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Heinz K

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121

Dienstag, 9. Februar 2016, 14:42

@agrippinensis
Ich sagte ja bereits, Köln ist derzeit das Eichmaß europäischer Dekadenz. So konservative Fürze wie die FAZken wollen nur nicht wahrhaben, daß der Zerfall derzeit überall schon stattfindet. Sie erkennen ja nicht einmal, daß sie selbst Teil des Problems sind, reden aus ihrem Elfenbeinturm herab als ob jeder Deutsche jährlich in die Oper geht. Was verstehen diese Säcke schon?

Köln ist die Stadt der Apokalypse. Hier sind die Menschen am ehesten bereit zu begreifen, daß jeder Tag ihr Letzter sein könnte. Und was gibt es schöneres als lachend an einer Überdosis zu sterben, wenn der Tod ohnehin unvermeidlich ist?

Meiner Ansicht nach wird noch nicht genug gefeiert. Und jeder Untergang ist gleichzeitig eine Schöpfung. Es gibt keinen Unterschied zwischen Destruktion und Kreation. Gerade unsere Stadtgeschichte hat das schon viele male bewiesen.

122

Donnerstag, 11. Februar 2016, 13:34

Uns' Kölle :)

Feiern - jaaa!
Anpinkeln, -kotzen, zerstören - enäää!

Destruktion war lang genug, jetzt ist wieder 'Kreation' angesagt. :thumbsup:


Zitat

[.....]
Dass sich rund um den Dom eine Drogenszene etabliert hat, dass aggressive Bettler Touristen angehen und römisches Gestein als öffentliche Toilette missbraucht wird, ist längst bekannt. Die Rundschau hatte die Debatte vor gut einem Jahr selbst angestoßen. Passiert ist nach einer kurzen Phase der Erregung - nichts. Die Visitenkarte der Stadt verkommt zu einem Angstraum - sujet jit et nur en´Kölle.

Köln ist eine Stadt, die oft nur auf sich selbst blickt, aber dabei nicht so genau hinschaut. Das gilt auch für die Tage, in denen die Stadt das entfesselte Feierbiest gibt.
Ist es normal, dass Straßenzüge fünf Tage lang von Dreck, Glasscherben und Erbrochenem an der Hauswand dominiert werden? Gehört das zum Brauchtum?

Der Polizeipräsident hat nun deutlich den Finger in die Wunde gelegt. Er ist an Karneval zu Fuß durch Köln gegangen und hat Zustände entdeckt, die nüchtern nicht zu ertragen sind. Das Schlimme ist: dass gewisse Verwahrlosungen inzwischen als akzeptiert gelten. Weil es den Eindruck erweckt: Das geht in Köln so, das stört da keinen.

Welche Auswüchse will Köln sich zumuten?
Da, wo Regeln außer Kraft gesetzt werden, fühlen sich Menschen angezogen, die mit nichts einen Vertrag haben. Wo schon zwanzig Gläser in Scherben liegen, fliegt schnell noch eins oben drauf. Ändern lässt sich das schon.
Es wird höchste Zeit, dass die Stadt diskutiert, welche Auswüchse sich Köln zumuten will. Über die Aufgaben der Polizei geht das weit hinaus, es betrifft alle Akteure.
Klar ist auch: Nur mit Toleranz wird das nicht gehen. Grenzen müssen in einer Stadt gesetzt werden, und dann gilt es, Verbote konsequent durchsetzen.
(Kölnische Rundschau)

;)

Heinz K

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123

Freitag, 12. Februar 2016, 11:53

Man soll doch vor allem die inneren Werte lieben. Die Kritik der Rundschau klingt aber eher nach "Bitte trag doch mehr Makeup, Schatz".

Um die Verschandelung bewusster zu machen sollte man nicht so oberflächlich argumentieren :)

124

Dienstag, 19. April 2016, 21:33

Bankproblem op Kölsch

Wir haben lange nix mehr von den Kölner Ruhebänken gehört. Inzwischen sind sie aufgestellt worden.
Echt jetzt? Dort, wo die meisten Einkaufsbummler eine Ruhepause einlegen möchten, also auf der Schildergasse?
Enä, dat nu nit. :P
Köln wäre schließlich nicht Köln, wenn die Verwaltung einmal etwas zügig, logisch und preislich durchdacht zustande brächte.
Bitte schön: Kölner Bankenposse, dritter Teil:


;(

125

Samstag, 15. Oktober 2016, 11:00

Kölner Seifenblasen

Weil die Schlagzeilen zur Zeit nicht viel Erfreuliches bieten, weil der Oktober heute so gar nicht golden daherkommt, weil's einfach zu schön ist - hier endlich etwas zum Lachen, der letzte Streich unserer Kölner Stadtverwaltung, Abteilung Ordnungsamt:

In Köln tue sich ein veritabler
Umweltfrevel auf, eine Belastung, ein Ärgernis, vor allem aber seeehr gefährlich. So tönt es aus amtlichem Munde.
Belästigung, Rutschgefahr, Schmutz und Schande!
Dem gelte es, Einhalt zu gebieten!! Auf, auf mit Gebrüll und Knöllchenblock!!! Bußgelder her !!!! X(

Erschrocken zuckt der brave kölsche Bürger zusammen.
Streiken die Müllmännchen? Terroristen in der City? Kleckert Shell wieder mal Übles aus undichten Stellen ins Erdreich und schickt die giftige Soße in Richtung Stadt? Et Wasser vun Kölle ist zwar noch prima, aber in Gefahr?
Fragen über Fragen.

Leev Jeckinnen und Jecken, et es noch vill schlimmer!

In der Schildergasse, in der Hohe Straße, an der innerstädtischen Rheinpromenade, överall kann man sie sehen: Menschen, die mithilfe von Seifenwasser und Pusterohren oder Netzen große, bunt schillernde SEIFENBLASEN himmelwärts schicken.
Kinder laufen begeistert hinterher und versuchen die zarten Gebilde zu fangen, Erwachsene bleiben lächelnd stehen, Verliebte tanzen zwischen den fragilen Schönheiten ...
Und mittenmang die grimmigen Ordnungshüter aus der Stadtverwaltung. Dä!
Die Freude nimmt ein jähes Ende.
Seifenblasen-Jongleure packen ihre Utensilien zusammen, Kinder kehren mit enttäuschtem 'Oooch!' zu ihren Eltern zurück, den Erwachsenen vergeht das Lächeln, die Verliebten trösten sich mit einem Kuss.
Kölns Ordnungswächter beharren auf ihrer Entscheidung:
Umweltschäden, Sauerei an Schaufensterscheiben, Rutschgefahr, Oberschenkelhals ... na, ihr wisst schon.

Blöd nur, dass der Irrsinn sich rumspricht und prompt im Internet landet.
Politiker aller im Rat vertretenen Parteien nehmen Stellung. Je nach Temperament süffisant-ironisch bis zornig-genervt. Sogar die "Aktuelle Stunde" des WDR berichtete.
Nun hat sich Oberbürgermeisterin Reker zur Gefahrenlage geäußert und nimmt eine Armlänge Abstand zur Entscheidung der übereifrigen Ordnungshüter.
Streng nach dem Kölschen Grundgesetz, § 8 : "Wat soll dä Quatsch".
Natürlich dürften die Seifenblasenakrobaten weiterhin tätig sein. Keine Bußgelder. Alles gut.

Das muss gefeiert werden, dachte sich die Netzgemeinde.
Kölle Alaaf lädt ein und ruft für den morgigen Sonntag um 17.00 Uhr zum ersten Seifenblasen Flashmob am Kölner Dom auf.
Also schnappt euch eure Pänz, eigene oder befreundete, stopft ein Eimerchen Seifenlauge und viele Pusteröhrchen ins Gepäck und lasst am Dom die Seifenblasen tanzen!


ksta.de

Vielleicht tanzt der eine oder andere Ordnungshüter ja mit ... ;)

Heinz K

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126

Dienstag, 18. Oktober 2016, 16:32

Ich bin da am Sonntag zufällig reingeraten und hatte mich schon gefragt was das soll. Sogar Parteifahnen waren zu sehen. Nun bin ich schlauer. Danke :)

127

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 17:18

Bitte. :)

Damit diesmal nix dem Zufall überlassen bleibt, mache ich schon jetzt auf eine Veranstaltung am
29. Oktober 2016 in den Kölner Sartory-Sälen aufmerksam:




Kein Raum für Rassismus!

