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Dienstag, 16. April 2019, 14:56

Notre-Dame ... notre drame

Notre-Dame de Paris in Flammen?! Ich hätte heulen mögen. Und ja, ich weiß, es ist nur ein Gebäude. So, wie auch der Kölner Dom "nur" ein Gebäude ist. Also, warum weltweit Entsetzen,Trauer, Tränen? Warum so viel Drama um eine brennende französische Kirche?

FR

Vielleicht weil sie die "Mutter" aller gotischen Kathedralen unseres Kontinents ist. Ein architektonisches Meisterwerk voller Kunstschätze. Zentrum und Symbol Frankreichs und seiner Hauptstadt Paris. Machtvolles Zeugnis der katholischen Kirche Europas. Krönungsort. Schauplatz bedeutender Ereignisse, wie Jeanne d' Arcs Rehabilitation und Napoleons Selbst-Inauguration. Widerstands- und Zufluchtsstätte der Verfolgten. Und zuletzt -nach den Anschlägen von Paris- Versammlungsort zum Trauern und Gedenken für Angehörige ganz unterschiedlicher Herkunft und Religionen.
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Ich 'kenne' sie seit meiner Jugend, habe bewundernd vor und in ihr gestanden, ihre Fenster bei Regen und im Sonnenlicht bestaunt und Gänsehaut-Konzerte ihrer grandiosen Orgel erlebt.
Man muss nicht katholisch-christlich-gläubig sein, um Notre-Dame zu 'lieben'.
Anzusehen, wie dieses Weltkulturerbe in Flammen steht und zusammenzubrechen droht, kann einem durchaus Tränen in die Augen treiben. Erst recht einem Kölner Kind des Rheins, das im Schatten der Domtürme aufgewachsen ist.

Radio-Canada Info würdigt in einem Video Bedeutung, Architektur und Werte der Kathedrale:
Une partie des œuvres à l'intérieur de la cathédrale Notre-Dame de Paris ont pu être sauvées des flammes, grâce à l'intervention courageuse des pompiers. Les générations à venir peuvent les en remercier, car cet édifice historique abritait plusieurs trésors inestimables. Les détails avec Jean-Michel Leprince.

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Dienstag, 16. April 2019, 20:04

Musik in Notre-Dame

Zitat

Die Architektur der Töne
16.04.2019
von Stefanie Bilmayer-Frank | Online-Bearbeitung: Alex Naumann

Notre-Dame ist nicht nur ein Bauwerk, sondern auch ein Klangraum. Die historische Cavaillé-Coll-Orgel hat das Feuer wohl heil überstanden. Musikgeschichtlich steht die Kathedrale für eine bahnbrechende Epoche.

"Gotische Musik"? Diesen Begriff gibt es nicht. Jedenfalls hat er sich in der Musikgeschichte nicht durchgesetzt. Stattdessen steht ein einzelnes Bauwerk für eine ganze musikalische Epoche: die Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris. In einem zeitlich recht engen Fenster um 1200 wird die Musik an der Pariser Kathedrale zum Labor für die Zukunft der europäischen Musik. Notre-Dame war zu dieser Zeit musikalischer Dreh- und Angelpunkt. Hier wurde die Grundlage für eine bahnbrechende Weiterentwicklung gelegt: die mehrstimmige Musik. Als Bauwerk kann man Notre-Dame auch als ein Spiegelbild der Musik sehen, die damals in diesem Kirchenraum erstmals erklang.

Wie die Ziegel auf dem Dach


Das wichtigste Merkmal der Musik aus der Zeit zwischen 1160 und 1250 ist die Notation. Erstmals in der abendländischen Musikgeschichte war es möglich, rhythmische Verläufe exakt in Noten festzuhalten. Und das war die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein wirklich mehrstimmiger Gesang entstehen konnte. Nun konnten die Komponisten verschiedene Stimmen zueinander in Beziehung setzen. Jede Stimme sollte für sich als Linie einen Sinn ergeben – und gleichzeitig einen harmonischen Zusammenklang mit den anderen Stimmen. Erreicht wurde diese neue Architektur der Töne durch die Anordnung von kurzen und langen Notenwerten in wiederkehrenden rhythmischen Mustern. Diese wurden übereinander gelegt wie "die Ziegel auf dem Dach", wie es in einem zeitgenössischen Traktat heißt. Das Bild wirkt stimmig: Wie das Bauwerk selbst – in seinem ursprünglichen Zustand – besteht diese Musik aus Querverbindungen.

