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1

Donnerstag, 15. Februar 2018, 17:49

Organspende, warum eigentlich nicht?

Wenn ich das richtig sehe, ist Deutschland das letzte EU-Land, in dem man ausdrücklich zustimmen muss, damit nach dem Tod Organe entnommen werden können.


Freiheit für den Sterbenden? Geht ja nicht: ein Unfall zertrümmert nicht nur den Körper, sondern auch alle Freiheit.


Was bleibt, ist wahrscheinlich die Angst, ob die Ärzte richtig entscheiden, wenn sie den Hirntod bescheinigen. Bleibt die Frage ob man wirklich "weiterleben" will, wenn der Hirntod so nah ist.


Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass auch in Deutschland jeder Organspender ist, der nicht ausdrücklich widerspricht.


P. S. Wer friedlich im eigenen Bett einschläft, wenn der Lebensfaden abreißt, ist ohnehin nicht betroffen.





2

Freitag, 16. Februar 2018, 07:23

Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass auch in Deutschland jeder Organspender ist, der nicht ausdrücklich widerspricht.

*****************
Genau so sehe ich das auch. Die Aerzte muessen dann nur noch entscheiden, bis zu welchem Jahr ein Ersatzteil ausgebaut wird. Der Betrug beginnt dann fuer den Patienten, dem gesagt wird, er habe ein frisches jugendliches Herzilein, obwohl es von Herrn Methusalem stammt.


3

Sonntag, 18. Februar 2018, 17:30

Bleibt die Frage: Welche Lobby verhindert die Umsetzung?


Es wird ja niemand "abgeschlachtet", damit seine Organe einen Geldsegen bringen ... und wer möchte, kann sich ausdrücklich verweigern.

4

Montag, 19. Februar 2018, 10:30

Der Betrug beginnt dann fuer den Patienten, dem gesagt wird, er habe ein frisches jugendliches Herzilein, obwohl es von Herrn Methusalem stammt.
Hierfür gibt es keinen Beleg, denn für den Patienten bleibt der Spender in jedem Fall anonym. Selbst der transplantierende Arzt und sein Team kennen die Spender-bezogenen Daten nur dann genau, wenn der Spender in derselben Klinik verstorben ist, in der auch die Organverpflanzung vorgenommen werden kann, es sich also um ein sogenanntes "Hausorgan" handelt.
Im Übrigen kommt es nicht auf das numerische Alter des jeweiligen Spenders an, sondern auf Zustand und Funktionstüchtigkeit des Transplantats. Vorgeschädigte Organe werden nicht zur Transplantation zugelassen.

Zitat

Ablauf einer Organtransplantation
  1. Eine Organentnahme kann nur dann durchgeführt werden, wenn es einen Organspendeausweis mit der Zustimmung gibt. Alternativ können Angehörige nach dem vermutlichen Willen des Verstorbenen einer Organentnahme zustimmen oder sie ablehnen.
  2. Der Hirntod wird festgestellt. Ohne diese Feststellung werden keine Organe entnommen.
  3. Die Ärzte müssen klären, ob das entsprechende Organ gesund ist. Auch Erkrankungen des Spenders wie Krebs oder Aids können eine Spende unmöglich machen. Es kommt nicht auf das Alter eines Spenders an. Wichtig ist der Zustand der betreffenden Organe.
  4. Das Krankenhaus informiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Stiftung meldet den Spender bei Eurotransplant. Durch diese gemeinnützige Stiftung werden zentral Organe aus Luxemburg, Belgien, Deutschland, Holland, Österreich, Slowenien und Kroatien vermittelt.
  5. Die Liste der Empfänger wird danach überprüft, ob das Organ passen könnte. Die Kriterien sind hier die Dringlichkeit, die Wartezeit des Spenders, die Erfolgsaussichten einer Transplantation.
  6. Wenn der Empfänger feststeht, werden die Organe entnommen. Das führt in den meisten Fällen ein externes Operationsteam durch. Der Leichnam des Spenders wird zur Beerdigung freigegeben.
  7. Das Organ wird so schnell wie möglich zum Aufenthaltsort des Empfängers transportiert. DieTransplantation erfolgt. Ein Spender kann mehrere andere Menschenleben retten.
(krankenkassenzentrale.de)