Benefizfestival
Refugees Welcome

Für den 29. Oktober 2016 hatte das „Compact“-Magazin, das sich mit seinen rassistischen, nationalistischen und demokratiefeindlichen Positionen zum Sprachrohr der rechtspopulistischen AfD und der PEGIDA-Bewegung entwickelt hat, eine Konferenz in Köln mit dem Titel „Für ein Europa der Vaterländer – Gegen Islamisierung und Fremdherrschaft!“ angekündigt. Nachdem wir den von Compact geheim gehaltenen Veranstaltungsort - die Sartory Säle – recherchiert hatten, informierten wir Herrn Sartory über den politischen Hintergrund. Daraufhin kündigte er den Vertrag mit Compact.

Darüber hinaus beschlossen wir gemeinsam, anstelle der Hetzveranstaltung ein buntes Benefiz-Kulturfestival an diesem Tag in den Sartory-Sälen zu organisieren. Dies wird nun am 29.10.2016 ab 18:30 Uhr (Einlass ab 17:30 Uhr) stattfinden. Die Einnahmen aus dem Einlass werden an sea-watch - ein ziviler Seenotrettungsdienst für Geflüchtete auf dem Mittelmeer - gespendet.

Programm:

Kabarett: Jürgen Becker, Wilfried Schmickler, Fatih Cevikkollu

Musik: Kasalla, Miljö, Hanak, Zeltinger, Klee, Filou, Querbeat, Buntes Herz, Geflüchtete un Kölsche“ (un Ex Hohn Janus Fröhlich). u.a.
Danach: Dj’s und Party im Foyer mit Hans Nieswandt u.a.

Der Eintrittspreis beträgt: 7,- EURzzgl. Vorverkaufsgebühr.
Der Soli-Preis beträgt: 10,- EUR zzgl. Vorverkaufsgebühr.

Ein Teil der Vorverkaufsgebühren wird von KölnTicket ebenfalls an sea-watch gespendet.
Es wird nur Stehplätze geben.
Ticketserhaltet ihr an allen Kartenvorverkaufsstelle von KölnTicket. Die Systemgebühren werden von KölnTicket ebenfalls gespendet.
Um Online ein Ticket zu kaufen einfach auf den Button klicken:

Veranstalter:
„Köln gegen Rechts – Antifaschistisches Aktionsbündnis“,“ Kein Veedel für Rassismus“ und „Köln stellt sich quer“, mit Unterstützung des Kölner Flüchtlingsrats, Kein Mensch ist illegal, Initiative „Keupstraße ist Überall“, Künstler*innen aus der AG Arsch Huh, von „Cologne act“ und popnrw.
:thumbsup:

128

Samstag, 3. Dezember 2016, 01:27

Gestern hab ich einer Nichtkölnerin einen Zeitungsartikel geschickt der den Begriff "Heimat" thematisiert, und dass die Kölner wenig Probleme damit haben (ohne ins Völkisch-Nationale abzudriften).
Ich hab beim Lesen oft geschmunzelt und mich wiedererkannt: Lange Köln-ferne Zeiten und die Sehnsucht nach kölschem Humor und darin verstanden-Werden. Anfälle von Heimweh und promptes Heulen beim Hören und Singen kölscher Leeder un Verzällcher.
"In unsrem Veedel" -hach ja - ging gar nicht ohne Taschentuch ...

Kennt ihr das auch? :)

Zitat

Heimat ist nicht einfach. In Köln schon.
Heimat ist für viele ein etwas angestaubter Begriff. Ein Begriff, mit dem man vielleicht gar nicht viel zu tun haben will. Kölner*innen haben da ein etwas entspannteres Verhältnis. Und das Beste: Jede*r darf Teil davon sein.

Rheinbrücken und Dom – oh, wat es dat schön! © Horst Galuschka/dpa

01. Dezember 2016
Je länger ich aus meiner Heimatstadt Köln fort bin, desto mehr frage ich mich, was dieses “Heimat” eigentlich ist. Und ob das überhaupt wichtig ist. Seit Jahren lebe ich in anderen Städten: London, München, jetzt Berlin. Aber je länger ich weg bin, desto mehr merke ich auch: Irgendwie ist es schon wichtig.

Niemand hat behauptet, dass Heimat einfach wäre.

Köln ist meine Heimat. Dass ich diesen Satz einmal so selbstverständlich aufschreibe, hätte ich noch als Jugendliche nie gedacht. “Heimat” hielt ich für etwas, das höchstens Leute über 60 interessiert und Leute über 60 waren mir sowieso grundsuspekt. Köln war zwar die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, aber eben unfreiwillig. Ich hielt diese “Heimat” für den miefig-piefigsten Ort der Welt und konnte das Abi schon allein deswegen nicht abwarten, weil ich dann endlich raus konnte. “Kölle, Du bes e Jeföhl?” Ja, und was für eins. Nix wie weg!

Wenn Heimat wichtig wird

Irgendwann aber, das geht den meisten so, wird Heimat trotzdem wichtig. Gerade wenn es einen, ob freiwillig oder unfreiwillig, hinausgewürfelt hat in die Welt. Wir leben weit weg von der Heimat, haben woanders ein Zuhause gefunden. Aber trotz aller neuer Orte und Menschen, Geschichten und Erlebnisse, schabt immer wieder die Sehnsucht in einem. Die Sehnsucht nach einem Ort, dessen Rhythmus wir kennen, dessen Humor. Sehnsucht nach den Menschen, die dort immer ein bisschen anders sind. Auch wenn uns oft genug die Worte fehlen, um zu beschreiben, wie anders genau. In Köln heißt es dann: “Et jitt kei Wood”. Es gibt kein Wort zu beschreiben, was man fühlt, wenn man an die Heimat denkt. Tja. Es hat wirklich niemand behauptet, dass Heimat einfach wäre.

Aber ich versuche es mal. Ich versuche es mal mit “Jeföhl”.

Fangen wir mit Heimweh an. Heimweh kommt immer dann, wenn wir Heimat brauchen. Wenn wir uns in der Stadt in der wir leben plötzlich fremd fühlen. Da taugt Heimat als Liebe in Gedanken. Ich habe mal in einer sehr schönen deutschen Stadt gewohnt und mich dort so fremd gefühlt, wie sonst selbst im Ausland nie. Als Kölnerin greift man dann zu masochistischen Maßnahmen. Man könnte auch sagen: Heimwehbekämpfung durch Overkill. Man schaut stundenlang youtube-Playlists alter Bläck-Föös-Konzerte an. Höhner, Cat Ballou, Kasalla. Das tut zwar erst weh, aber spätestens nach zwei Stunden weiß man: Hauptsache, der Dom steht noch. Dann halte ich es auch in (damals) München aus.
Heimat hilft in Gedanken, aber auch in Flaschen. Ich habe Freundinnen in Berlin, die freuen sich über “Lütje Lage” oder “Sport”. Keine Ahnung, was das sein soll, aber ich kann’s verstehen. Mich macht kaum etwas glücklicher, als ein Pintchen mit Flimm. Wenn ich in Köln bin, ist das nichts Besonderes. Überall anders, tanze ich innerlich Polka Polka, Polka, wenn mir jemand das klebrige Zeugs einschenkt.