Mehrstimmige Notengebäude

Überliefert ist uns die Musik der Notre-Dame-Zeit dank den
Aufzeichnungen von Anonymus IV, einem englischen Schreiber, der Ende des 13. Jahrhunderts über die Pariser Kathedralkunst berichtete. Er nennt die Meister Leonin und Perotin als die Schöpfer drei- und vierstimmiger liturgischer Musik. Es sind die ersten Komponistennamen der abendländischen Musik, die uns überliefert sind. Erstmals treten einzelne Individuen als Schöpfer aus der Anonymität der Überlieferung hervor. Besonders an hohen Festen wie Mariae Himmelfahrt wurden solche Kompositionen aufgeführt, um die Musik dem feierlichen Anlass entsprechend zu gestalten. Sie ist Kathedralkunst im besten Sinne und wurde speziell für diesen Kirchenraum geschaffen.

Nach dem Brand: Die Orgel ist heil geblieben

Bedroht waren diese unersetzlichen Werke, die sich mit dem Namen Notre-Dame verbinden, durch das Feuer glücklicherweise nicht. Anders stand es mit der imposanten Orgel. Auch diese hat das verheerende Feuer offenbar überstanden. Die Cavaillé-Coll-Orgel mit ihren geschätzt über 8.000 Pfeifen, eine der berühmtesten und größten der Welt, sei noch intakt, teilte der stellvertretende Bürgermeister Emmanuel Grégoire im Sender BFMTV mit. Es gebe eine "enorme Erleichterung" darüber, dass historische Kulturgüter wie etwa auch die als Dornenkrone Jesu Christi bekannte Reliquie gerettet worden seien. Die ältesten Teile des Instruments stammen aus den 1730er-Jahren und gehen zurück auf den Orgelbauer François Thierry. Seither wurde die Orgel immer wieder umgebaut und erweitert.

Sendung: "Leporello" am 16. April 2019 ab 16.05 auf BR-KLASSIK

Die Cavaillé-Coll-Orgel von Notre-Dame de Paris
mit geschätzt über 8.000 Pfeifen
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agrippi

unregistriert

3

Mittwoch, 17. April 2019, 11:57


Der Himmel über Paris
(Heiko Sakurai)


Das Feuer von Notre Dame wurde gestoppt
(Kostas Koufogiorgos)



(Klaus Stuttmann)

agrippi

unregistriert

4

Mittwoch, 17. April 2019, 13:57

Victor Hugos Notre-Dame

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Roman von Victor Hugo, dessen Titel bei uns das Augenmerk vor allem auf den unglücklichen Quasimodo lenkt. Wo der Autor im Original doch das Bauwerk selbst, die Kathedrale, ins Zentrum rückt. Entsprechend nannte er sein Werk "Notre Dame de Paris".
Man sagt, seit dem verheerenden Brand vorgestern Abend eroberten sich die Franzosen "ihre Dame" zurück, indem sie sich in Hugos Roman vertiefen und seiner Bewunderung für die Kathedrale folgen. Zumal einige Passagen schmerzlich aktuell erscheinen. In den französischen Medien wird darauf immer wieder Bezug genommen.

Die Buchhändler können der Auftragsflut der Bestellungen kaum nachkommen, heißt es. Nach vergeblicher Suche - wem hab ich bloß mein schönes altes Romanexemplar geliehen? - werde ich mich wohl einreihen müssen in die Menge der Buchbesteller. Wiederlesen macht Freude ... :thumbup:



Notre Dame de Paris, 1831. Von Victor Hugo.
«Es sind heute dreihundertachtundvierzig Jahre, sechs Monate, neunzehn Tage her, dass die Pariser beim Geläut aller, in dem dreifachen Umkreis der Altstadt, Universität und Neustadt, mit mächtigem Schalle erklingenden Glocken erwachten.»

