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1

Donnerstag, 9. Januar 2014, 14:44

Film: 'Bethlehem'

Das euphemistisch mit 'Nahostkonflikt' umschriebene Geschehen zwischen Israelis und Palästinensern ist in diesem Forum schon oft thematisiert worden.

Ich möchte auf einen Film aufmerksam machen, der heute in unseren Kinos anläuft: 'Bethlehem' von Yuval Adler.

Szene aus „Bethlehem“: Der Geheimdienstler (l.) und sein Informant (Quelle: KStA)

Anders als andere Streifen vor ihm versucht dieser Film, die Auseinandersetzungen und Kämpfe aus der Sicht der beteiligten Parteien darzustellen und wählt seine Protagonisten folgerichtig aus beiden Lagern aus.
Wie sich die Beziehung der befreundeten jungen Männer -dem Israeli
Razi (Tsahi Halevy) und dem Palästinenser Sanfur (Shadi Mar'i)- unter dem Druck der Verhältnisse verändert, wird ebenso dargestellt, wie die zum Alltag gewordene Gewalt und Überzeugtheit das 'Richtige' zu tun - auf beiden Seiten.

Interview mit Yuval Adler, dem Regisseur des Films.

Trailer

Anschauen lohnt, denke ich. :thumbup:

Heinz K

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2

Donnerstag, 9. Januar 2014, 15:17

Danke für den Tipp. Ich glaube aber nicht das ich jemanden kenne, der mit mir dafür ins Kino gehen will. Wird zumindest schwierig. Aber ich behalte den Film mal für später im Auge :)

3

Donnerstag, 9. Januar 2014, 15:32

Ist leider noch nicht in der Astor Film-Lounge angekündigt. Aber ich bin sicher, dass sie ihn zeigen werden. Seit ich dieses Kino kenne, gehe ich in kein anderes mehr.
Man kann nicht alles haben. Wo sollte man es auch hintun?

4

Freitag, 10. Januar 2014, 14:19

Luxusambiente mit Getränkesörviss und auf der Leinwand Selbstmordattentat? Okee, jede Jeck ... :whistling:

Mir isset egal, in welches Kino ich gehen muss, um diesen Film zu sehen.
'Off Broadway' und 'Filmpalette' bieten ihn derzeit an.


Da wir grad bei Kölner KinoFavoriten sind:
'Off Broadway', 'Cinenova' und 'Metropolis' finde ich gut, u.a. weil sie viele Filme im Original oder OmU zeigen.
:thumbup:

5

Samstag, 11. Januar 2014, 13:47

Hat schon Jemand den Film gesehen? Ich bin bisher noch nicht dazu gekommen.
Dafür habe ich mich noch einmal in den Pressemitteilungen umgeschaut.


Erschreckend finde ich, dass es bisher nicht möglich war, den Film auf palästinensischem Gebiet zu zeigen, obwohl das Drehbuch von einem Palästinenser mitverfasst wurde und zahlreiche Palästinenser im Film mitspielen.
Die Hürden gegen alles, was aus Israel kommt, scheinen auch diesmal zu wirken.

Zur Abbildung der beiderseitigen Gewalt im Film, für die er z.T. heftig kritisiert wurde, bemerkt Yuval Adler zum Schluss seines KStA-Interviews:

Zitat

Adler:
Ich glaube jedoch fest daran, dass der Konflikt gelöst wird. Ich bin nicht einer der Regisseure, die sagen, dies und das symbolisiert das. Ich meine nicht etwas anderes, wenn ich eine Geschichte erzähle, ich meine allein die Geschichte. Wenn Sie einen Traum träumen, deuten Sie diesen auch nicht im gleichen Moment. Das besorgt später Ihr Therapeut. Und in diesem Sinne glaube ich auch nicht daran, dass der Film eine Lösung bieten muss oder kann. Die Last, eine Lösung zu finden, liegt vielmehr beim Zuschauer.

Wissen Sie, es gab Leute, die sich darüber beschwert, dass wir die Trauer, die Verzweiflung von Palästinensern zeigen, die den Tod eines Terroristen beklagen. Eines scheiß Terroristen!
Auf der anderen Seite zeigen wir einen Shin-Beth-Mann – und das sind die schlimmsten – von seiner privaten Seite. So muss es sein.


In einem ZEIT-online Interview äußert sich Adler zur Arbeit von Geheimdiensten und ihren Informanten:

Zitat

ZEIT ONLINE: Herr Adler, Bethlehem ist Ihr Kinodebüt. Es geht im Kern um die professionelle Beziehung zwischen Razi, einem Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes, zu Sanfur, einem erst 15-jährigen palästinensischen Informanten. Wie entstand diese Geschichte?

