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Heinz K

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1

Freitag, 24. Juni 2016, 10:57

Raus! Raus! Die Briten sind raus!

Bei der EM sind zwar noch 4 britische Mannschaften dabei (wenn man Irland mitzählt), aber aus der Europäischen Union sind sie nun per Volksabstimmung ausgeschieden.

Das Pfund und der DAX sind abgestürzt.

Cameron ist schon zurückgetreten.

Was in den nächsten Wochen/Monaten/Jahren jetzt passieren wird, kann hier diskutiert werden :)

2

Freitag, 24. Juni 2016, 12:41

Das Pfund und der DAX sind abgestürzt. Cameron ist schon zurückgetreten.
Das Pfund, wie auch der Dax sind nach anfänglichem Absturz gerade dabei sich -wenn auch mäßig- zu erholen, und auf Camerons tatsächlichen Rücktritt muss man noch bis Oktober warten.

Interessant scheint mir der Blick auf das Wählerverhalten
Jung / Schottisch / Nordirisch => mehrheitlich für Verbleib
Alt / Englisch => pro Austritt


und auf die Möglichkeit eines 'Domino-Effekts':
In Schottland erstarken Stimmen für ein Loslösen von GroßBritannien, in Nordirland diejenigen für eine (Wieder-)Vereinigung mit der Republik Irland.
Geert Wilders plädiert leidenschaftlich für einen EU-Austritt der Niederlande, aus Frankreich tönt's ähnlich von Marine Le Pen. Von Storch weint vor Freude und Petry nebst AfD-Konsorten nutzen das Votum für ihre deutsch-nationalistische Suppe.

Was für viele Beobachter feststeht, ist die Folgerung, dass das überregulierende, Pfründe sichernde und auf eigene Vorteile bedachte Weiterwurschteln wie bisher nicht mehr möglich ist, ohne ein endgültiges Scheitern dieser Europäischen "Union" zu riskieren.

Hoffen wir auf Lernfähigkeit und Einsicht ...


Thomas Plaßmann (Frankfurter Rundschau)


3

Freitag, 24. Juni 2016, 19:01

In Fußball-verrückten Zeiten stellt sich natürlich auch die Frage, wie es für Ausländer zukünftig mit der Lizenz zum Spielen in britischen Klubs aussieht.
Die FAZ versucht einen Überblick.


Zitat

Können England, Wales, Nordirland und Schottland weiterhin an einer EM und Klubs aus den Ligen dieser Länder am Europapokal teilnehmen?
Ja. Über die Chance zur Teilnahme an diesen Wettbewerben entscheidet allein die Mitgliedschaft in der Europäischen Fußball-Union.

Welche Folgen hat der Brexit für die Premier League?
Spieler mit einem Pass eines EU-Mitglieds dürfen bislang ohne Einschränkung für einen Klub aus dem Vereinigten Königreich arbeiten. Dies wäre nach aktuellen Bestimmungen durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht mehr der Fall. Die Spieler würden dann wie Akteure aus einem Nicht-EU-Staat behandelt, diese müssen bereits jetzt strikte Kriterien einhalten. Diese Regeln wurden vom Innenministerium unter anderem auf Drängen des englischen Verbands FA zum Schutz einheimischer Spieler aufgestellt.

Welche Regeln sind das?
Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis richtet sich derzeit für Spieler aus einem Nicht-EU-Land nach der Weltranglistenposition seines Herkunftslandes und seinen Länderspielen. So muss ein Spieler aus einer Nation unter den Top 10 der Welt 30 Prozent der möglichen Länderspiele der vergangenen zwei Jahre bestritten haben. Von einem Profi aus einem Land der Plätze 11 bis 20 sind 45 Prozent aller Einsätze für sein Nationalteam gefordert – und so weiter.

Wie viele Spieler sind vom Brexit betroffen?
In der vergangenen Saison hätte rund eine dreistellige Zahl an Spielern aus EU-Ländern allein in der Premier League keine Arbeitserlaubnis erhalten – der „Telegraph“ kommt auf 95. Die BBC rechnet mit gut 100, in den obersten beiden Ligen Englands und Schottlands seien insgesamt 332 Spieler betroffen.

Fallen also auch die deutschen Legionäre unter diese Regel fallen?
Mesut Özil und auch Bastian Schweinsteiger nicht, weil sie die Quote an notwendigen Länderspielen erfüllen. Andere deutsche Profis wie Emre Can oder Robert Huth würden hingegen keine neue Arbeitserlaubnis mehr bekommen, weil sie die Quote nicht erfüllen (siehe Liste am Ende dieses Artikels).