Der Inhalt

Quasimodo, nach einer Illustration aus der Ausgabe von 1836
Wie der Originaltitel verrät, steht im Mittelpunkt des Romans die Kathedrale von Notre Dame in Paris. Um diesen Mittelpunkt herum bewegt sich, besonders gut in den Volksszenen erfasst, das Leben des ausgehenden Mittelalter, des Jahres 1482. Und in die abenteuerlich-spannende Fabel, die sich in effektvollen Kontrastwirkungen zuspitzt, sind die von einem blinden Schicksal vorwärtsgetriebenen Menschen geknüpft. Das Ganze ein Mischmasch von Walter Scottscher Historie und wilder Kolportageromantik, aber dargestellt von einem machtvollen Dichter.

Claude Frollo, der Erzdiakon der Kathedrale von Notre-Dame ist besessen von der schönen Zigeunerin Esmeralda. Diese aber liebt den Hauptmann Phöbus, einen Blender und Frauenheld. Frollo sticht seinen Rivalen Phöbus nieder. Er rächt sich an der Esmeralda für seine Zurückweisung, indem er ihr die Schuld gibt und sie der Hexerei bezichtigt. Aber er rechnet nicht mit Quasimodo, dem verwachsenen Glöckner von Notre-Dame, den Frollo selbst einst als Findelkind aufgenommen hatte.

Auch Quasimodo hegt eine aussichtslose Liebe für Esmeralda. Als sie vor der Kathedrale öffentlich hingerichtet werden soll, rettet er sie heldenmutig. Quasimodo versteckt die Zigeunerin in der Kathedrale. Aber auch das Kirchenasyl kann sie nicht schützen. Schließlich wird die Kathedrale gestürmt. Frollo bedrängt Esmeralda ein letztes Mal, aber sie verweigert sich ihm wieder, und so liefert er sie dem Galgen aus. Als er sich dann noch an ihren Todesqualen weidet, stürzt Quasimodo seinen Ziehvater zur Rache von den Zinnen. Darauf geht er an das Grab seiner Geliebten, um dort zu sterben und mit ihr zu ruhen.

Esmeralda, nach einer Illustration aus der Ausgabe von 1836
Textlicher Grundstock: "Geschichte der Weltliteratur" von Carl Busse

Der Verfasser

Victor Hugo
Als der jüngste Sohn eines Offiziers, der es nachmals unter dem Kaiserreich bis zum General und Grafen brachte, ward Victor Marie Hugo am 26. Februar 1802 in Besançon geboren. Nach Italien und Spanien wird der kleine Knabe vom Vater mitgenommen, wohnt in fremden Palästen fremder Länder und füllt seine Phantasie mit großen, immer wechselnden Bildern. Von 1812 ab lebt er bei seiner Mutter, einer royalistisch gesinnten Bretonin, in Paris und widmet sich nach unregelmäßigem Bildungsgange der Literatur.
Schon der Siebzehnjährige erringt mit Oden einen Preis; Chateaubriand feiert ihn bald als "das erhabene Kind"; Ludwig XVIII. setzt dem noch sehr königstreuen und katholischen Dichter, der sich schon 1822 verheiratet, ein Jahresgehalt aus. Die legiitmistisch-katholischen Anschauungen wandeln sich nach der Julirevolution zu mehr liberalen und bonapartistischen; auch sozialistische Einflüsse machen sich bemerkbar. 1837 erhält Victor Hugo die Ehrenlegion; 1841 wird er in die Akademie aufgenommen, 1845 zum Pair von Frankreich ernannt. Als Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung nimmt er 1848 noch seinen Sitz auf der Rechten ein, um plötzlich - durch und durch Gefühlspolitiker - zur äußersten Linken überzugehen. Un er, der einst nicht wenig zur Napoleonverherrlichung beigetragen hatte, ward bei immer stärker hervortretenden demokratischen Neigungen ein heftiger Gegner des dritten Napoleon.

Nach dem Staatsstreich von 1851 musste er flüchten, ging nach Belgien, Jersey und schließlich auf die kleine englische Kanalinsel Guernsey, den "Felsen", baute sich hier ein fürstliches Haus und schleuderte leidenschaftliche Pamphlete gegen den Kaiser.
Erst als den Verhassten bei Sedan sein Schicksal erreicht hatte, kehrte Hugo nach Frankreich zurück und beschwor damals in einem glühenden Manifest die siegreichen Deutschen, umzukehren und den gottlosen Gedanken an die Belagerung des heiligen Paris aufzugeben. Da die Prussiens für diesen Aufruf kein Verständnis zeigten, schenkte er der belagerten Hauptstadt zwei Geschütze, stimmte auch gegen den Frieden, nahm sich später der Kommunards an und wurde 1876 in den Senat gewählt. Bis zuletzt unermüdlich tätig, starb er am 22. Mai 1885 und ward im Pantheon beigesetzt.