Kölscher als kölsch

Überhaupt macht Heimat in der Ferne etwas mit einem. Etwas, das ich mal “Konvertiten-Effekt” nennen möchte: Man wird kölscher als kölsch. Bin ich in Köln, ist mir zum Beispiel der 11.11. sehr egal. In Berlin war das dieses Jahr ganz anders. Meine Freundin Anne war zu Besuch, wir besorgten Luftschlangen und Berliner (also “Pfannkuchen”. “Bestell’ du’s!” “Ich kann das nicht, ich sag’s dann bestimmt doch falsch”. Kurz: Wir mussten üben.) und schauten beglückt den WDR-Livestream vom Alter Markt (Ja, der heißt so). In diesem Moment habe ich auch Regionalfernsehen zum ersten Mal so richtig verstanden. Danke dafür.
Apropos Verständnisschwierigkeiten. Auch noch so ein Heimat-Ding. Denn es ist ja nicht nur die Sprache, die es zu verstehen gilt, es ist auch das Temperament, der Humor. Die ganz spezielle Art der (Un-)Freundlichkeit. Neulich sprach ich mit einem Kölner Taxifahrer über dieses Phänomen. Und er sagte nur: “Weißte, man kann ja Bratkartoffeln so oder so machen.” Eben. Das Rezept ist eigentlich immer das gleiche, aber wie man die Bratkartoffeln in die Pfanne wirft und wie man sie wendet, das macht dann doch einen Unterschied. Dieser Unterschied ist Heimat.

Heimat ist aber nicht nur Gefühl, Heimat ist auch Ideologie. Das muss man Menschen natürlich nicht erzählen, die ein eigenes Grundgesetz für sich beanspruchen, wie in Köln. In Köln heißt es: Alle zusammen. Alt und jung. Ärm un rich. Lalalalala. “Ich ben Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist, mir all, mir sin nur Minsche”. Schalalalala. “Mer sin eins.” Als Toleranzselbstversicherungsmantra. Gelebt wird es dann aber erst wahr. Aber das wissen wir ja, oder? Und dabei gilt hoffentlich immer auch: Et hätt noch immer jot jejange. Es ist immer noch gut gegangen. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es wohl noch nicht zu Ende. Darauf muss man sich auch erstmal einigen können. Wenn Heimat Utopie ist, brauchen wir vielleicht mehr davon.

Stadt met K
Heimat kann man sich nicht aussuchen. Manchmal macht man den Mund auf und sie purzelt einfach heraus. Kann man schön am Nationalkölner Lukas Podolski beobachten. Uns Poldi kann zwar aus Bergheim raus, aber Bergheim kann nicht aus Poldi raus. Geht uns Normalsterblichen ja nicht anders. Oder kannst Du “griechisch”, “technisch” oder “fertig” sofort und fehlerfrei hochdeutsch aussprechen? Man sucht es sich nicht aus, und wer aus Köln kommt, hat eine Sch-Schwäche: “Schweres L und S – C – H – Isch kumm us der Stadt mit K.”
Aber dafür macht Heimat stark. Heimat macht Hornhaut. Als Kölner*in braucht man die auch. Wie oft habe ich es schon gehört! „Köln ist so hässlich. Ihr mit eurem Scheiß-Karneval. Diese eitle Selbstbeweihräucherung. Ihr seid doch nur ein Karnevalsverein!“ Das Ding ist, lieber Rest der Republik, wir wissen das. Aber ihr wisst wohl nicht, was wir wissen: Es ist nicht so wichtig, ob Köln nun schön oder hässlich ist.

Denn es geht um etwas ganz anderes. Basti, der Sänger der Kölner Band “Kasalla”, hat mir das schön erklärt: “Wenn man sich mit Kölnern unterhält, merkt man schon sehr genau, dass die das nicht so ernst meinen. Auch der urigste Kölner weiß, dass seine Stadt nicht die schönste der Welt ist. Das ist dann eher so: Man pfeift im Wald, damit man keine Angst hat und man besingt Köln und tut damit so, als wäre es die schönste Stadt der Welt.”

Nochmal mit Gefühl
Nochmal zum Gefühl. Was Heimat ist, was Heimat sein kann, weiß ich, wenn die Musik angeht. Es gibt ein paar Takte, die können noch den*die toughste*n Kölner*in zum Sofort-Heulen bringen. Wir kennen das alle: “En unserm Veedel”, da wo nichts mehr ist wie früher, da weinen wir los. Weil wir nicht mehr haben, was wir gerne hätten. Weil Heimat auch immer in der Vergangenheit liegt.
Aber Heimat ist nicht immer nur vergangen, Heimat kann sich auch neu erfinden. Es gibt ein kölsches Lied, das zeigt mir das immer wieder. “Immer noch do”, Kasalla singen es. Es beschreibt einen Abend an dem man alte Freunde*innen trifft. Sich freut, sie wiederzusehen. Sich wundert, was alles hinter einem liegt. Was man alles schon erlebt hat. Was alles noch kommen mag. Aber: “Mer sin immer noch do.”
So schnell macht uns nichts kaputt, die Sonne geht immer wieder auf. Lasst uns darauf trinken. Auf das was ist, was kommt, auf das, was war. Wenn ich dieses Lied höre, quietscht mein Herz so zuverlässig, dass ich plötzlich weiß, was das vielleicht ist, Heimat. Benennen kann ich es trotzdem nicht wirklich. Ist es das, woher ich komme? Ist es das, wo ich sein will? Was ist Heimat, frage ich also Kasalla nochmal selbst. Und Flo sagt: “Heimat ist, wenn sich das ‘wohin man will’ und das ‘woher man kommt’ überschneidet.”
Niemand hat gesagt, dass Heimat einfach wäre.
(ze.tt)

129

Samstag, 3. Dezember 2016, 14:44

Der Text trifft ins Schwarze :thumbsup:

Angeblich gibt es über keine Stadt so viele Lieder wie über Köln. Vorstellen kann ich mir das.


“Heimat ist, wenn sich das ‘wohin man will’ und das ‘woher man kommt’ überschneidet.”

Der Satz gefällt mir gut.

130

Montag, 26. Dezember 2016, 12:15

Stadt met "K"

Zitat

Vor 115 Jahren
Coeln will viel lieber die Stadt mit „K“ sein

Die Postkarte aus dem Jahr 1910 trägt noch den ungeliebten Namen „Cöln“. Sie zeigt das alte Opernhaus am Rudolfplatz.

Köln -

Colonia, Cologne, Cöln: Die jetzige Schreibweise der „Stadt mit K“ ist noch relativ jung. Erst vor 97 Jahren wurde sie amtlich.
Noch am 29. November 1901 wies das Oberverwaltungsgericht eine Klage der Stadtverwaltung gegen den „Schreibweisen-Erlass“ der preußischen Regierung ab. Köln musste sich weiterhin das „C“ im Namen gefallen lassen.
In seiner mehr als 2000-jährigen Geschichte hatte Köln viele Namen: In römischer Zeit wird eine erste Siedlung gegründet – das Oppidum Ubiorum. 50 nach Christus wird die als „Colonia Claudia Ara Agrippinensum“ zur Stadt erhoben.

Dialekt verändert Aussprache

Weil der Name reichlich lang ist, nennen ihre Bewohner sie kurz und schmerzlos Colonia. Dieser Name hält sich bis ins Mittelalter.
Auf der Straße aber, wird zu jener Zeit kaum mehr Latein gesprochen, sondern ein germanischer Dialekt. Und der gesprochene Name Kölns hört sich eher an wie „Kölln“ oder „Köllen“.
Dennoch wird das „C“ in der Schreibform noch verwendet – Schreibweisen wie „Coellen“, Coelln“ und „Coelle“ sind wissenschaftlich belegt.

Glaubenskrieg über den Stadtnamen

Im Laufe seiner Geschichte geht es mit dem Namen immer wieder hin und her: Vor 1500 schreibt man die Stadt meist mit „K” danach mit „C“.
Das bleibt auch so während der Franzosenzeit. Zwischen 1801 bis 1814 wird aus Köln das französische „Cologne“.
Als die Franzosen wieder abziehen, bricht dann ein Glaubenskrieg über den Stadtnamen aus: Quo vadis Kölle? Willst du dich mit „K“ oder doch lieber mit „C“ schreiben?

Die Photocromedruck-Ansichtskarte zeigt Köln um 1900. Sie entstammt der frei zugänglichen „Library of Congress“ (USA).