Also muss sich die Premier League auf einen Schlag rund 100 neue Spieler suchen?
Dies ist nach Ansicht von Experten eher unwahrscheinlich. Das Innenministerium könnte beispielsweise die Bestimmungen für die Erteilung von Arbeitserlaubnissen wieder senken. „Die Premier League ist einer der größten Exporteure der Vereinigten Königreichs und generiert eine signifikante Summe“, sagte Sportökonom Babatunde Buraimo von der Universität Liverpool dem „Telegraph“. Rechtsexperte Gregory Ioannidis von der Sheffield Universität rechnet zwar mit keinen Problemen für die Klubs, sieht aber Schwierigkeiten, Fußballprofis anders als normale Arbeitnehmer zu behandeln. Wie neue Regularien nun nach dem Brexit aussehen könnten und welche Folgen diese hätten, ist ebenfalls noch völlig unklar.
Liste der vom 'Brexit' betroffenen Spieler. (Quelle: tora./dpa)



Aber nicht nur für Fußballer wird es schwieriger in Britannien zu arbeiten oder zu studieren. Umgekehrt ist's auch für britische Bürger auf dem europäischen Festland zukünftig nicht mehr so einfach.
Ein Beispiel: Verbilligte Studienreisen oder Studienplätze innerhalb Kontinental-Europas werden infolge des Ausscheidens aus dem
"Erasmus" EU-Stipendiaten-Programm den Briten nicht mehr zur Verfügung stehen. Studierende wissen/wussten diese Förderung sehr zu schätzen und werden sie sicher vermissen.


4

Freitag, 24. Juni 2016, 20:27



(gesehen auf Twitter)


5

Montag, 27. Juni 2016, 22:09

Innehalten? Nachdenken? Sondieren? Neugestalten? Nicht, wenn es nach Juncker und Schulz geht, befindet 'Spiegel'-Kommentator Ralf Neukirch .
Auch der "Rheinländer" an sich kriegt von ihm sein Fett weg. :rolleyes:

Zitat

Kommentar
Wenn man einen Rheinländer nach dem Weg fragt, dann wird man eine Antwort bekommen - und zwar völlig unabhängig davon, ob der Mann das Ziel überhaupt kennt. Lieber schickt er den Fragenden auf einen falschen Weg, als zuzugeben, dass er nichts weiß. Irgendwo kommt man schließlich immer an.

Martin Schulz ist durch und durch Rheinländer, und deshalb weiß er natürlich, was die EU nach dem Brexit braucht: mehr Europa, mehr Integration. Das ist Schulzens Standardantwort auf fast alle europapolitischen Fragen, sie passt auch jetzt.
Jean-Claude Juncker ist zwar laut Pass Luxemburger, darf aber allein schon wegen seiner Trinkfreudigkeit und Redseligkeit als Gemütsrheinländer gelten. Wie sein Freund Schulz kennt er in Europa nur eine Richtung - mehr Integration. Seine Schlussfolgerung aus dem britischen Referendum? Die Währungsunion müsse enger zusammenwachsen.

Dass man nach dem Votum der Briten einmal innehalten könnte, dass es zurzeit viel mehr Fragen als Antworten gibt, dass möglicherweise das klassische Modell der europäischen Integration in der Krise ist - all das kommt den beiden nicht in den Sinn. Sie bleiben sich, das muss man anerkennen, in dieser Frage treu. Die eigenen Gewissheiten infrage zu stellen, das haben sie schon bei früheren Rückschlägen abgelehnt.

Die EU braucht mehr Einfluss
Die Logik von Schulz und Juncker ist einfach und unwiderlegbar. Jeder Zweifel der Bürger am Integrationspfad aus den Fünfzigerjahren wird zum Beleg dafür, dass die EU mehr Einfluss braucht. Die Wahlbeteiligung für das Europäische Parlament geht zurück? Es hat nicht genug Macht. Der Euro wankt? Brüssel hat nicht genug Kompetenzen. Je größer die Zweifel, desto mehr Einfluss muss die EU bekommen. So einfach ist das.

Bei der letzten Europawahl haben sich Schulz und Juncker von ihren Parteifamilien als Spitzenkandidaten aufstellen lasen. Zumindest haben sie sich selbst so bezeichnet. Dass kein Brite Herrn Juncker und kein Rumäne Herrn Schulz so gesehen hat, hat die beiden nicht gestört. Die Spitzenkandidaturen wurden als Schritt hin zur einer echten europäischen Regierung verkauft, als Vorboten eines neuen europäischen Zeitalters.

Am Ende war es wie immer. Die Wahlbeteiligung war so niedrig wie selten zuvor, das Selbstvertrauen Junckers und Schulz' aber nicht im Mindesten erschüttert. Sie teilten sich einfach die Macht im europäischen Geiste: Juncker wurde Kommissionschef, Schulz durfte, zumindest fürs Erste, Parlamentspräsident bleiben.

Wer nicht hören will, muss fühlen
So gesehen ist natürlich auch der Brexit ein Beleg dafür, dass die europäische Integration noch nicht tief genug ist. Man muss den Briten gegenüber, die dafür mitverantwortlich sind, jetzt besonders harsch auftreten. Wer nicht hören will, muss fühlen.

Außerdem hat der Brexit aus Sicht von Juncker und Schulz auch sein Gutes: Der größte Gegner der europäischen Integration ist bald draußen. Mit den Osteuropäern und den Skandinaviern und ihren komischen Ideen wird man nun leichter fertig. Und wenn nicht, dann sollen sie halt gehen.

Es gibt aus Sicht der beiden jedenfalls keinen Grund zu Selbstzweifeln. Es kommt ihnen nicht in den Sinn, dass sie den Europahassern in vielen Ländern mit ihrem unkonditionierten "Weiter so" Munition liefern.