Hugos letzte Ruhestätte - das Pantheon in Paris
Von hier

5

Mittwoch, 17. April 2019, 18:18

Victor Hugos Roman "Notre Dame de Paris" ist mehrfach verfilmt worden. Die bekannteste Version ist sicher die mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn in den Hauptrollen.

Als die beste Verfilmung gilt jedoch diejenige mit Charles Laughton und Maureen O'Hara aus dem Jahr 1939.
Sie wird heute Abend von ARTE angeboten und ist dort bis zum 1.Mai verfügbar..



Zitat

Wiederausstrahlung aus aktuellem Anlass: Die angebliche Hexe Esmeralda, die zum Tode verurteilt wird, findet bei dem verunstalteten Glöckner von Notre-Dame, einem verachteten Außenseiter, Zuflucht. Das verfluchte Zigeunermädchen und der entstellte Sonderling finden aneinander Halt ... -
Wahrscheinlich die beste Verfilmung (1939, Regie: William Dieterle) von Victor Hugos Roman.

Eingesperrt und vor den Menschen versteckt, lebt der verunstaltete Glöckner Quasimodo in den Türmen von Notre-Dame. Er wird von der Allgemeinheit verachtet und führt ein Leben im Schattendasein. Gerüchten zufolge hat der berüchtigte Richter Frollo, den Buckligen gefangen genommen und in die Kathedrale eingesperrt.
Als das Gerücht aufkommt, Esmeralda, eine junge Zigeunerin, solle sich illegal nach Paris geschleust haben und sei eine Hexe. Aus Angst vor ihrer schwarzen Magie wird sie zum Tode verurteilt.
Wie Quasimodo versteckt sie sich in der Kathedrale. So kommt es, dass Esmeralda und Quasimodo, die Verbannten und Gefürchteten, aufeinandertreffen und Zuflucht und Hilfe beieinander finden. Quasimodo, der noch nie zuvor die Güte eines Menschen erfahren hat, setzt alles daran, das anmutige Mädchen vor dem Galgen zu retten und verliebt sich in die junge Frau. Eine Geschichte, so alt wie Notre-Dame selbst, bewegend und dramatisch-romantisch zugleich.
Die durchweg stark typisierten Hauptfiguren - Quasimodo, Frollo, Gringoire, Phoebus, Ludwig XI. - aber auch die Nebenrollen stehen für soziale und politische Werte und symbolisieren psychologische Charaktertypen, die sowohl historische als auch allgemein menschliche Bezüge haben. Daher hat der Film nicht nur eine geschichtliche Dimension, sondern ist von zeitloser Aktualität.
(Arte)

Heinz K

Dissident

Beiträge: 4 146

Wohnort: Kölle

Beruf: Multimilliardär, Philanthrop, UN-Botschafter, Menschenhändler

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6

Donnerstag, 18. April 2019, 13:13

Die Welt macht ein Theater als ob der Dom gebrannt hätte. Notredamm ist nicht mal so ne hübsche Kirche, selbst in Paris. Bin froh, daß es nicht Sakrekör erwischt hat. Notredamm ist schon ziemlich überbewertet. Unser Dom hat im 2. Weltkrieg Flächenbombardements abbekommen und es hat ihn kaum gekratzt, und Notredamm wird von nem kleinen Feuerchen fast völlig zerstört. Meh.

agrippi

unregistriert

7

Donnerstag, 18. April 2019, 17:52

Jobbt Heinz inzwischen für die New York Times? Die sah nämlich auch nur "Dom" statt Dame. :rolleyes: :D

.