(Deutsche Stiftung Organtransplantation)


Bleibt die Frage: Welche Lobby verhindert die Umsetzung?
Muss denn überhaupt eine "Lobby" dahinter stecken?
Reicht es nicht, wenn Sensationsmedien und Horrorfilme -immer gemäß der Devise
"Crime sells"- genüsslich jede obskure Meldung über Organraub und Transplantationsmissbrauch verbreiten und als allgemeingültige Gefahr darstellen? Natürlich entwickeln viele Menschen Ängste, sie könnten wegen ihrer begehrten Organe nicht optimal behandelt und statt dessen dem Tod anheim gegeben werden.
Auch Berichte, die an der Zuverlässigkeit der "Hirntod"-Feststellung zweifeln, haben Besorgnis bei den Spendungswilligen ausgelöst. Und nicht zuletzt bleibt die Frage, ob man trotz "Hirntod" bei der Entnahme der Organe nichts mehr spürt.

Wenn dann der potentielle Spender keine eindeutige Willenserklärung verfasst und seinen verunsicherten und trauernden Angehörigen die Entscheidung überlässt, wundert es wohl kaum, dass die Anzahl der Transplantationen in Deutschland stetig zurückgeht.

Galgenhumorist

unregistriert

5

Samstag, 22. September 2018, 13:11

Selbst wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt ...


.


Karikaturen: Harm Bengen

6

Dienstag, 2. April 2019, 13:45

Die "Widerspruchslösung" steht erneut auf der Agenda, diesmal sogar als "doppelte Widerspruchslösung".
.
(ERL)
.
Herr Lindner von der FDP hat schon widersprochen, er sieht einen "Einschnitt in die freie Selbstbestimmung der Menschen". Auch bei den Grünen hegt man "große verfassungsrechtliche Bedenken" und möchte die Entscheidung pro oder contra persönlicher Organspende gern an den Antrag auf einen neuen Personalausweis knüpfen. Häh?
Das soll die Spendenbereitschaft beflügeln? ?(

Heinz K

Dissident

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7

Dienstag, 2. April 2019, 13:50

Ich verstehe die Logik hinter dieser Argumentation nicht. Wenn man doch tot ist, ist man sowieso kein Mensch mehr, noch hätte man die Freiheit egal welche Entscheidung auch immer zu treffen. Was interessiert dann noch so sehr, was mit unseren ehemaligen Organen passiert? Macht Dünger draus und ernährt ein paar Blumen.

8

Dienstag, 2. April 2019, 17:44

Angeblich sind über 80% der Bürger für die Organspende, haben aber tausend Ausreden parat, warum sie keinen Spenderausweis in der Geldbörse mit sich führen.

Mein aktueller Ausweis ist aus dem Jahr 1999. Der erste musste ersetzt werden. Der war so zerfleddert, dass man nichts mehr lesen konnte.
Fraglich allerdings, ob ich mit meinen bald 63 Lenzen überhaupt noch brauchbare Ersatzteile liefern würde. Zumindest meine Leber ist noch in Ordnung. :D
Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

9

Donnerstag, 4. April 2019, 11:41

Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob mein sachlich-flapsiger Eingangstext dieses komplexe Thema angemessen darstellt.
Ja, wenn man selbst im Notfall ein fremdes Organ "erwartet", sollte man wohl auch einen Spenderausweis parat haben.
Es sind aber sicher keine "faulen" Ausreden, die das verhindern: Man muss sich sehr konkret mit dem eigenen Tod beschäftigen, um zu dieser Entscheidung zu kommen. Die Jungen fühlen sich davon weit weg ... und die Alten nah dran?

Mehr beschäftigt mich aber die Frage, ob der Staat oder die Gemeinschaft ein Recht auf den Körper der Bürger hat.

Bei jedem Cookie müssen wir -zum Glück- erst zustimmen, aber bei der postmortalen Organentnahme soll Schweigen als Zustimmung gelten?
Gibt es das an anderer Stelle auch noch: Du sagst nichts, also ja??