Dabei gäbe es eine vernünftige Konsequenz, die Juncker und Schulz aus dem Brexit sehr schnell ziehen könnten: Ein Europa ohne die Briten wird schwächer und fragiler, man will sich das eigentlich nicht vorstellen. Mit einem Europa ohne Juncker und Schulz sieht das ganz anders aus.


Da war doch was: Viele Millionen Pfund fürs Nationale Gesundheitssystem - Grenzen dicht - Austritt aus der EU ...
Doch das große Zurechtrücken seitens
der Brexit-Politiker hat schon begonnen, und die Karikaturisten legen sich ins Zeug.



('The Times' / starecat.com)

Heinz K

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6

Dienstag, 28. Juni 2016, 11:51

Interessant scheint mir der Blick auf das Wählerverhalten
Jung / Schottisch / Nordirisch => mehrheitlich für Verbleib

Das "Jung" kannst du streichen. Das war eine Propaganda-Ente der Lügenpresse. In Wahrheit sind gerade mal 35% der 18-25 jährigen zur Wahl gegangen.

http://www.welt.de/politik/ausland/artic…ger-Briten.html

Also ist es den jungen Briten mehrheitlich egal, ob sie in der EU bleiben, oder nicht.

Was für viele Beobachter feststeht, ist die Folgerung, dass das überregulierende, Pfründe sichernde und auf eigene Vorteile bedachte Weiterwurschteln wie bisher nicht mehr möglich ist, ohne ein endgültiges Scheitern dieser Europäischen "Union" zu riskieren.

Hoffen wir auf Lernfähigkeit und Einsicht ...

Darauf hoffe ich auch. Bisher flüchtet man sich aber nur in den üblichen Phrasen.

Ich frage mich wie man nach jahrelangen politischen Rückschlägen immer nur "reflexartig" von einem sozialeren Europa sprechen kann, ohne dafür mittlerweile auch mal konkrete Pläne zu haben.

Zitat von »Ralf Neukirch«

Wenn man einen Rheinländer nach dem Weg fragt, dann wird man eine Antwort bekommen - und zwar völlig unabhängig davon, ob der Mann das Ziel überhaupt kennt. Lieber schickt er den Fragenden auf einen falschen Weg, als zuzugeben, dass er nichts weiß. Irgendwo kommt man schließlich immer an.

Martin Schulz ist durch und durch Rheinländer

Ab da hab ich schon aufgehört zu lesen. Den einzigen Rheinländer, den Ralf Neukirch wohl kennt, ist Martin Schulz.

Ich gebe jedenfalls immer direkt zu, wenn ich den Weg nicht kenne.

Da lügt sich ein Lügenjournalist etwas aus dem Ärmel um sein verlogenes Weltbild zu erklären.

7

Mittwoch, 29. Juni 2016, 09:55

Die jungen Briten, vor allem in England, haben den Brexit vermutlich für so unwahrscheinlich gehalten, dass sie sich den Gang zur Wahlurne erspart haben? So ging es vielen Nichtwählern, man hat sich an den Buchmachern orientiert - falsch, ganz falsch ...
Sofern sich die Jungen aber aufgerafft haben, stimmten sie mehrheitlich gegen den Austritt.

A propos "Lügenpresse"
Es muss ja nicht gleich "gelogen" werden, um Stuss zu verbreiten. Manchmal reicht schon allzu eilfertiges Geblubber - Hauptsache, man hat schnellschnell irgendwas gesagt/geschrieben.
Beispiele gibt's hier:

Zitat

27. Juni 2016 um 14:24 Uhr | Verantwortlich: Jens Berger
Best of Brexit-Blödsinn – wie das britische Referendum der schreibenden Zunft den Verstand klaut
Veröffentlicht in: Europäische Union, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medienkritik

Offenbar wurden auch die Medien vom Brexit-Votum der Briten überrascht. Anders ist es eigentlich kaum zu erklären, dass in den Tagen nach dem Referendum ausschließlich qualitativ minderwertige Artikel zum Thema publiziert wurden, die dafür jedoch emotional hoch aufgeladen waren. Gerade so, als hätten die Briten nicht für einen EU-Austritt gestimmt, sondern seien stattdessen mit den Ehepartnern unserer lieben Qualitätsjournalisten durchgebrannt. Und wo die Emotionen schäumen, schleichen sich schon mal Fehler ein. Das ist natürlich eine Untertreibung. Die Zahl der groben Fehler bei der Brexit-Berichterstattung ist endlos lang und es ist unmöglich, sie hier lückenlos aufzuzählen. Dafür haben wir aber für Sie ein kleines Best-of-Brexit-Blödsinn zusammengestellt. Von Jens Berger.

weiterlesen
(aus: NachDenkSeiten)


PS
Hätteste mal die Hürde der "Rheinländer"-Äußerung des Herrn Neukirch genommen, wäre dir der Rest des Artikels vielleicht gar nicht so doof erschienen?
Die Gefahr des höflich in die Irre geschickt Werdens kenne ich weniger aus Köln, als aus anderen Gegenden. Griechenland und Irland, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Meist wurden noch weitere Passanten zu Rate gezogen und ein lebhafter Meinungsaustausch begann. Spätestens dann weiß man, dass man nix Genaues erfahren wird. :D

8

Mittwoch, 29. Juni 2016, 11:45

Danke für den Beitrag.