Yuval Adler:
Mich hat seit jeher interessiert, wie Geheimdienste tatsächlich vorgehen. Wie gelingt es ihnen, Informanten zu rekrutieren, sie zu halten, um schließlich das von ihnen zu bekommen, was sie wollen, nämlich, dass sie ihr eigenes Umfeld verraten. Dass sie dauerhaft für jene arbeiten, die als Feinde gelten. Es ist anders, als man gemeinhin denkt.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Adler:
Viele haben die Vorstellung, dass Gewalt oder Erpressung die Mittel sind, mit denen ein Geheimdienst Informanten dazu bringt, Informationen zu liefern. Das ist sicherlich in vielen Fällen der Fall, am Anfang. Auf Dauer trägt das aber nicht. Es geht darum, herauszufinden, wo der Informant bei sich selbst ein Loch spürt. Wonach er sich sehnt. Was er in seinem eigenen Umfeld nicht bekommt, und ihm genau das zu geben. In unserem Film erfährt Sanfur von Razi die Zuneigung, die Anerkennung, die ihm sein eigener Vater, zu Hause in der Familie, nicht gibt. Razi schafft bewusst dieses Vater-Sohn-ähnliche Verhältnis. Das ist sein Job. Und auch sein Dilemma.
© realfictionfilme
Der israelische Drehbuchautor und Regisseur Yuval Adler ist promovierter Philosoph und lebt in Tel Aviv.

ZEIT ONLINE:
Es ist eine Lüge.

Adler:
Es ist ein emotionales Verhältnis, bei dem es natürlich von Beginn an darum geht, den anderen zu benutzen. Es ist aber auch eines, das wahrhaftig sein muss, damit es funktioniert.

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie damit?

Adler:
Alle Mitarbeiter des Geheimdienstes, mit denen wir während unserer Recherchen gesprochen haben, sagten, dass man so eine Beziehung nicht vortäuschen kann. Man entwickelt Zuneigung zu seinen Informanten. Und gleichzeitig nutzt man sie aus. Man muss sogar bereit sein, sie nach Jahren auszurangieren, wenn sie nicht mehr nützlich sind. Wird die Zuneigung, die emotionale Verbindung gar zu stark, besteht die Gefahr, dass man seinem Informanten zu sehr vertraut, man ihm zu viel glaubt, auch die Lügen. Denn natürlich wird der Informant manchmal lügen. Allein deshalb, damit er selbst mit sich leben kann, damit er es aushält, sein Umfeld, potentiell seine eigene Familie, zu verraten.
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6

Samstag, 11. Januar 2014, 13:57

Erschreckend finde ich, dass es bisher nicht möglich war, den Film auf palästinensischem Gebiet zu zeigen, obwohl das Drehbuch von einem Palästinenser mitverfasst wurde und zahlreiche Palästinenser im Film mitspielen.
Die Hürden gegen alles, was aus Israel kommt, scheinen auch diesmal zu wirken

Vielleicht befürchtet man, dass jemand zum nachdenken kommt und Fragen stellen könnte.



7

Samstag, 11. Januar 2014, 14:12

Vielleicht befürchtet man, dass jemand zum nachdenken kommt und Fragen stellen könnte.

Ja, das trifft bei diesen beiden Konfliktparteien sicher für beide Seiten zu.
Mir ist nicht bekannt, dass es auf der palästinensischen Seite einen Filmemacher gäbe, der die Standpunkte beider Seiten zeigt und der seinerseits in Israel willkommen wäre.
Die Sicht gilt eben gern nur der eigenen 'Wahrheit'.

Siehe oben im Interview:

Zitat

Adler:
Wissen Sie, es gab Leute, die sich darüber beschwert, dass wir die Trauer, die Verzweiflung von Palästinensern zeigen, die den Tod eines Terroristen beklagen. Eines scheiß Terroristen!
Auf der anderen Seite zeigen wir einen Shin-Beth-Mann – und das sind die schlimmsten – von seiner privaten Seite. So muss es sein.

8

Samstag, 11. Januar 2014, 14:26

Mir ist nicht bekannt, dass es auf der palästinensischen Seite einen Filmemacher gäbe, der die Standpunkte beider Seiten zeigt und der seinerseits in Israel willkommen wäre. Die Sicht gilt eben gern nur der eigenen 'Wahrheit'.

Gibt es denn einen?
Ich meine, wenn nicht, kann er in Israel weder willkommen noch nicht willkommen sein.
Wird der Film denn in Israel gezeigt?


9

Samstag, 11. Januar 2014, 14:33

Ist schon beantwortet, Tex.

Wie 'willkommen' auf israelischer Seite die Darstellung palästinensischer Trauer ist, belegen die Äußerungen Adlers zu diesem Thema.
Die Links in #1 und der Trailer zeigen, dass der Film als Israels Beitrag für den '
Oscar' 2014 eingereicht wurde. In Cannes ist er bereits gezeigt worden. Natürlich läuft er auch in Israel, sonst hätte man ihn dort kaum kritisiert.;)

10

Samstag, 11. Januar 2014, 22:26

Ist schon beantwortet, Tex.

Ob es einen palästinensischen Filmemacher gibt mit diesem Thema?
Dann hab ich´s nicht gefunden.


11

Sonntag, 12. Januar 2014, 00:27

Zitat

Mir ist nicht bekannt, dass es auf der palästinensischen Seite einen Filmemacher gäbe, der die Standpunkte beider Seiten zeigt ...
;)

Heinz K

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Beruf: Multimilliardär, Philanthrop, UN-Botschafter, Menschenhändler

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12

Montag, 13. Januar 2014, 15:30

Ich wüsste auch nicht, daß es im Westjordanland Filmschulen gibt, die Palästinenser zu Regiesseuren ausbildet. Und selbst wenn: Sollen die dann mit ihren Handykameras drehen? ^^

Filme sind ein sehr kostspieliges Medium. Es sind nicht umsonst fast immer nur die reichen Staaten, die sich Soft Powers leisten können.

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