Ävver: „Mer losse d’r Dom en Kölle, denn do jehööt hä hin!“ :P

8

Donnerstag, 18. April 2019, 18:09

Dom und Dame

Übrigens, für einen so forsch tönenden Dom-Enthusiasten haste bedenklich wenig Ahnung.
Als Lektüre empfehle ich:
.
Niklas Möring: Der Kölner Dom im Zweiten Weltkrieg.
Verlag Kölner Dom:
Köln 2011.
112 Seiten, 97 Abbildungen, 17 Euro
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Ein paar Fakten:
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Zitat

Kölner Dom im Zweiten Weltkrieg: Weshalb ihn die Bomben nicht zerstörten
10.08.11 18:42
+

Nach den Bombenangriffen im 2. Weltkrieg: Blick über die zerstörte Hohenzollernbrücke zum Kölner Dom.
▪Von Jörn Funke ▪ KÖLN–

Dass der Dom an Ende des Kriegs noch stand, mutet wie ein Wunder an. 262 Mal hatten die Alliierten Köln bombardiert, die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt. Nur die Kathedrale ragte aus dem Trümmermeer heraus. Die Piloten hätten sie verschont, hieß es in Köln damals. Aus Pietät, oder um sich an ihr orientieren zu können. Eine Ausstellung im Dom-Forum und eine Studie des Historikers Niklas Möring räumen mit diesem Mythos jetzt auf.
.
Man hat in Köln nicht genau gewusst, was mit dem Zweiten Weltkrieg auf die Stadt und den Dom zukommt, aber man hat es wohl geahnt. Als die Kölner der Wehrmacht zujubelten, die 1936 über die Hohenzollernbrücke ins Rheinland einzog, ließ Domvikar Max Loosen schon mal Kisten anfertigen, um den Domschatz sicher einlagern zu können, schreibt Möring. Schutzmaßnahmen für die Kathedrale hätten stillschweigend geplant werden müssen; offen über einen möglichen Krieg zu reden wäre eine Kritik an Hitlers „Friedenspolitik“ und damit tabu gewesen.
.
Der Ernstfall kam dann im September 1939. Dombaumeister Hans Güldenpfennig postierte die Mitarbeiter der Dombauhütten als Brandwachen auf den Dächern, sperrte sich aber gegen den Ausbau der mittelalterlichen Glasfenster. Die Handwerker würden größere Schäden verursachen als ein Luftangriff, sei seine Befürchtung gewesen, so Möring. Erst als Reichsbehörden sich einschalteten, gab er nach. Altäre und Steinfiguren wurden zunächst mit Holzverschalungen und Sandsäcken verbarrikadiert, später eingemauert.
Für die Kunstwerke des Doms entstand im Nordturm ein eigener Bunker, der dort bis 1986 stand. Die wertvollsten Werke, darunter der Dreikönigsschrein, wurden jedoch ausgelagert.


Möring schildert abenteuerliche Transporte und ungeahnte Bedrohungen. Man werde die Schätze eher vernichten, als sie den Alliierten in die Hände fallen zu lassen, habe die Kölner Gauleitung der NSDAP in den letzten Kriegstagen gedroht. Als das linke Rheinufer bereits in den Händen der Amerikaner war, schoss die Wehrmacht vom anderen Ufer Granaten in den Dom.
Die Kirche hatte da bereits zahlreiche Treffer durch Brandbomben und Luftminen bekommen, Gewölbe waren eingestürzt, ein Pfeiler des Nordturms weggesprengt.
Der Dom sei trotz Flächenbombardements an sich kein Ziel für die Alliierten gewesen, schreibt Möring. Die Gefahr habe in seiner Nähe zum Hauptbahnhof und zur Hohenzollernbrücke bestanden, die bombardiert wurden, um den deutschen Nachschub zu stören. Da die Zielgenauigkeit der Bomben nur gering gewesen sei, habe die Kirche das abbekommen, was den Bahnanlagen zugedacht gewesen sei.

Dass die Kathedrale überlebte, habe sie ihrer gotischen Konstruktionsweise zu verdanken, so der Historiker. Eine Druckwelle, die eine detonierende Luftmine im Gebäude auslöste, sei durch die großen Fensterfronten und das offene Strebewerk problemlos nach außen abgeleitet worden.