Die meisten Kölner haben vom „welschen C“, das sie an die Besatzung durch die Franzosen erinnert, die Nase voll. Sie wollen zurück zur gemanisierten Schreibweise mit „K“.
Doch die neuen Landesherren, die Preußen, wollten das „C“ – vom lateinischen Colonia.
Jahrzehnte bleibt die K-Frage ungeklärt. Auf Anregung von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wird dann durch ein Reskript des Staatsministers Otto Theodor von Manteuffel am 8. September 1857 ein Erlass des Innenministers herbeigeführt. Und der schreibt für alle Staatsbehörden die Schreibweise „Cöln“ vor.

Bescheide wurden abgelehnt

Nun fegt ein Sturm der Entrüstung durch die Stadt. Die liberalen Zeitungen, allen voran die ,,Kölnische Zeitung“ aus dem Hause M. DuMont Schauberg, bleiben trotzig beim „K“ – genau wie die Stadtverwaltung.
Versuche das „K“ rechtlich doch noch durchzusetzen, scheitern aber am ablehnenden Bescheid des Regierungspräsidenten vom 30. Oktober 1900.
Also zieht der Stadtrat im Kampf ums „K“ vor das Oberverwaltungsgericht, klagt gegen den preußischen „Schreibweisen-Erlass“.

Kaiser Wilhelm II. behält das „C“

Aber die Verwaltung geht mit ihrer Klage baden: Der Name sei Sache des Landesherren“, heißt es in der Urteilsbegründung. Und kein geringerer als der preußische König und Deutsche Kaiser Wilhelm II. pocht weiterhin auf das von den Kölnern ungeliebte „C“.
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg dankt Kaiser Wilhelm II. ab und Preußen wankt.
Am 30. Januar 1919 führt die Stadtverwaltung wieder die „K“-Schreibweise ein, die dann durch Erlass der preußischen Staatsregierung vom 10. April 1919 für allgemein verbindlich erklärt wird.
Und Köln mit „K“ wird wieder die bis heute gültige und amtliche Schreibweise.
Quelle: express.de

131

Dienstag, 27. Dezember 2016, 10:22


Kasalla -
Stadt met K

Hallo, Morje, jode Daach
Woröm luurt ihr mich esu aan
Vielleich hann ich se ni mieh all
doch wo ich häkumm es dat normal
Ich ben e besje sonderbar
e janz besonder Exemplar
Doch ich ben einer vun einer Million
E Kind vum Rhing un e Sohn vum Dom
Un fröch mich einer "Wo küss Du dann her?"
Dann saach ich ich kumm
us däm Dorf öm dä Dom röm
Wie schwaads dann Du,
sach wo küss Du dann her?"
Schweres ELL und ES CEH HA
Ich kumm us dä Stadt met K
Schalalalala... Schalalala...
Ich kumm us dä Stadt met K
Ming Mamm es die Stadt met K
Sie is laut, drink vill un schwaad
Off zo schnell äwwer immer jraaduss
Sie is kein Modell äwwer süht jot us
Hey Mamm, mier sinn schwer in Love
Ding Kapell, dinge Fluss, ding Sproch
Karneval et janze Johr
Rock n Roll un Uff Tata
Un fröch mich einer "Wo küss Du dann her?"
Dann saach ich ich kumm
us däm Dorf öm dä Dom röm
Wie schwaads Du dann,
sach wo küss Du dann her?"
Ich kumm niet Us Amerika –
ich kumm us der Stadt met K...
Ich kumm us dä Stadt met K ...
Un Drissejal watt Du he verlore häss
off De zojetrocke oder he jebore bess
Du bes einer vun einer Million
E Kind vum Rhing un e Sohn vum Dom
Weil uns Mamm einfach jeder adopteet
Der he opwääs oder he si Hätz verleet
Du bes Willkumme in de Städt met K
Hätzlich Willkumme in dä Stadt met K


132

Dienstag, 27. Dezember 2016, 11:28

Un Drissejal watt Du he verlore häss
off De zojetrocke oder he jebore bess
Du bes einer vun einer Million
E Kind vum Rhing un e Sohn vum Dom
Weil uns Mamm einfach jeder adopteet
Der he opwääs oder he si Hätz verleet
Du bes Willkumme in de Städt met K
:thumbsup:

Heinz K

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133

Dienstag, 27. Dezember 2016, 14:55

Drissejal ob wir mit C oder K geschrieben werden. Ich kenne genug Patrioten, die sich das CCAA irgendwohin tätowiert haben. Und auch wenn dieser Name unsere ubische Herkunft verleugnet, so betrachte ich ihn doch als einzig wahren Stadtnamen.

134

Dienstag, 17. Januar 2017, 13:58

Jaaaaaa!

Köln kann Jazz
wussten wir ja schon immer, ist aber ziemlich aus dem Blick der Öffentlichkeit und der Lokalpolitik geraten. Zu wenig Muttersproch und kölsch-Hätz lastig, schon gar nicht Karnevals-kompatibel. Statt dessen präg(t)en nach Stadtarchiv-Versenkung und ungesühnten Toten, Silvesterschande und Drumherumgerede zuletzt der "Nafri"-Rassismusverdacht das Bild von Köln.

Kreative aus Mode: 'bread and butter', und Kunst: 'Art fair', sind in andere Städte abgewandert, die private Kulturszene hält sehnsüchtig nach Finanzmitteln Ausschau, Oper und Schauspiel improvisieren seit Jahren vor sich hin, eine hochklassige Tanzkompagnie sucht man in der einstigen Tanzmetropole Köln seit Langem vergebens und rauft sich verzweifelt die Haare.

Aaaaber:
glücklicherweise gibts doch noch ein paar Kunst- und Musikbegeisterte an entscheidenden Plätzen und (Förder-)Töpfen ... und deshalb regnen demnächst jährlich 600 000.- € über dem "Stadtgarten" ab, mit dem Ziel, in Köln ein "Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik" zu schaffen.
Na, wenn das mal keine gute Nachricht ist! ^^


Zitat

Winterjazz-Festival: Was Köln kann? Jazz!
Der Stadtgarten soll, gut gefördert, zu einem "Europäischen Zentrum für Jazz und aktuelle Musik" werden. Am Rhein feiert man das mit einem rauschenden Festival.
Von Ulrich Stock, Köln
16. Januar 2017, 15:05 Uhr
7 Kommentare

Das Trio Cajlan-Wissel-Nillesen beim Kölner Winterjazz-Festival
© Niclas Weber

Köln muss ja auch mal in Führung gehen. Köln kann ja nicht immer nur den Spott auf sich ziehen. Köln ist ja für mehr gut als für bundesweites Kopfschütteln, sei es über den Einsturz des Stadtarchivs oder die legendäre Silvesternacht. Am vergangenen Samstag hat Köln im Verein mit dem Land Nordrhein-Westfalen der Republik mal gezeigt, was es auch ist: eine Hauptstadt der Kultur, die Berlin und Hamburg locker hinter sich lässt.

Köln übernimmt die Führung im Jazz, einer musikalischen Sparte, die in ganz Deutschland von großer Bedeutung ist. Festivals gibt es landauf, landab. Viele sind sehr gut besucht wie das alljährliche Jazzfest in Bonn oder das in Berlin. Es gibt phantastische Talente, aufregende Platten, Clubkonzerte, letzthin auch ein jüngeres Publikum. In der medialen Wahrnehmung spiegelt sich das kaum wider, weil Radio und Fernsehen sich vor anspruchsvoller Musik drücken. Und so hat es der Jazz vielerorts schwer, wenn es um die öffentliche Förderung von Spielstätten und Auftritten geht.

Mit dem kleinen Loftund dem großen Stadtgarten verfügt Köln über gleich zwei Spielstätten von internationalem Rang, die – da hier ständig Platten aufgenommen werden – selbst vielen Jazzfreunden bekannt sind, die noch nie in der Stadt waren. Das Loft wurde 2016 vom Londoner Guardian zu den zehn besten Jazzclubs Europas gezählt, der Stadtgarten erfährt jetzt noch höhere Weihen.