Wenn der Hype kommt, schalte ich lieber ab. Zu viel Geblubber
:thumbdown:

P. S. In die Irre wurde ich noch nicht geschickt, aber "just around the corner" sind in Irland mindestens zehn Meilen
:D

Heinz K

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9

Mittwoch, 29. Juni 2016, 11:48

Wenn ein Artikel schon extrem dumm anfängt, kann ich mich auf die Korrektheit des restlichen Inhalts wohl kaum verlassen. Wenn die Redaktionen wollen, daß ich ihre Artikel lese, können sie ja qualifiziertere Journalisten einstellen.

Der Ton der Lügenpresse ist sowieso wieder an Heuchelei nicht zu überbieten. Seit Jahren beschimpfen Journalisten alle möglichen Menschen, die nicht ihre Meinung vertreten.

Als dann die Labour-Politikerin Jo Cox getötet wurde, waren diese Schwachköpfe plötzlich am rumheulen, daß das politische Klima vergiftet sei und man weniger Hass schüren sollte. Vermutlich gingen diese Trottel zu dem Zeitpunkt davon aus, daß der Brexit abgewendet werden würde. Als es dann anders kam fing die Lügenpresse wieder das Beschimpfen an: Die Brexit-Wähler sind alt, dumm und fallen auf Lügen rein. EU-hörigen Schafen passiert das natürlich nie. Die sind alle hochbegabt und kennen nur die Wahrheit ^^

Wenn die Medien also weniger Hass in den politischen Debatten wollen, sollten sie erstmal selber weniger Hass schüren. Aber wer weiß, ob Journalisten intelligent genug sind um das zu begreifen.

10

Mittwoch, 29. Juni 2016, 13:09

Ooch, auch "wenn der Hype kommt" gibt es Lohnendes und Nachdenkenswertes zu erfahren und zu debattieren.
Gerade d
ieser Beitrag von Navid Kermani bringt für mich die eingangs geäußerten Bedenken und Hoffnungen auf den Punkt, weshalb ich ihn -statt des Links- in voller Länge hierher kopiere.


Zitat

Europa nach dem Brexit
Auf Kosten unserer Kinder
Seit dem Brexit-Votum der Briten beschleicht mich eine Furcht: Das historische Geschenk der europäischen Einigung wird verspielt. Was ist nun zu tun? Ein Gastbeitrag.
29.06.2016, von Navid Kermani

© dpa / Navid Kermani

Wer nach dem Krieg in Westdeutschland geboren wurde, hat immer mit Europa gelebt. Er kennt es nicht anders, als dass an den Institutionen, die dem Projekt der Aufklärung eine politische Gestalt gegeben haben, herumgemäkelt wurde, an der Montanunion, der Wirtschaftsgemeinschaft, dem Gerichtshof für Menschenrechte, dem Europäischen Parlament, der Brüsseler Bürokratie. Aber Europa war doch stets eine Wirklichkeit; es war nicht nur da, es verstetigte und erweiterte sich auch kontinuierlich. Ja, selbst das Ach! über Europa gehörte zu dieser Kontinuität.

Noch vor einem Jahr, während der Schulden- und vor der Flüchtlingskrise, war es allenfalls ein Phantasma irgendwie unappetitlicher Parteien, dass Europa scheitern könnte - Europa hier nicht im geographischen Sinne gemeint, die schiere physische Fortdauer schien durch die atomare Bedrohung durchaus nicht jederzeit und überall gesichert, sondern Europa als Willensgemeinschaft und politische Union, Europa mit seinen unantastbaren Grundrechten, offenen Grenzen, überstaatlichen Institutionen, dem gemeinsamen Markt und, am wichtigsten, mit einer Gerichtsbarkeit, die über dem nationalen Recht steht. Aber seit dem vergangenen Freitag beschleicht wohl nicht nur mich die Furcht, dass unsere Generation der heute Vierzig-, Fünfzig-, Sechzigjährigen das große, ja historisch kaum glaubliche Geschenk der europäischen Einigung verspielt und unseren Kindern einen Kontinent hinterlässt, auf dem der Nationalismus fröhliche Urständ feiert.

Natürlich beruhigen Europas Politiker und machen Mut, das ist schließlich ihre Pflicht. Aber auch sie werden die tiefgreifende Legitimationskrise nicht ignorieren können, in die Europa durch das britische Votum geraten ist.
Denn nun herrscht nicht mehr nur der vage Eindruck, nun hat jedenfalls ein europäisches Land bewiesen, dass die Mehrheit der Wähler Europa in der bestehenden Form ablehnt. Natürlich, anderen Nationen steht Europa traditionell näher; aber kann man sicher sein, dass ein Referendum in Frankreich, in Deutschland, in Italien nicht zum selben Ergebnis führen würde? Und solange man die Menschen nicht fragt, wird das stärkste - und womöglich sogar richtige Argument - der Europagegner die fehlende demokratische Legitimation der Europäischen Union sein. Tatsächlich hat sie an den Wahlurnen fast immer verloren, ob nun bei den Referenden zur Verfassung, den Volksabstimmungen zur EU-Zugehörigkeit in der Schweiz oder zuletzt in den Niederlanden zum Assoziierungsabkommen mit der Ukraine.