10

Donnerstag, 4. April 2019, 14:14

Ja, wenn man selbst im Notfall ein fremdes Organ "erwartet", sollte man wohl auch einen Spenderausweis parat haben.

Man soll also erst, wenn man akut erkrankt, einen Ausweis mit sich führen? Wozu? Für's bessere Gewissen?

Was interessiert es mich, der sich sowieso verbrennen lässt, ob man vor der Fahrt in den Ofen noch brauchbare Organe entnimmt, die anderen Menschen das Leben retten, oder wieder lebenswerter machen können?

Ich halte die Widerspruchslösung für die einzige Methode, ausreichend Spenderorgane zur Verfügung zu haben. Alles andere scheitert an der Bequemlichkeit der Menschen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

11

Donnerstag, 4. April 2019, 19:39

Man soll also erst, wenn man akut erkrankt, einen Ausweis mit sich führen? Wozu? Für's bessere Gewissen?
Nö, man soll sich eine Meinung bilden. Erwartet man im Notfall ein Spenderorgan, oder sagt man sich: Es ist meine Krankheit und ich werde daran sterben?

Ich weiß, dass die meisten EU-Staaten das Problem "gelöst" haben.

Trotzdem hadere ich aus grundsätzlichen Überlegungen mit der Widerspruchslösung.
Aus meiner Sicht sollte man die Menschen immer wieder auffordern, über das Thema nachzudenken. Ganz in Ruhe eine persönliche Entscheidung zu fällen, egal wie.





Heinz K

Dissident

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12

Freitag, 5. April 2019, 13:47

Man muss sich sehr konkret mit dem eigenen Tod beschäftigen, um zu dieser Entscheidung zu kommen. Die Jungen fühlen sich davon weit weg

Sollen sie mal das Hagakure lesen. Hab ich damals in meiner Pubertät auch gemacht. Meiner Meinung nach sollte so eine Literatur durchaus auch mal im Schulunterricht behandelt werden. Allerdings lehren wir in Europa nunmal das lebensbejahende Weltbild der Humanisten, und dort hat der Tod eben nicht soviel Platz.

Mehr beschäftigt mich aber die Frage, ob der Staat oder die Gemeinschaft ein Recht auf den Körper der Bürger hat.

Bei jedem Cookie müssen wir -zum Glück- erst zustimmen, aber bei der postmortalen Organentnahme soll Schweigen als Zustimmung gelten?


Wir reden hier über Leichen und nicht über funktionale Körper. Ein Leichnam ist im Grunde nichts weiter als Müll. Das wollen wir garnicht wieder haben. Wenn jemand unser Essen stiehlt, sind wir natürlich erbost. Sowas sollte der Staat nicht tuen. Wenn allerdings irgendein Obdachloser unsere Essensreste aus dem Müll puhlt stört uns das auch nicht mehr.

13

Samstag, 6. April 2019, 00:12

Ein Leichnam ist im Grunde nichts weiter als Müll.

Und mit dem machen Entsorgungsunternehmen ihre Geschäfte. Mich persönlich stört es überhaupt nicht, diesem Müll vor der endgültigen Vernichtung noch recycelbare Bestandteile zu entnehmen, die man der Wiederverwertung zuführen kann.

Was juckt es die Asche, ob sie mit oder ohne Herz, Niere, Leber, Hornhaut oder was auch immer in die Urne gekippt wird?

Glaubt tatsächlich jemand an die "unversehrte" Auferstehung der Toten?
Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

14

Sonntag, 7. April 2019, 13:53

Im Beitrag #4 hatte ich schon einmal versucht, die Bedenken gegen eine nicht ausdrücklich autorisierte, automatische Organspende darzustellen.
Es geht nämlich keineswegs um "Resteverwertung" und "Müll"-Recycling, sondern um die Organentnahme an einem Sterbenden, also einem noch(!) lebenden Menschen. :!:

Organe eines Toten sind für die Transplantationsmedizin unbrauchbar.
Wer diesen 'kleinen', entscheidenden Unterschied begriffen hat, wird möglicherweise die Kritik der Bedenkenträger besser begreifen und respektieren.