400 Konzerte im Jahr
Die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen fördern das Haus vom kommenden Jahr an zu gleichen Teilen mit einem jährlichen Zuschuss von insgesamt 600.000 Euro. Ziel ist es, ein "Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik" zu schaffen, das die internationale Szene mit den lokalen Musikern verknüpft – für ein Publikum aus Köln und aller Welt.

Damit enteilt Köln sowohl Berlin, wo über die Schaffung eines Jazzhauses gerade erst nachgedacht wird, als auch Hamburg, das jetzt zunächst einmal die Elbphilharmonie abstottern muss. Das beachtliche Elbjazz-Festival hat man in Hamburg vergangenes Jahr einfach ausfallen lassen. Einstweilen versucht man sich mit der Echo-Jazz-Verleihung zu trösten, deren Möchtegern-Grandezza weder hollywoodesk noch hanseatisch ist, sondern einfach nur peinlich.
Stadt und Land am Rhein hingegen prämieren eine Spielstätte, die Musiker über Jahrzehnte hinweg unter nicht immer einfachen Bedingungen etabliert haben.

Gerade hat der Stadtgarten sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Auf drei Bühnen finden im Jahr an die 400 Konzerte statt, viele davon sind ästhetisch anspruchsvoll. Dabei regiert kein Purismus. Populäre Veranstaltungen helfen, neues Publikum anzulocken und – in Zusammenarbeit mit der Gastronomie – die Kasse des Hauses zu füllen. Pop und Flammkuchen befördern das musikalische Experiment in einer Mischkalkulation, die über die Zeit ganz gut funktioniert hat.

Eine Million Euro beträgt das jährliche Budget des Hauses, wie dessen Künstlerischer Leiter Reiner Michalke bei einer Pressekonferenz am Samstag wissen ließ, an die 300.000 Euro davon sind bisher aus öffentlichen Quellen gekommen. Dieser Anteil wird nun verdoppelt und zugleich verstetigt und ermöglicht mehr von dem, was im Fokus des Kulturhauses steht.

Musiker am Existenzminimum
Der Jazz habe sich "nie abgegrenzt", sagte die Kölner Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach am Samstag. "Das ist für eine so offene Stadt wie Köln ganz wichtig." Alle Fraktionen im Rat hätten den Beschluss mitgetragen.
Der Stadtgarten sei "ein wirkliches Kreativlabor", betonte der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf, "das ist das, was wir wollen". Er erinnerte bei dieser Gelegenheit daran, dass viele der hochqualifizierten Musiker "am Existenzminimum" lebten. Ihre Rolle gelte es aufzuwerten.

Angestrebt wird der Austausch mit anderen europäischen Jazzhäusern wie dem Bimhuis in Amsterdam oder dem Porgy and Bess in Wien. Abgesandte beider Spielstätten kamen am Wochenende nach Köln, um einem Spektakel beizuwohnen, das im Anschluss an die nachmittägliche Pressekonferenz anhob: die sechste Winterjazz-Nacht.

Angestiftet hat dieses Event die deutsch-polnische Saxofonistin Angelika Niescier, die auch das Programm kuratiert. Die Idee zu diesem Jazz-Probier-Marathon kam ihr auf dem Winter Jazzfest
in New York, wo das Ticket für zwei Nächte 90 Dollar kostet. Die Kölner Jazznacht, bezahlt von Stadt und Land, kostet die Hörer nichts. So kommen viele, um zu schmecken, ob sie diese Musik mögen. Es kommen Zwanzigjährige und Rentner, schicke Mädchen, verliebte Pärchen, alte Hasen. Sogar ein jazzfernes Damenkränzchen erscheint: "Wir wollten mal schauen."

Volle Säle, lange Schlangen
In Köln geht es darum, an einem Abend Neugierigen, die nicht zum Stammpublikum zählen, ein breites Spektrum der rheinischen Szene zu präsentieren. Das Vorhaben gelingt. Es kommen so viele, dass man sich in den Sälen kaum umdrehen kann. Noch Stunden nach Beginn reicht die Schlange der Wartenden von dem erhöht liegenden Stadtgarten 30 Meter lang bis hinunter auf die Venloer Straße. Für jeden, der rausgeht, darf einer reingehen. Die Stimmung ist grandios, und die Neugierigen schauen nicht nur, sie hören auch zu.
Auf fünf Bühnen spielen 19 Bands, von abends um sieben bis nach Mitternacht, jede eine Dreiviertelstunde. Drei Bühnen befinden sich im Stadtgarten, zwei auf der gegenüberliegenden Straßenseite, namentlich in der Umleitung, einer Kölsch-Kneipe, und im Zimmermann's, in dem sich Gehacktes zwischen Gebackenes fügt. Im Keller dieser Burgerstube gibt es eine winzige Bühne, auf der sonst kleine Popgigs stattfinden, Jazz eher selten. Es ist gepackt voll, als die junge australische Posaunistin Shannon Barnett mit ihrem Quartett spielt. Zusammen mit Stefan Karl Schmid am Tenorsaxofon bringt sie das Blech zum Schmelzen. David Helm am Bass und Thomas Sauerborn am Schlagzeug setzen brodelnde Rhythmen an. Eine Platte der vier in Köln lebenden Musiker ist im Werden, und das im Nu begeisterte Publikum darf sich in eine E-Mail-Liste eintragen, um deren Erscheinen ja nicht zu verpassen.

Zum Konzept des Winterjazz gehört es, dass keiner alles hören kann. Es bleibt immer ein ungehörter Rest, auch zum Ansporn, das Versäumte nachzuholen, bei einem abendfüllenden Auftritt im Stadtgarten oder anderswo.
So kann man zum Beispiel Benedikt Hesse und Cubanola hören, die sich an kubanischem Funk versuchen, das wilde Trio des Trompeters John-Dennis Renken, der gerade sein Jahr als Improviser in Residence in Moers antritt, das junge Dreigestirn Pollon mit der Saxofonistin Theresia Philipp, die psychedelischen Vier von C.A.R., die Repetition und Wabern vereinen, und schließlich die eckige Gruppe Sommerplatte um den originellen Gitarristen Hanno Busch. Alles interessant, einiges macht Lust auf mehr, und das Beste ist einem womöglich sogar entgangen.

Köln zeigt die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit des deutschen Jazz. Wer's nicht glaubt, kommt vorbei. Konzerte gibt es jeden Tag.
('Zeit')

135

Samstag, 22. April 2017, 23:46

Zitat

Demos zum AfD-Parteitag
Kein Chaos, dafür Karnevalsstimmung

Kurz sieht es am Morgen aus, als könnte alles ins Chaos kippen. Doch dann nimmt die Demonstration gegen den AfD-Parteitag in Köln fast schon Volksfestcharakter an.

22.04.2017, vonTimo Steppat, Köln

© dpa
10.000 Teilnehmer demonstrierten am Samstag in Köln gegen den Parteitag der AfD.

Am Mittag gibt Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies ein Interview. In den zurückliegenden Tagen war er nicht müde geworden, die Gefährlichkeit dieses Samstags zu betonen und die Belastung, der seine Behörde dadurch ausgesetzt ist. Jetzt wirkt er erleichtert, lächelt sogar an einer Stelle. Seine Botschaft: Es ist friedlich und vieles deutet darauf hin, dass es friedlich bleibt. So viel Optimismus will der Polizeisprecher wenig später noch nicht verbreiten, er spricht davon, in der Stadt könnten immer noch Gewaltbereite sein. Keine komplette Entwarnung also, aber die ganz große Panik ist abgesagt.

Köln stand unter massiver Beobachtung. Dafür gab es verschiedene Gründe: Weil in drei Wochen in Nordrhein-Westfalen gewählt wird und der oberste Dienstherr der Polizei der Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) ist – nach einigen Pannen kann er sich in seinem Zuständigkeitsbereich keine Fehler mehr erlauben. Aber auch, weil gerade die Kölner Polizei bei den Hooligan-Protesten 2014 und der Silvesternacht 2015 ein denkbar schlechtes Bild abgeliefert hat. Erst aus diesem Grund war Mathies überhaupt Polizeipräsident geworden – sein Vorgänger musste in Folge der Silvesternacht zurücktreten.