Vorausschauende Politiker brauchen keine Volksabstimmungen

Vorausschauende Politiker können Umfragewerte durchaus ignorieren - weder das Grundgesetz noch die Römischen Verträge oder der Kniefall von Warschau wären seinerzeit in Volksabstimmungen gebilligt worden. Speziell die Bundesrepublik Deutschland verdankt Staatsmännern wie Theodor Heuss, Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl, die sich über den Zeitgeist hinweggesetzt haben, ihre heutige demokratische Verfasstheit, wirtschaftliche Blüte und politische Einheit. Aber wenn ihre Visionen nicht nachholend, in der pragmatischen, klugen Anwendung die mehrheitliche Zustimmung gewonnen hätten, wären weder die Westbindung noch die europäische Aussöhnung von Dauer gewesen.

Mit Europa ist das nicht gelungen, seit es mit der politischen Union Ernst machte. Fragt man nach den Gründen, muss man an den Anfang dieses Übergangs zurückgehen: das Scheitern der Verfassung, für die nicht geworben, für die nicht gekämpft, die nicht erklärt worden war und deren Ablehnung viele europäischen Regierungschefs so unbeteiligt hinnahmen, dass man den Eindruck gewann, sie seien über den Ausgang der Referenden nicht einmal traurig - eine funktionsfähige Union hätte ihnen schließlic das Vetorecht genommen.


© dpa
Indem die Verfassung zu einem bloßen Vertrag umgeschrieben und die wesentlichen politischen Teile aufgegeben wurden, richtete sich die Europäische Union in Strukturen ein, die ihrer Größe und Vielfalt nicht entsprechen. Anders gesagt: Weder ging der ökonomische mit dem politischen Einigungsprozess einher, noch die Erweiterung der Union mit ihrer Vertiefung. Die Spitzenposten der Europäischen Union wurden zunächst sogar bewusst mit Politikern der zweiten und dritten Reihe besetzt - Lady Ashton etc. -, damit sie den nationalen Führern nicht hineinreden. Bis heute sind die wichtigen Entscheidungen dem Europäischen Rat vorbehalten, dessen Mitglieder für den gesamten Kontinent Politik machen, aber nur ihre nationalen Wahlen gewinnen wollen.

Europa ist mehr als Ökonomie
So wie es in den Lissabonner Verträgen organisiert ist, konnte und kann die EU nicht zu einer konsistenten Außenpolitik gelangen, nicht zu einer schlüssigen Sicherheitsarchitektur oder einem Markt nicht nur mit gemeinsamen Kunden, sondern auch mit gemeinsamen Regeln und sozialen Standards, einer plausiblen Agrarpolitik und sachgerechten Subventionen. Stattdessen wurden und werden die Krisen, die der Schwächung Europas geschuldet sind, zum Argument genommen oder sogar bewusst befördert, um Europa weiter zu schwächen - ein Teufelskreis, in den die EU während der Flüchtlingskrise nicht zum ersten Mal geraten ist. Auch Deutschland wurde eine solidarische Flüchtlingspolitik schließlich erst dann zum Anliegen, als es selbst die Lasten zu tragen hatte.

Und weil ein Kreis von achtundzwanzig Regierungschefs zwar allgemeine Petitionen abnicken kann, aber mit dem Einstimmigkeitsprinzip nicht ernsthaft handlungsfähig ist, wurden und werden die wesentlichen Entscheidungen über das Schicksal von mehr als fünfhundert Millionen nicht einmal in den vorgesehenen, geschweige denn gewählten Institutionen getroffen, sondern fast immer in bilateralen Vorgesprächen weniger Regierungschefs. Über den Mangel an Vertrauen darf man sich deshalb kaum wundern, und Deutschland wird seine Vormacht nicht deshalb vorgeworfen, weil es so unbeliebt wäre - im Gegenteil! -, sondern weil etwa die Griechen während der Schuldenkrise tatsächlich den Eindruck gewinnen mussten, dass ihre Geschicke von einer Regierung bestimmt werden, die in Deutschland gewählt worden war - kein Wunder, dass es links wie rechts des politischen Spektrums zu nationalistischen Ausschlägen kam.


© AP
Wenn dann auch noch, wie in der Kampagne David Camerons, als praktisch einziges Argument für Europa der wirtschaftliche Nutzen angeführt wird, halten viele Menschen dagegen, dass sie diesen Nutzen nun einfach nicht in ihrem Alltag bemerken - vielleicht noch in London oder Frankfurt, aber kaum in den Midlands oder in Mecklenburg-Vorpommern und erst recht nicht im Süden Europas, wo die Jugendarbeitslosigkeit oft über fünfzig Prozent liegt. Es hilft dann auch nicht, dem entlassenen Industriearbeiter oder dem Rentner vorzurechnen, wie viel ärmer er ohne die EU dran wäre. Der entlassene Industriearbeiter oder der Rentner glaubt dann lieber dem Heilsversprechen von der Rückkehr zur Nation. Entsprechend wurde das Votum in Großbritannien als Entscheidung zwischen Herz und Verstand apostrophiert - und Europa dem Verstand zugeordnet, damit dem Denken in Nützlichkeitskategorien. Aber wer Europa auf den ökonomischen Vorteil reduziert, steht mit leeren Händen da, wenn die Bilanz nicht mehr stimmt.