Zitat

06.04.19 13:05
Organspende
Autoritäre Entmündigung ist keine Lösung


  • vonBernd Hontschik
Dr. Hontschiks Diagnose zur Organspende: Unser Autor hält alle geplanten Gesetzesänderungen für beunruhigend und wirkungslos.

Als der Chirurg und spätere Nobelpreisträger Joseph Murray vor 65 Jahren in Boston die erste erfolgreiche Nierentransplantation durchführte, umging er das Problem der Abstoßung des fremden Organs, denn der Spender war der eineiige Zwillingsbruder des Empfängers. Enorme Fortschritte der Pharmakotherapie, der Immunsuppression und der Operationstechniken ermöglichen inzwischen die Transplantation nahezu aller Organe, sogar mehrerer Organe gleichzeitig. In Deutschland standen im vergangenen Jahr mehr als dreitausend Organe für eine Transplantation zur Verfügung, aber knapp zehntausend schwerkranke Menschen warten auf die Chance, mit einem transplantierten Organ weiterleben zu können.

Zur Zeit wird heftig darüber diskutiert, wie dieser Mangel behoben werden könnte. Die bisher in Deutschland geltende Zustimmungsregelung sei das Problem und für das Fehlen ausreichend vieler Organe verantwortlich. Im Deutschen Bundestag sind Gesetzentwürfe eingebracht worden. Dafür wurde sogar der Fraktionszwang aufgehoben. Nicht alle Tage sieht man Jens Spahn für die CDU und Karl Lauterbach für die SPD so einträchtig nebeneinander in der Bundespressekonferenz. Sie begründeten ihren gemeinsamen Gesetzentwurf, die sogenannte Widerspruchsregelung. Danach muss man einer Organentnahme nicht ausdrücklich zugestimmt haben, sondern man ist automatisch Organspender*in, es sei denn, man hat einen Widerspruch dagegen hinterlegt.

Die Widerspruchsregelung ermöglicht dem Staat einen massiven Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper. Die Grünen machen den etwas abgemilderten Vorschlag einer Art Registerlösung: Beim Aufsuchen des Einwohnermeldeamtes wegen des Personalausweises werden alle Bürger*innen regelmäßig nach ihrer Organspendebereitschaft gefragt, die Antwort wird in einem Register gespeichert. Das Recht, sich überhaupt nicht mit dieser ganzen Problematik zu befassen, gibt es bei beiden Vorschlägen nicht mehr.

Über die Organspende wird in den Krankenhäusern entschieden
Ich halte all die geplanten Gesetzesänderungen nicht nur für beunruhigend, sondern auch für wirkungslos. In den USA gilt eine Zustimmungsregelung wie hierzulande, die Anzahl der Organspender ist aber trotzdem fast so hoch wie in Spanien, Frankreich oder Österreich mit ihren Widerspruchsregelungen. Umgekehrt ist die Organspendebereitschaft in Schweden sogar niedriger als in Deutschland, obwohl dort eine modifizierte Widerspruchsregelung gilt. Es muss also noch ganz andere Gründe geben.

Über die Organspende wird in den Krankenhäusern entschieden, vor Ort, in der Situation. Es sind die Ärzt*innen der Intensivstationen, die den Hirntod weitermelden müssen. Was hält sie davon ab? Ich habe vor dreißig Jahren ein einziges Mal als Stationsarzt einer chirurgischen Intensivstation mit dem Einverständnis der Angehörigen einen potentiellen Organspender gemeldet. In kürzester Zeit landete ein Hubschrauber vor unserem Krankenhaus und ein Team von Ärzt*innen fiel über uns her, besetzte die Station und den OP und führte in Hochgeschwindigkeit die Organentnahme durch. Schon waren sie wieder weg. Sie hinterließen fassungslose Angehörige und entsetztes Krankenhauspersonal. Wir alle waren traumatisiert. Ich habe danach nie wieder eine solche Meldung gemacht. Inzwischen hat sich sehr viel geändert, das Grundproblem ist aber das gleiche geblieben. Die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung ist ausreichend. Es mangelt an der Organspendebereitschaft in den Krankenhäusern.