Kurz sieht es nach Chaos aus

Dabei sieht es am Samstagmorgen kurz so aus, als könnte der Tag im Chaos enden. Um sechs Uhr trifft sich im Stadtteil Deutz eine Gruppe, von der die Polizei später sagt, sie sei in Teilen der linksextremen Szene zuzurechnen. In einem Sternmarsch mit anderen Gruppen wollen sie zum Maritim-Hotel laufen, in dem die AfD sich auf der anderen Rheinseite zum Parteitag trifft. Sie marschieren also auf die Straßensperre zu, die die Polizei vor der Hohenzollernbrücke errichtet hat und versuchen die Beamten zu überrennen, erfolglos. Zur gleichen Zeit brennen Autoreifen bei der nahegelegenen Fachhochschule in Deutz. Etwas später treffen Polizei und Demonstranten am Rheinufertunnel aufeinander, es kommt zur kurzen heftigen Konfrontation. Dann passiert wenig, beide Seiten harren aus. Auf dem Heumarkt, direkt gegenüber des Maritim-Hotels, versammeln sich Teilnehmer der Kundgebung „Köln gegen rechts“. Gewalt lehnen sie ab, Ziel sei es aber, durch „kreativen Protest“ den Parteitag zu verhindern. Die Stimmung auf beiden Seiten, bei Demonstranten und Polizisten, ist angespannt.

Das Tagungshotel der AfD ist weiträumig abgesperrt. Die sonst viel befahrenen Straßen im Umkreis sind für den Verkehr blockiert, die Straßenbahnhaltestelle ist außer Betrieb. Trotzdem müssen die Delegierten, die zum Parteitag wollen, an den Demonstranten vorbei. Bei einem Parteifunktionär, der vorbeiläuft, rufen sie „Wir wollen keine Nazischweine“. Die Polizisten schützen ihn, um auf die andere Seite der Absperrung zu kommen. Manche der Parteitagsteilnehmer hatten so etwas schon erwartet und waren besonders früh gekommen. Andere nahmen es wie zwei Berliner Delegierte, die rauchend vor dem Hotel standen, und reagierten wenig beeindruckt: „Das kann uns nix“, sagt einer der beiden. „Das ist eben der typische linke Krawalltourismus.“ Zur gleichen Zeit versuchte ein Demonstrant einen Delegierten mit einer Holzlatte zu treffen, ein Polizist griff ein. Fensterscheiben gingen später auch zu Bruch, als der Demonstrationszug durch die Stadt lief.

AfD-Parteitag: In Köln geht nichts mehr
Vor allem an den Bahnhöfen und rund um das Tagungshotel zeigte sich das Ausmaß der Polizeipräsenz in Köln. 4000 Beamte waren am Samstag im Einsatz. Im Vergleich: 1500 waren es in der letzten Silvesternacht, als bereits eine deutlich erhöhte Sicherheitsbereitschaft galt. Beamte aus dem gesamten Bundesgebiet waren angereist, mit ihnen riesige Wasserwerfer, deren Motoren zu Beginn durchgehend liefen. Dazu viele Dutzend Mannschaftswagen, die die Straßen säumten. Die Polizei machte sich aufs Äußerste gefasst. Grund zur Besorgnis war vor allen Dingen, dass es Drohungen aus der vermeintlich linksextremen Szene gab. „Feuer statt Konfetti“ hieß es in einem von der Einsatzleitung zitierten Schreiben, dazu „konkrete Erkenntnisse“, dass Gewaltbereite anreisen könnten.

Als der Parteitag längst begonnen hatte, strömten viele Besucher zur Kundgebung “Köln stellt sich quer”, das von einem breiten Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, dem Festkommittee Kölner Karneval und einigen Parteien getragen wurde. Zunehmend entwickelte die Demonstration den Charakter eines Volksfestes. Eine Gruppe von Kölner Musikern sang “Stammbaum”, im Original von “Black Fööss”. Viele der Demonstranten stimmten in das bekannte Karnevalslied ein, das vom weltoffenen Köln handelt, in dem alle Menschen am Ende gemeinsam an der Theke stünden und zusammen Bier trinken würden. Neben Parteigruppen kamen Familien, Studenten und Lehrerehepaare, ganz normale Bürger eben. Carlos Stemmerich war einer von ihnen. Der Kölner wollte „Flagge zeigen gegen die AfD und Intoleranz.“ Dass er auf Demos gehe, sagte er, sei eher die Ausnahme. So klang es bei einigen der Teilnehmer. Die vielen unterschiedlichen Bündnisse – als die Moderatoren auf der Bühne die Liste vorlasen, dauerte das drei Minuten – verband das gemeinsame Ziel gegen die AfD zu sein. Wobei die vielen Redner, darunter auch Vertreter der Kirche, lieber davon sprachen, sie würden für Werte wie Weltoffenheit und Toleranz werben.

Kraft: Eine Provokation, dass die AfD sich in Köln trifft

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft (SPD) besuchte verschiedene Veranstaltungen in Köln. Erst dankte sie den Polizeibeamten für ihren Einsatz, dann sagte sie auf der Bühne, es sei eine Provokation, dass die AfD sich in Köln treffe. „Aber da haben sie sich die falsche Stadt ausgesucht.“ Auch die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker spricht bei der Kundgebung. Zur AfD gerichtet sagt sie: „Erst gehen die Parolen spazieren, und dann die Messer. Ich weiß, was das heißt!” Eine Oberbürgermeisterin dürfe sich nicht das Wort verbieten lassen.

Verschiedene Veranstaltungen fanden gestaffelt im Laufe des Tages statt. Es zeigte sich deutlich, dass die von der Polizei erwartete Zahl von 50.000 Gegendemonstranten zu hoch gegriffen war. Neben der Hauptveranstaltung am Heumarkt lud das Festkomitee Kölner Karneval zu Konzerten und Reden an den Grüngürtel im Stadtteil Ehrenfeld. Bands wie die Höhner spielten. Abermals betonte man, nicht gegen „irgendeine Partei“ zu demonstrieren, sondern für bestimmte Werte. Die 10.000 Teilnehmer wirkten so entspannt, sangen und tanzten, dass man fast glauben konnte, diese Stadt würde einfach immer einen Grund zum Feiern finden - und wenn es die AfD ist.
(FAZ)
Esu is et.
:thumbsup:


136

Freitag, 5. Mai 2017, 11:31

Kölner Farben

Die Domtreppe ist sanierungsbedürftig.
Naja, bei so vielen Benutzern ist das nach 11 Jahren vielleicht nicht verwunderlich, auch, wenn in anderen Städten solche Trittplatten länger halten. In Köln sind sie jedenfalls ins Wackeln geraten, weil der Mörtel nicht mehr richtig klebt.
Also gilt es jetzt, die Dinger wieder trittsicher zu befestigen, natürlich nach vorhergehender Reinigung. Weil das Malheur beileibe nicht alle Stufen betrifft und die Dom-Umgebung schließlich Kölns Visitenkarte ist, dürfte die Sache möglichst rasch vonstatten gehen. S
ollte man meinen.
Pech gehabt! Wir sind doch in Kölle. Hier wartet man immer noch auf die Rückkehr der Heinzelmännchen. :sleeping:

Der Beginn der Sanierung sei nicht vor 2018 zu erwarten. "Frühestens", lässt man uns wissen.
Bis dahin werden die betroffenen Treppenbereiche halt von Absperrgittern umgeben. Warum denn auch nicht? Sind doch schließlich in den KölnerTraditionsfarben 'Ruud-Wies' gehalten. Chic. Wie kölsche Fähnchen.
Vorm Dom.
Passt. ;(



Foto:
Thomas Banneyer



137

Mittwoch, 5. Juli 2017, 13:29

Dreck muss weg - aber edel!