Als die Großeltern keinen Deutschen im Haus haben wollten
Auf den Weg gebracht und ausgearbeitet war der Verfassungstext von einer Generation, welche die Abgründe des Nationalismus physisch durchlitten hatte oder mindestens, wie die Achtundsechziger, mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg politisch sozialisiert worden war. Hingegen ausgeführt, öffentlich kommentiert und durch Desinteresse zum Scheitern gebracht wurde der Verfassungsprozess von meiner Generation, die die Notwendigkeit Europas nicht mehr biographisch erfahren hat: Sie weiß die Vorzüge Brüssels größtenteils zu schätzen, sieht die Vorteile eines gemeinsamen Vorgehens in der globalisierten Welt, aber hat zu Europa ein instrumentelles Verhältnis.
Auch während der Finanzkrise argumentierten Europas Politiker rein utilitaristisch, wie es einprägsam die Formel der Bundeskanzlerin ausdrückte: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ Aber ist der Euro wirklich das Fundament, auf dem Europa steht? Es mag sein, dass Aktien und Exporte einbrächen ohne die gemeinsame Währung. Aber glauben wir deshalb an Europa, weil uns der wirtschaftliche Nutzen überzeugt? War da nicht mehr? So etwas wie Freiheit, Emanzipation und Teilhabe aller Menschen am Gemeinwesen gleich welchen Geschlechts, welcher Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung?

Als Schriftsteller bin ich regelmäßig zu Gast in Schulen, und ich spreche dann fast immer auch über Europa. Ich sage nicht, dass Europa den Schülern eine Lehrstelle oder einen coolen Job besorgt. Ich weise nicht darauf hin, wie angenehm es ist, ohne Pass zu reisen oder kein Geld wechseln zu müssen. Auf die handfesten Vorteile Europas kommen die Schüler alle von selbst, ohne sich von Europa zu viel zu versprechen, also die Lehrstelle oder den coolen Job. Ich rede auch nicht vom Frieden. Das wissen alle, dass Europa dem Kontinent Frieden beschert hat - aber niemand würde mir glauben, wenn ich wie der panisch gewordene britische Premier drohte, dass ohne Europa wieder Krieg herrschte. Ich erzähle nicht, wie es früher war, noch zu meiner Schulzeit, als meine Klassenkameraden beim Austausch mit der Partnerschule in Lothringen Schwierigkeiten hatten, eine französische Gastfamilie zu finden, weil die Großeltern keinen Deutschen im Haus haben wollten, während ich als Einwandererkind überall gern aufgenommen wurde. Dass sie in Frankreich ungern gesehen werden, erschiene jungen Deutschen von heute doch sehr theoretisch.

Ein endlich europäisches Deutschland
Nein, ich sage ihnen: Schaut euch um. Schaut, wo eure Eltern überall herkommen, wie verschieden ihr ausseht, was für unterschiedliche Namen ihr habt. Schaut in eure Nachbarschaft, schaut auf die Nationalmannschaft, schaut auf die Flüchtlinge (und wenn jemand empathisch ist gegenüber den Flüchtlingen, sind es heute die Schüler, das gibt mir jedes Mal selbst Kraft): Überlegt mal, was wäre, wenn Deutschland sich wieder als Volksgemeinschaft verstünde. Oder Frankreich. Oder England. Würde das eure Realität abbilden, die Gesellschaft, in der ihr aufgewachsen seid? Überlegt mal, was ein Europa der Vaterländer bedeuten würde, von dem die Rechtspopulisten immer reden: Wie viele von euch gehörten dann nicht mehr dazu? Und was ist mit den Schulen, in denen Deutschland für die wenigsten Kinder ein Vaterland ist? Glaubt ihr im Ernst, man könnte die alle aussperren oder sie zu Bürgern zweiter Klasse degradieren? Oder die würden von selbst gehen, und wohin auch?

Und ich merke dann jedes Mal, wie es in den Köpfen der Schüler tickt, wie sie sich umschauen, wie sie nachdenken, auch Fragen stellen oder Widerspruch anmelden, es präziser haben wollen. Es entsteht sofort ein Gespräch, zumal die kulturelle Vielfalt der heutigen westeuropäischen Gesellschaften nur der Anfang ist. Denn ich frage die Schüler auch, ob sie ernsthaft wollen, dass Homosexualität wieder diskriminiert würde und jemand ihnen vorschreibt, wen sie wann und wie zu lieben haben. Ob sie in der Schule ausschließlich deutsche Literatur lesen wollen, erklärt nur von Deutschen? Ob sie den Klimawandel für eine Erfindung halten, über die Einführung der Todesstrafe nachdächten oder die Gewaltenteilung abschaffen wollten?