Organe eines Verstorbenen sind unbrauchbar für eine Transplantation
Was bei der Diskussion über die Organtransplantation auch immer wieder stört, ist die Ungenauigkeit, ja Unwahrheit bei der Frage des Todes. Die ARD-Tagesthemen vom 1. April eröffnete Caren Miosga mit dem Satz: „Seit sechs Jahrzehnten versteht es die Medizin schon, einzelne Organe zu übertragen von einem verstorbenen Menschen auf einen lebenden.“ Das ist völlig falsch. Organe eines Verstorbenen sind unbrauchbar für eine Transplantation. Spender*innen müssen noch am Leben sein, wenn auch am hirntoten Leben. Hirntote sind noch nicht verstorben, sondern in einem Schwebezustand, der es erlaubt, den Prozess des Sterbens mit Hilfe der Intensivmedizin eine Zeitlang aufzuhalten. Jüngst hat eine solche hirntote Patientin sogar ein Kind geboren.

Es könnte der Organspendebereitschaft zuträglich sein, wenn man im Angesicht des Sterbens bei der Wahrheit bleiben würde. Autoritäre Entmündigung ist keine Lösung. Schon gar nicht in einem Land mit der Geschichte Deutschlands.


Lesetipp:
Vera Kalitzkus: Dein Tod, mein Leben. Warum wir Organspenden richtig finden und trotzdem davor zurückschrecken. Suhrkamp Taschenbuch 2009; 8,50 Euro

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. www.medizinHuman.de
Lesen Sie auch: Bernd Hontschik im FR-Interview

(Frankfurter Rundschau)


Wer sich genauer informieren möchte, wird hier fündig:
"Widersprechen oder zustimmen? Was man zur Organspende wissen sollte"

Mein persönlicher Wunsch: bei diesem Thema auf lustige Scherzlein und die wurschtige Flapsigkeit eines wohlfeilen Gags zu verzichten.

15

Sonntag, 7. April 2019, 15:41

sondern um die Organentnahme an einem Sterbenden, also einem noch(!) lebenden Menschen

Lebend in sofern, als dass der Blutkreislauf künstlich aufrecht erhalten wird. Was nutzt mir das als Sterbendem, wenn der Zentralcomputer einen irreparablen Totalausfall hat?

Ohne diese CPU bekomme ich von meinem Zustand sowieso nichts mehr mit. Es kann mir noch nicht einmal egal sein, weil ich für diese Erkenntnis bewusst denken können müsste.

Ich muss darauf vertrauen, dass man mir erst dann Organe entnimmt, wenn absolut sicher ist, dass mein Genhirn zu 100% und unwiederbringlich auf OFF steht. Und dieses Vertrauen habe ich.
Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

Heinz K

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16

Dienstag, 9. April 2019, 11:55

Eben. Mein Bewusstsein findet in meinem Gehirn statt. Selbst wenn mein Bewusstsein nur eine Illusion sein sollte, so wird diese Illusion trotzdem immer noch von meinem Gehirn gerendert. In ferner Zukunft werden unsere neuralen Netze vielleicht aus unseren Gehirnen extrahiert werden können, aber beim derzeitigen Stand der Technik bin ich tot, sobald mein Gehirn tot ist. Und nur das. Ob mein Körper weiterlebt ist irrelevant. Das kriege ich nicht mehr mit. Ich bin nicht mein Körper.

Einige Aussagen in dem Artikel finde ich überdies befremdlich:

Zitat

Ich habe vor dreißig Jahren ein einziges Mal als Stationsarzt einer chirurgischen Intensivstation mit dem Einverständnis der Angehörigen einen potentiellen Organspender gemeldet. In kürzester Zeit landete ein Hubschrauber vor unserem Krankenhaus und ein Team von Ärzt*innen fiel über uns her, besetzte die Station und den OP und führte in Hochgeschwindigkeit die Organentnahme durch. Schon waren sie wieder weg. Sie hinterließen fassungslose Angehörige und entsetztes Krankenhauspersonal. Wir alle waren traumatisiert.

