du ja wohl nicht ernst, Heinz!
Sei deinem Kritiker dankbar, er glaubt noch an dich!

Nachhilfelehrer von Heinz K.

unregistriert

19

Mittwoch, 3. August 2011, 21:09

Holocaust (Begriff)Das aus dem Tieropferkult stammende griechische Wort holokautoma gelangte über verschiedene Bibelübersetzungen als Holocaust in dieenglische Sprache. Dort bezeichnete es seit etwa 1600 vor allem Brandkatastrophen mit vielen Todesopfern, seit 1913 auch Massenmorde mit genozidalem Ausmaß. Im Dezember 1942 verwendete die britische Tageszeitung News Chronicle – noch ohne Kenntnis der NS-Vernichtungsmethoden – den Begriff erstmals für Adolf Hitlers Vernichtungsplan an den Juden. Bis 1972 wurde Holocaust in der englischsprachigen Geschichtswissenschaft zur Hauptbezeichnung dieses Verbrechens." (laut Wikipedia)

Heinz K

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20

Donnerstag, 4. August 2011, 18:18

trololololol


So und nun zu meiner Geschichte :)

Es werden übrigens zwei sein. Eine echte und eine falsche. Ihr dürft selber entscheiden welche ich erfunden habe, auch wenn ich die 2. wohl erst nächste Woche erzählen werde. Sie werden zumindest beide etwas mit Deutschland zu tuen haben.


Es ist immer noch ein schwarzer Somalier namens Samuel. Warum er irgendwann der Älteste von seinen sechs Geschwistern wurde weiß er nicht mehr so genau. Jedenfalls wurde ihm deswegen eine ganz besondere Verantwortung zuteil als er 9 Jahre alt war und sein Vater von Milizen erschossen als er sich mit ihnen um Essen gestritten hatte. Seitdem musste er nämlich für das Überleben seiner 7-köpfigen Familie sorgen.
Aber wie sollte er das anstellen? Er hatte doch keine Ahnung vom Geldverdienen. Eine Schule hatte er auch noch nie besucht. Hin und wieder hatte er einem Bauern ausgeholfen, aber selbst dort den ganzen Tag zu schuften reichte kaum aus um die gesamte Familie zu ernähren. Also musste seine Mutter nebenher als Prostituierte arbeiten. Das klappte auch ganz gut. Sie konnte ihr Kundschaft zuhause empfangen, während die kleineren Geschwister vor der Hütte spielten.

Samuel arbeitete derweil 15 Stunden am Tag auf dem Felde oder erledigte kleinere Aufgaben, die nebenher anfielen. Jede Nacht kam er völlig erschöpft nach Hause und wollte nur noch schlafen. Aber es lohnte sich. Zusammen mit den Verdiensten seiner Mutter und der jüngeren Geschwister konnte die vaterlose Familie allen Widrigkeiten trotzen. Wenn ein Kind krank wurde so half ihnen Gott. Notfalls wurde auch mal ein Arm oder Bein amputiert. Nicht weiter schlimm, denn man hat ja von jedem zwei.
Wurde die Mutter mal schwanger pulte man ihr einfach mit einer Fahrradspeiche den Fötus aus dem Unterleib. Sie konnte sie meistens sofort ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Aber dieses Glück währte nicht allzu lange. Als Samuel gerade 12 Jahre alt geworden war bekam seine Mutter eine schreckliche Nachricht: Sie hatte sich mit HIV infiziert.
Sie wollte es erst geheim halten, aber die Nachricht machte schnell die Runde und es war ihr nahezu unmöglich geworden noch Kunden zu empfangen. Sie versuchte anderweitig zu arbeiten, doch wurde dafür nicht mehr so gut entlohnt. Das Geld reichte für Samuels Familie nicht mehr um sich zu ernähren.
Deshalb beschloß er sich eine andere Beschäftigung zu suchen. Eine etwas lukrativere.
Er erfüllte sich etwas wovon Millionen Kinder auf dieser Welt träumen: Er wurde Pirat.