Was hat das mit Europa zu tun?, fragen die Schüler dann zurück. Das hat sehr viel mit Europa zu tun, antworte ich: Schaut doch nur in die Programme der antieuropäischen Parteien, da geht es nicht nur um Islam und Ausländer, da geht es genau gegen die Gesellschaft, in der ihr aufwachst, gegen eure Lehrer, die liberal sind, gegen eure Bürgermeister, die sich für Flüchtlinge einsetzen, gegen den Klimaschutz, Minderheitenrechte, Gleichstellung und eure Lehrpläne, die deutsche Schuld nicht kleinreden, gegen euch, die ihr das heutige, ein endlich europäisches Deutschland seid.

Der Pragmatismus, der Europa handlungsunfähig gemacht hat
Sicher, die Rechtspopulisten führen auch das Wort Freiheit im Mund, sprechen von Selbstbestimmung, verlangen Plebiszite. Aber sie meinen nicht das, was die Aufklärung meinte: dass Freiheit immer die Freiheit des Andersdenkenden, Andersgläubigen, Andersaussehenden bedeutet und nicht etwa die Willkür der Mehrheit. Sie halten nicht die Würde eines jeden Menschen für unantastbar, sondern nur die von manchen. Die Würde deines Klassenkameraden offenbar nicht, wenn sie ihn wegen seiner Hautfarbe nicht in der Nachbarschaft haben wollen.


© AFP
Ich kann nicht behaupten, dass die Schüler nach meinem Besuch alle die Ode an die Freude singen. Eher ist es umgekehrt: Ich lerne von ihnen, dass man nicht den Krieg erlebt haben muss, um die Notwendigkeit Europas biographisch zu erleben. Die 75 Prozent der jungen Briten, die gegen den Brexit gestimmt haben und in Deutschland eher achtzig oder neunzig Prozent wären, sind eine Aufforderung an uns, die wir unseren Kindern Europa hinterlassen werden oder nicht. Wir sollten nicht mehr auf die hören, die auch jetzt wieder gegen erhabene Reden polemisieren, weil sie selbst nur so klein denken wie David Cameron.

Er wolle von „großen Visionen, Konventen und Verträge nichts mehr hören“, sagt der amtierende EU-Ratsvorsitzende Mark Rutte, der nur in Holland gewählt worden ist. Genau das haben wir nach der gescheiterten Verfassung und nach jeder weiteren Krisen gehört: noch weniger Europa, und um Gottes willen keine Visionen. Ebendieser Pragmatismus, der ausschließlich auf die eigene, nationale Wählerschaft schielt, hat Europa handlungsunfähig gemacht. Wer Europa noch weiter schwächen will, weil er Angst hat vor Europas Gegnern, betreibt deren Geschäft.

Was es jetzt braucht
„Den Wohlstand, die Sicherheit und den Frieden, den wir heute hier genießen, haben wir denen zu verdanken, die vor siebzig Jahren die gemeinsamen Interessen über die eigenen stellten und sich auf ihre Gemeinsamkeiten anstatt auf ihre Unterschiede beriefen“ - das sagt nicht der politisch wiederauferstandene Giscard D’Estaing, sondern das postet meine siebzehnjährige und wirklich nicht sooo politische Tochter plötzlich auf Facebook. Ich traute meinen Augen kaum, als sie mir am Wochenende ihren Text zeigte, der häufiger geteilt worden sei als je ein Eintrag von ihr. Und die Kommentare unter ihrem Post sowie unzählige andere Internetseiten junger Leute aus ganz Europa, auf die meine Tochter mich anschließend führte, waren ebenfalls so beseelt von der europäischen Idee, wie es kein Älterer mehr zu formulieren wagte.
„Das hier ist unsere Zukunft“, schrieb meine Tochter weiter, „denn wir, die jungen Europäer, sind es die morgen mit den Konsequenzen der Entscheidungen von heute leben müssen und die deshalb dafür kämpfen müssen das zu bewahren womit wir großgeworden sind.“ Ja, sagte ich, dann kämpft auch und nicht nur im Netz - und vergesst übrigens nicht die Kommas. Jedenfalls höre ich lieber auf die drei Viertel der jungen Briten als auf den Ratsvorsitzenden, der sich selbst nicht zu schade war, 2010 mit Rechtspopulisten zu paktieren, um an die Macht zu kommen.

Doch, Herr Rutte, was Europa jetzt braucht, ist nichts weniger als eine Neugründung, ein gründlich durchdachtes, sorgfältig ausgearbeitetes Gebäude statt eines dauerhaften Provisoriums. Es braucht eine Verfassung, durch die seine Entscheidungen demokratisch legitimiert und transparent sind, es braucht ein Parlament, das den Namen verdient und so eine europäische Öffentlichkeit schafft, es braucht auf Dauer auch gesamteuropäische Parteien oder mindestens Parteienverbünde, die bei europäischen Wahlen tatsächlich gemeinsam antreten. Statt 28 Kommissaren braucht es handlungsfähige Organe und statt Vetorechten klare Regeln für Vertragsverstöße. Es braucht eine Ökonomie, die nicht nur einen gemeinsamen Markt, sondern eine gemeinsame Politik hat, die Eingriffe in nationale Haushalte ermöglicht, aber auch gerechten Finanzausgleich und die Angleichung der Lebensverhältnisse vorsieht. Das wird speziell für Deutschland teuer, aber längst nicht so teuer wie die Schuldenpolitik.