Falls jemand noch daran gezweifelt hat, dass Köln zuviel Geld habe, die Stadt ständig obergäriges Kölsch durch die Synapsen der Ratsmitglieder spült und die FDP vom Drang zum Höher-Schicker-Vornehmer beseelt ist, dem wird nun sein Aha-Erlebnis zuteil.

Der Anlass: Anschaffung eines (schnöden Mülleimers) solarbetriebenen, hocheleganten Müllpressbehältnisses namens "Müll-Hai". Schweizer Fabrikat, ausgezeichnet mit dem 'German-Design-Award', und auch sonst hochpreisig: Rund 11.000.-€ kostet der Edel-Look. Pro Eimer!

Elf Stück hat die Stadt bisher bestellt, was die Initiatoren von der FDP in verzückten Jubel ausbrechen lässt.

antaswiss.ch

Etwas anders sieht's der Bund der Steuerzahler, formuliert "Wir finden das unverhältnismäßig und ehrlich gesagt unfassbar“ und plant den Kölner Hai-Auftritt ins nächste Schwarzbuch der großen Steuerverschwendungen zu bringen.

Muss noch extra erwähnt werden, dass es diese Art Solarpresseimer auch von anderen Herstellern gegeben hätte - für die Hälfte des Preises?!
Oder auch, dass die FDP davon ausging, durch das Pressen des Mülls fielen weniger Entleerungen an, und so könnten Betriebskosten eingespart werden? Falsch.
Um das edle Müllbehältnis zu leeren, veranschlagt die AWB separate Fahrten zusätzlich zu den üblichen Touren. Diese Kosten kommen dann noch auf die Anschaffungskosten drauf. :(

Fazit:
Wenn die Stadt schon so dreckig ist, müssen wenigstens die Mülleimer etwas hermachen. Also wählt FDP.
Oder?



138

Mittwoch, 5. Juli 2017, 13:50

Köln ist immer wieder ein Quell der Freude :D

139

Sonntag, 6. August 2017, 13:20

Am "Quell der Freude" labte sich kürzlich auch Besucher und Buchautor Boris Pofalla und betrachtete neben dem Stadtbild und bedeutenden Kölner Bauwerken auch die Adenauer-Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum.
So liest sich sein Resümee:



Stadtplanung und Stagnation
So viel Ignoranz und Mittelmaß hat Köln nicht verdient
In den zwanziger Jahren machte Konrad Adenauer aus Köln eine moderne Stadt. Die Gegenwart ist zum Heulen – wie lauter Projekte zeigen, die nicht vorangehen.
06.08.2017, von Boris Pofalla

© dpa
Köln, ewige Baustelle


Wer weiß, ob Adenauer nicht doch den Grünen beigetreten wäre, hätte es sie 1945 schon gegeben. Was Joseph Beuys 1982 auf der Documenta 7 für Kassel forderte, nämlich „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“, das besorgte Adenauer als Bürgermeister von Köln in den zwanziger Jahren auf seine Weise: Stadtverwaldung durch Stadtverwaltung. Auf dem Grund der laut Versailler Vertrag zu schleifenden Stadtbefestigung entstanden ab 1922 die Kölner Grüngürtel, in enger Zusammenarbeit mit dem Hamburger Stadtplaner Fritz Schumacher. Allein der äußere Gürtel hat eine Fläche von 800 Hektar, die Hälfte davon ist bewaldet. Ohne sie würden die Kölner heute wohl am Feinstaub ersticken. Dass dafür damals Grundstücksbesitzer enteignet wurden, nahm man in Kauf, es ging ums Ganze, den großen Wurf.

Konrad Adenauer als Stadtplaner, das klingt unvertraut. Genau hundert Jahre nach seinem Amtsantritt 1917 widmet das Kölnische Stadtmuseum „Konrad dem Großen“ deshalb eine Schau, die die Anfänge des knorrigen CDU-Heiligen zeigt. Sogar ein Konrad Adenauer war einmal jung und mit 41 Jahren im Jahr 1917 sogar der jüngste Oberbürgermeister Deutschlands, auch bekannt als der „König von Köln“.

Zentrum zwischen Berlin und Paris

Adenauer machte in den zwanziger Jahren als Kommunalpolitiker Außenpolitik, indem er mit den Besatzungsmächten Frankreich und England verhandelte und Köln internationalisierte. An der 1919 neu gegründeten Universität entstanden deutsch-französische, deutsch-italienische, deutsch-spanische, deutsch-portugiesische und deutsch-niederländische Forschungsinstitute. Der Weltkrieg war vorbei, die Völkerverständigung wurde wieder großgeschrieben. Auch die Kölner Messe, die 1924 eröffnet wurde, sollte dazu beitragen – und Geld einbringen. Adenauer, lernen wir, agierte in einer für deutsche Kommunalpolitiker heute unvorstellbaren Eigenständigkeit. Der Beamtensohn war 1923 sogar bereit, das Rheinland als einen Bundesstaat aus dem deutschen Reich zu lösen, um die französische Besatzung loszuwerden.

„Die Oberbürgermeister des heutigen Deutschlands sind in Wirklichkeit neben den Großindustriellen die Könige der Gegenwart“, notierte Reichskanzler Gustav Stresemann 1925 nach einem Besuch in Köln. Adenauer, der der Zentrumspartei angehörte, hätte wohl auch selbst Reichskanzler werden können, doch er blieb lieber in Köln. Warum, versteht man hier: Er konnte gestalten, die Stadt in die Moderne führen. Nach dem Ersten Weltkrieg startete Adenauer in Köln ein Modernisierungsprogramm, dessen Ergebnisse man heute noch sehen kann.

Nicht nur die Grüngürtel, auch die Ford-Werke und das erweiterte Müngersdorfer Stadion entstanden in dieser Zeit, auch die Gewerbeschule und der Neubau der Universität. Die älteste deutsche Großstadt sah sich als ein neues Zentrum zwischen Berlin und Paris. Adenauer mochte privat einen konservativeren Geschmack haben, aber er stellte sich der Moderne nicht in den Weg. Architekten wie Wilhelm Riphahn prägten die Stadt mit klaren, sachlichen, manchmal auch expressiven Bauten.

Was waren das für Zeiten, denkt man, als es noch eine visionäre und handlungsfähige Stadtregierung gab. Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, bemerkt man schon, wenn man die Schwelle des Museums überschreitet, in dessen ziemlich angejahrten Ausstellungsräumen die Paraphernalien versammelt sind. Die Sonderausstellung „Konrad der Große“ ist das Einzige, was es im Kölnischen Stadtmuseum im Moment zu sehen gibt. Ein tropfender Wasserhahn hat dafür gesorgt, dass die ständige Ausstellung evakuiert werden musste. Der Boden war feucht – Gift für die Exponate, die nun eingelagert werden, für sechs Monate, wie es heißt. Von der „Depotisierung der Kölner Stadtgeschichte“ spricht der Museumsleiter. Doch selbst wenn der Wasserhahn nicht getropft hätte: Eine der wichtigsten stadthistorischen Sammlungen Europas kann seit Jahren nicht in angemessenem Umfang gezeigt werden. Deshalb soll das Stadtmuseum aus dem alten, renovierungsbedürftigen Zeughaus ausziehen und einen Neubau bekommen.

„Sehr viele Vorschusslorbeeren“
Die Betonung liegt auf „soll“. Auf der Südseite des Doms, wo heute das Kurienhaus steht, soll dieser Neubau entstehen. Den Architekturwettbewerb dafür gewann das Berliner Büro Staab, die Oberbürgermeisterin zeigte sich begeistert, „wie hingeküsst“ sehe der Entwurf aus. Die Nutzer des Neubaus wären das Stadtmuseum, die Verwaltung des Römisch-Germanischen Museums und das Archiv des Kölner Doms, das bislang im Kurienhaus untergebracht ist, aber bessere Bedingungen braucht. Die Planer wollen hier 2021 eine neue historische Mitte eröffnen, in der man Kölns lange Geschichte an einem Ort erleben kann: die ersten tausend Jahre im renovierten Römermuseum und die Zeit danach im Stadtmuseum, alles ganz neu konzipiert und im Schatten des Doms, mit Bibliotheken, Café und allem Drum und Dran. „Ein Ensemble, wie die Welt es bislang noch nicht gekannt hat“, nennt es die Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach.