Wie kann ein Arzt von sowas traumatisiert sein? Wie hat er sich denn vorgestellt würde der Prozess ablaufen? Das die Organe von einer pinken Fee aus dem Körper gezaubert werden?

Diese Schilderung einer Traumatisierung ist entweder ein Märchen oder eine irrationale Überreaktion. Im letzteren Fall hätte er sich als Arzt allerdings besser erklären sollen, warum er so starke Gefühle über die Vorgänge entwickelt hat. Denn die reine Beschreibung der Vorgänge rechtfertigt kein Traumata.

Und dazu lässt er sich noch zu folgender Feststellung hinreissen:

Zitat

Die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung ist ausreichend. Es mangelt an der Organspendebereitschaft in den Krankenhäusern.

Ja Klasse! Und wer ist das in den Krankenhäusern schuld? Wenn er selber doch nach eigener Aussage nur einmal in 30 Jahren einen Organspender gemeldet hat, zumal er ja nach diesem achso traumatisierenden Erlebnis weitere Meldungen verweigert hat. Er ist doch höchstselbst der Grund, warum so wenige Organspenden getätigt werden können. Er selbst ist in dieser Hinsicht ein Problem.

Es geht nämlich keineswegs um "Resteverwertung" und "Müll"-Recycling, sondern um die Organentnahme an einem Sterbenden, also einem noch(!) lebenden Menschen.

Na gut, in dem Fall ist der hirntote Körper halt kein Müll, sondern Unkraut :)

17

Mittwoch, 10. April 2019, 18:49

Dass ein Arzt von der Vorgehensweise eines Transplantationsteams traumatisiert ist, kann ich sehr gut nachvollziehen. Plötzlich geht es nicht mehr um den Patienten, den er betreut hat, sondern nur noch um das Organ.

Die Zurückbleibenden werden gar nicht berücksichtigt.
Ich bin froh, dass ich meine Eltern bis zum letzten Atemzug begleiten konnte.

Möglicherweise bist du noch zu jung, um das nachvollziehen zu können. Vor einigen Jahren hätte ich das auch noch anders gesehen.


Heinz K

Dissident

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18

Freitag, 12. April 2019, 12:11

Ich habe schon genug mir liebe Mitmenschen verloren, ohne sie bis zum letzten Atemzug zu begleiten. Ich kriege das meistens per Telefon mitgeteilt, wenn mal wieder jemand tot umgefallen ist oder sich vor einen Zug schmiss. Ich vermisse trotzdem immer nur die Person und nicht den Körper. Außer ich hatte gerne Sex mit ihr. :P

Ja, vielleicht sollte man in solchen Fällen den Körper der verstorbenen Person ausstopfen und mit einer Wärmepumpe versehen. Andernfalls sollte man sich doch lieber von seinem Verstand leiten lassen und nicht von seinen Gefühlen. Es ist für jeden schade bis megaschlimm einen nahestehenden Menschen zu verlieren, aber man muss deswegen trotzdem nicht sich völlig seinen Gefühlen hingeben und deswegen anderen Menschen die Hilfe verweigern. Wenn ein guter Freund stirbt und seinen Körper einem gemeinnützigen Zweck zur Verfügung stellt, so fällt es mir viel leichter diesen Freund in Ehren zu halten, als wenn er seinen Körper verbrannt oder in eine Holzkiste hätte sperren lassen.

Bei dem Arzt kann ich überhaupt nichts nachvollziehen. Sein Patient war bereits verstorben, also war er doch gar nicht mehr sein Patient zum Zeitpunkt der Organentnahme. Er hätte als Arzt zu diesem Zeitpunkt lieber an all die Menschen denken sollen, denen man vielleicht durch die Organspende noch das Leben hat retten können.

Und wenn die Zurückbleibenden sich über so etwas beklagen, dann sind das für mich auch nur Egoisten. Ich habe jedenfalls meine Eltern vor vielen Jahren dazu überredet sich Organspendeausweise zu besorgen.

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