Solange es Großbritannien noch gibt
Europa braucht eine klare Definition und auch strikte Begrenzung dessen, was es leisten soll und was besser in den Ländern, den Regionen, den Städten entschieden wird. Es muss sich nicht um alles kümmern, aber um das wenige muss es sich auch kümmern können. Es braucht ein Fundament, das für die nächste Generation tragfähig ist. Und dann lasst die Menschen abstimmen! Nicht jeder Brite, der für den Brexit gestimmt hat, ist ein Nationalist, und selbst diejenigen, die sich am Ende für den Verbleib in der EU entschieden, haben es oft mit der Faust in der Tasche getan, weil diesem Europa mit David Cameron der Opportunismus ins Gesicht geschrieben stand.
Hingegen eine demokratische, gerechte, effiziente und gerade nicht allmächtige Union würde allemal Mehrheiten gewinnen, nicht sofort und überall, aber sicher in den Gründungsstaaten und einer genügend großen Reihe anderer Länder - selbst in Polen, wo seit Monaten Hunderttausende mit Europafahnen auf die Straßen gehen, um für die Rettung ihrer Demokratie zu demonstrieren. Und die anderen Länder würden nach und nach wieder dazukommen, sobald sie erkennen, wie viel eine gemeinsame Politik bringt. Es war die Anbindung an das europäische Projekt, die die Demokratie in Deutschland erstmals gelingen ließ; es war der Druck aus Europa, der entscheidend zum Sturz der Diktaturen im Süden des Kontinents beigetragen hat, in Spanien, in Portugal, in Griechenland; es war die Aussicht, zu Europa zu gehören, die später die osteuropäischen Staaten und in jüngster Zeit die Länder des Balkans angestiftet hat, demokratische Reformen einzuleiten. Europa kann auch in Zukunft eine Verheißung sein.

Ja, es kostet Zeit, der Europäischen Union eine neue, stabilere Grundlage zu geben, es bräuchte Ruhe dafür. Anderseits weiß man in Straßburg, Luxemburg und Brüssel inzwischen sehr genau, wie ein funktionierendes Europa aussehen müsste, schließlich hat man unter den Konstruktionsfehlern des Lissabonner Vertrags dort lange genug gelitten. Und wenn man sich beeilt, Europa einen neuen Gesellschaftsvertrag vorzulegen, könnte vielleicht sogar Großbritannien mitentscheiden, solange es Großbritannien noch gibt.
Navid Kermani, geboren 1967, ist Schriftsteller und lebt in Köln. Im vergangenen Jahr erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Im September erscheint im Carl Hanser Verlag sein neuer Roman „Sozusagen Paris“.
Quelle: F.A.Z.

Heinz K

Dissident

  • »Heinz K« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 130

Wohnort: Kölle

Beruf: Multimilliardär, Philanthrop, UN-Botschafter, Menschenhändler

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11

Donnerstag, 30. Juni 2016, 11:32

An sich nicht verkehrt. Dennoch würde ich mir generell wünschen auf die Semantik zu achten und nicht die grundsätzliche Idee von Europa mit der EU gleichzusetzen. Wir können ein vereintes Europa mit einer reformierten EU schaffen. Wir können das aber auch ohne die EU schaffen.

12

Samstag, 2. Juli 2016, 09:00

"Brexit" Cartoons


(New York Times)


Morton Morland (The Times)

13

Sonntag, 3. Juli 2016, 11:38


Karikatur: Klaus Stuttmann (Tagesspiegel)


15

Freitag, 5. April 2019, 10:35

Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

agrippi

unregistriert

16

Mittwoch, 10. April 2019, 18:48

Oooch, für die Briten ist das EU-Brexit-Tauziehen nichts wirklich Neues und rechnet sich am Ende sogar noch. " I want my money back!"

Verlierer ist die zusehends machtlose, zerfaserte Rest-EU.
Brexit Verlängerung
von Erl

Heinz K

Dissident

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Beiträge: 4 130

Wohnort: Kölle

Beruf: Multimilliardär, Philanthrop, UN-Botschafter, Menschenhändler

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17

Freitag, 12. April 2019, 11:42

Ich weiß nicht, ob deine Einschätzung zutreffend ist. Aber die plötzliche Verlängerung der Austrittsfrist seitens der EU ist schon recht bezeichnend. Erst prahlt man damit auf einen harten Brexit vorbereitet zu sein und momentan lässt man sich von den Briten wieder auf der Nase rumtanzen. Das EU-Volk hätte gerne vor der Europawahl klare Tatsachen gesehen, damit die Briten eben nicht mehr für ein Parlament mitwählen können, welches eigentlich nur noch für ein paar Monate überhaupt Vertretung darstellen sollte, aber was interessiert unsere Oligarchen schon unsere Meinung dazu?

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