Doch erst im Herbst wird die Verwaltung verkünden, was das alles kosten soll, die Architekturentwürfe wurden ohne Kostenvoranschlag eingereicht. „Sehr viele Vorschusslorbeeren“ seien das „für ein Projekt, bei dem bislang völlig unklar ist, ob es jemals gebaut wird“, kommentierte der „Kölner Stadtanzeiger“. Denn richtig geplant wird erst, wenn das Römisch-Germanische Museum Ende 2017 geschlossen und der Neubau auf dem Nachbargrundstück beschlossen ist. Vor 2023 wird das Museum nicht fertig renoviert sein. Wie kurzfristig bekannt wurde, braucht man sechs Jahre, nicht drei. Wie diese Sanierung überhaupt ablaufen soll, dafür gibt es noch keine Pläne. Erst nach dem Auszug fängt man damit an. Dabei hat der Rat der Stadt bereits 2011 festgestellt, dass am Haus Sanierungsbedarf besteht. Zwölf Jahre liegen mindestens zwischen der Bedarfsfeststellung und der Vollendung – wenn es richtig gut läuft. In der Zeit hat Konrad Adenauer halb Köln umgekrempelt.


© Rheinisches Bildarchiv, Wolfgang Heinrich Hoerles „Kölner Zeitgenossen“ von 1932

Noch verrückter geht es bei der Oper zu, dem Kölner Äquivalent zum Flughafen BER. Seit 2012 ist das von Wilhelm Riphahn 1957 bis 1962 errichtete Haus für eine Sanierung geschlossen, die 2015 beendet sein sollte; aber es wird wohl kaum vor 2023 zur Wiedereröffnung kommen. Mittlerweile haben sich die Kosten von 253 auf mindestens 570 Millionen Euro erhöht, dazu kommen Mietkosten für die Ausweichquartiere. Die SPD denkt schon laut darüber nach, das denkmalgeschützte Gebäude abzureißen und eine neue Oper zu bauen. Die Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat mittlerweile entschieden, der Kulturbehörde die Verantwortungen für Bauten zu entziehen.

Die Oper, Kölns BER
Nun gibt es Probleme mit komplexen Sanierungen und Neubauten auch in anderen Städten. Aber nicht jedes Haus ist ein Flughafen oder eine Oper.
Wohin man schaut in Köln, stehen bedeutende Gebäude leer, warum auch immer. Das „Dom-Hotel“ liegt dem Römisch-Germanischen Museum gegenüber und ist einen Steinwurf vom Dom entfernt. Eines der ältesten Grandhotels ins Europa, das bis 2013 zu den besten Adressen Kölns zählte. Auch wer hier nicht übernachtete, konnte an der Bar sitzen und den Passanten auf dem Roncalliplatz zusehen. Im Moment ist das „Dom-Hotel“ ein Geisterhaus. Es soll noch mindestens zwei Jahre leerstehen.

Auch in Wilhelm Riphahns Bastei am Rheinufer von 1924 herrscht eine gespenstische Ruhe. Die Bastei ist ein expressionistisches, 1985 saniertes Kleinod der modernen Architektur, das Riphahn auf den Sockel eines alten Wehrturms setzte, verglast, elegant und funktional, die Küche hatte lange einen Michelinstern. Warum kann man hier nicht essen, trinken, tanzen, schauen? Dafür müsste man in der Bastei schon heiraten. Das Haus ist nur für Veranstaltungen zu mieten, Auflagen der Behörden und die Verweigerung von Investitionen in das Haus hatten der Gastronomie den Garaus gemacht.

Für das öffentliche städtische Leben spielt die Bastei keine Rolle mehr, die Stadt hat sie 2001 an ihre Messegesellschaft verkauft und sich der Verantwortung für den Betrieb entzogen. Das Objekt müsse saniert werden, sagt der letzte Pächter, Kaufinteressenten kapitulieren aber vor dem Auflagenwahn der Verwaltung, die an neunzig Jahre alte Häuser Maßstäbe anlegt wie an Neubauten. Und so bleibt die Bastei leer. Es ist ja nur ein Restaurant. Aber eben auch eine der interessanteren Architekturen in einer Stadt, die davon nicht endlos viel zu bieten hat, seitdem sie im Zweiten Weltkrieg zu achtzig Prozent zerstört wurde.


© dpa Der Colonius

Von überall sichtbar ragt der Colonius empor, 266 Meter hoch. Der Fernmeldeturm, sei er nun schön oder nicht, ist Teil des Silhouette einer Stadt, die wegen des Weltkulturerbes Dom kaum hohe Gebäude hat. Von einem Turm kann man Zusammenhänge erkennen, den Stadtraum wahrnehmen, Veränderungen in Relation setzen. Vor dem Berliner Fernsehturm, stolzes Werk der Werktätigen der DDR, stehen sich die Leute heute die Beine in den Bauch. In Köln kann man seit 1994 nicht mehr ins Restaurant, seit 1998 ist sogar die Aussichtsplattform dicht. Das höchste Gebäude der Stadt ist seit zwanzig Jahren unbetretbar. Der Brandschutz taugt nicht mehr, auch hier müsste man renovieren. Aber der Turm gehört der Deutschen Funkturm GmbH, einer Tochter der Deutschen Telekom, und die braucht ihn nur als Sendemast, nicht als Aussichtsplattform.

In Hamburg, das auch nicht gerade im Geld schwimmt, übernimmt die Stadt deshalb gerade die Hälfte der 37 Millionen Euro teuren Sanierung des Heinrich-Hertz-Turmes – und bekommt dafür ein Wahrzeichen, eine zusätzliche Attraktion. Der Bund übernimmt die andere Hälfte. Geht das nicht auch in Köln? Dazu müsste es erst mal eine Stadtverwaltung geben und eine Bürgermeisterin, die das interessiert. Doch die lehnen jede Beteiligung ab, wie man Anfang des Jahres im „Kölner Stadtanzeiger“ lesen konnte. Es ist die typische Haltung, mit der Köln regiert wird: Ignoranz und Mittelmaß. Das hat eine Stadt mit so viel Substanz nicht verdient.

Und die Liste geht weiter: Der „Musical Dome“, ein hässliches blaues Zelt in Bestlage zwischen Rhein und Hauptbahnhof, unweit des Doms, dieses billige Provisorium aus Containern, Stahlgerüst und Plastikplane, wurde 1996 binnen Monaten hochgezogen und ist mit das Erste, was man sieht, wenn man mit dem Zug in diese Stadt kommt. Es wirkt, als sei alles egal. Kein Stolz, kein Gestaltungswille, nur Ausflüchte. Klar, es ist ja nur ein Haus. Auch das Hansahochhaus von Jacob Koerfer ist nur ein Haus. In der Nordstadt entstand 1924 der höchste Profanbau Europas und eines der ersten Hochhäuser. Es wurde in 135 Tagen gebaut, nachdem Adenauer bei der Baupolizei Druck gemacht hatte. Er hoffe, schrieb er Koerfer, „dass ihr Wagemut Erfolg haben wird“. Hundertfünfunddreißig Tage, denkt man, das sind keine fünf Monate. Und es steht immer noch.

„Konrad der Große. Die Adenauerzeit in Köln 1917–1933“, Kölnisches Stadtmuseum, bis 19. November, Katalog 24,90 Euro
Quelle: F.A.S.

Heinz K

Dissident

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Wohnort: Kölle

Beruf: Multimilliardär, Philanthrop, UN-Botschafter, Menschenhändler

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140

Montag, 7. August 2017, 15:00

Wir sollten vielleicht einem anderen Land beitreten. Die Geschichte hat bewiesen, daß es in Köln vor allem dann vorwärts geht, wenn wir jemand anderen dazu bringen, die Arbeit zu erledigen. Seien es nun die Römer, die Kirche, die Franzosen oder die Preußen. Ich befürchte wir müssen uns wohl China anschliessen.

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