Dazu kamen die Männer der Dombauhütte, die unzählige Nächte auf den Dächern ausharrten und Brände löschten. Sie hatten eigentlich nur die Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr überbrücken sollen – und merkten schnell, dass sie auf sich allein gestellt waren. Dass der Dom heute noch steht, liegt auch an namenlosen Helfern. Möring setzt ihnen ein kleines Denkmal.
a.a.O.
.
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.
Fazit:
Trotz aller frühzeitigen Rettungsvorbereitungen, Sicherung der Domschätze, Ausbau der wertvollen Domfenster, stetiger Brandwachen, fortwährender Löscharbeiten, und trotz der vergleichsweise modernen eisernen Dachkonstruktion -im Gegensatz zum weitaus älteren hölzernen(!) Dachstuhl von Notre-Dame de Paris- sah unser Dom schließlich so aus:
.
(Express)
.

.

"Kaum gekratzt" ... Ich fass' es nicht. :pinch: ;(

agrippi

unregistriert

9

Samstag, 20. April 2019, 09:04

Nicht Spenden-, aber Fachkräftemangel


(Heiko Sakurai)

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(TOMICEK)

10

Dienstag, 23. April 2019, 11:42

Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

Heinz K

Dissident

Beiträge: 4 146

Wohnort: Kölle

Beruf: Multimilliardär, Philanthrop, UN-Botschafter, Menschenhändler

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11

Dienstag, 23. April 2019, 13:20

@agrippi
Ja, der Dom hat ein paar Löcher bekommen. Nachdem er dutzende Bombentreffer aushalten musste, Brandbomben abbekam und die Welt um ihn herum bereits im Krieg versunken war. Damals hatten die Menschen in Köln noch ihre eigenen Häuser zu löschen, die Leichen ihrer Verwandten aus zugeschütteten Kellern zu bergen, und trotzdem waren sie für den Dom einsatzbereit.

In Paris hat ein kleines Kurzschlüsschen fast die ganze Kapelle abgefackelt und die Stadt versinkt in Hysterie (letzteres mag Übertreibung der Lügenpresse sein). Da ist es kein Wunder, wenn die NYT Notredamm mit einer prominenten und qualitativ hochwertigen Kirche verwechselt :)

12

Dienstag, 30. April 2019, 09:26


Und jetzt wird diskutiert, ob man originalgetreu aufbaut, oder die Sache etwas aufhübscht. ;(

Nano bei 3Sat
Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

13

Heute, 11:43

Foto: headtopics.com
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Von Fristen redet inzwischen jedenfalls niemand mehr. Zu unberechenbar die notwendigen Reparaturen, zu groß die Schäden, von denen immer noch mehr gefunden werden, je genauer Notre-Dame besichtigt und untersucht werden kann.
Kölns ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die im Auftrag der Bundesregierung in Paris war und sich die Brandfolgen anschauen konnte, packte jedenfalls das große Grausen, wie sie vorgestern in der Stadtbibliothek berichtete.


Foto: headtopics.com
.
Nicht allein das Offenkundige, also die vollständige Zerstörung von Dach und Vierungsturm ist zu beklagen. Unberechenbarer und nicht weniger dramatisch sind die Schäden, die das Löschwasser verursacht hat.
Noch immer steht Wasser im Kircheninneren, die Mauern sind vollgesogen, und niemand kann präzise sagen, wie instabil die Konstruktion geworden ist - und wie groß die Einsturzgefahr.

Ein Betreten der Kirche ist nur an einigen, als ungefährlich eingeschätzten Stellen gestattet, aber offenbar veranlassen die gewonnenen Eindrücke Schock-Werner dazu, ungewohnte Zurückhaltung im Erteilen von guten Ratschlägen zu üben. Gleichwohl bevorzugt sie eine weniger brandgefährliche, moderne Dachkonstruktion aus Stahl, räumt aber ein, die französischen Kollegen hätten zu Recht Bedenken, es könne die gesamte steinerne Mauerlast der Kirche nach innen wegbrechen, weil ein stählerner Dachstuhl zu leicht sei um das Gleichgewicht der Kräfte zu sichern. Als Ausweg sieht sie eine zusätzliche Betonkonstruktion, damit habe man bereits beim Wiener Stephansdom Erfahrungen sammeln können.

Wie auch immer der Wiederaufbau von Notre-Dame de Paris gestaltet sein wird, Präsident Macron hat bereits den bisherigen strengen Denkmalschutz gelockert.

Das erlaubt nicht nur den für die Baumaßnahmen notwendigen Abriss einiger die Kirche allzu eng umstehender Gebäude, sondern auch das Verbauen "unhistorischer" Materialien und Brandschutzvorrichtungen.

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