Aber Pirat zu werden ist schwieriger als gedacht. So eine Piraten-Crew heuert nicht jeden dahergelaufenen 12-Jährigen an. Also sollte Samuel erst einmal seine Loyalität unter Beweis stellen.
Als ein kleiner, hungriger Knirps, ungefähr so groß wie Samuels 5-jährige Schwester, sich eines Tages an einige Waren der Piraten schlich und sich zwei Bananen stibitzte wurde er von einigen Piratenschergen aufgegriffen und festgehalten. Man drückte Samuel eine Kalashnikov in die Hand und er schoss mit leichtem Zögern dem kleinen Dieb in den Schädel. Nun akzeptierten ihn die Piraten als einen der Ihren und Samuel durfte endlich mit auf Beutezug.

Er überfiel Handelsschiffe und kassierte Beute und Lösegeld. Er bedrohte die Besatzung und hoffte jedesmal, daß er von einem Einsatz auch gesund und lebendig nach Hause kam.
Aber schnell musste er feststellen, daß die Piraterie ein sehr wankelmütiges Geschäft ist. Manchmal war die Beute so gering, daß Samuel sich keine Medizin für seine HIV-kranke Mutter leisten konnte. Der Zustand der Mutter wurde schlechter und das Aids schädigte ihrem Körper immer mehr. Alsbald war sie nicht einmal mehr in der Lage einfachste Arbeiten zu übernehmen. Die Essensrationen für die Familie wurden immer knapper und in einem besonders warmen Sommer verstarben zwei von Samuels Geschwistern.
Samuel machte sich schreckliche Vorwürfe, weil er doch der Haupternährer der Familie war. Er wollte unbedingt mehr Geld und mehr Essen heranschaffen. Dann überfiel er einen Öltanker. Ein Schiff so riesig wie ein Fußballstadion. Samuel hatte noch nie so ein gigantisches Schiff gesehen. Es versprach soviel und doch wurde es ihm zum Verhängnis.

Eine deutsche Fregatte übermannte Samuel und seine Piratenfreunde und verschleppten sie weit weg ihrer Heimat. Samuel weinte bittere Tränen. Was würde nur mit seiner Familie passieren? Sie würden doch alle sterben ohne ihn. Samuel wurde tagelang in einem grauen Raum eingesperrt, vollkommen alleine. Er befürchtete alsbald hingerichtet zu werden.
Doch es kamen viele Männer zu ihm. Viele stellten ihm fragen, einige gaben ihm Antworten. Männer die nicht feststellen konnten wie alt er eigentlich ist, obwohl er selbst davon ausing schon 15 Sommer erlebt zu haben. Wie froh war er doch als er erfuhr nicht sterben zu müssen, und wie sehr verachtete er sich und diese Fröhlichkeit als man ihm später berichtete seine Mutter sei ihrer Krankheit erlegen. Da wünschte er sich selbst zu sterben.

Aber er wird wohl nicht sterben. Als er auch noch von der Dürre in Somalia hörte wusste er, daß sein altes Leben nicht mehr existierte. Seine Mutter war tot, seine Geschwister galten als verschollen. Vermutlich waren sie längst verhungert. Hin und wieder betete er nachts zu Allah sie mögen doch wohlbehalten den Weg in ein Flüchtlingslager gefunden haben.
Aber meistens denkt er an sich und seine Zukunft. Was wird mit ihm passieren? Wird er noch länger eingesperrt sein? Man sagte ihm er sei jetzt in einer Stadt namens Hamburg. Er hat es gesehen, dieses Hamburg. Überall gibt es Maschinen und riesige Häuser. Die Menschen sehen viel glücklicher aus als bei ihm zuhause. Wird er hier etwa leben können? Wird er vergessen können, was er alles bereut? Wird er irgendwann aufhören können sich nachts in den Schlaf zu weinen und die Alpträume, die sein Leben bisher gezeichnet hat, loswerden?

Wünschen wir ihm frohes Gelingen :)

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15. März 2015, 21:38:
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